„Krone“-Gastkommentar

Taschenspieler

Kolumnen
06.07.2026 09:00

Schön, wenn es die Regierenden gut meinen mit uns Regierten und Steuern senken. Für Grundnahrungsmittel wie Milch, Brot und Butter bezahlen wir seit 1. Juli nur mehr 4,9 Prozent an Mehrwertsteuer statt bisher 10 Prozent. Wie ein Testkauf der „Krone“ diese Woche gezeigt hat, summiert sich die Ersparnis für einen Bürger im Jahr auf 38,51 Euro. Das ist nicht nichts.

Schade nur, dass diese Entlastungswelle so schlecht durchdacht ist, dass sie bereits an der Bürokratie bricht. Denn Butter und eine Semmel sind jetzt billiger, eine Buttersemmel allerdings nicht. Der Gehalt von Fett und Zucker bestimmt den Steuersatz. So kann selbst ein Weckerl – je nachdem, womit es der Bäcker bestreut – unter den günstigeren Steuersatz fallen oder eben nicht. Naturjoghurt wird entlastet, Fruchtjoghurt nicht. Der Aufwand für Geschäfte und Produzenten ist enorm. Und man muss sich fragen, wer ihn letztlich bezahlt.

Gleichzeitig greifen die Gutmeiner an anderer Stelle umso kräftiger zu. Wer einen neuen Pass benötigt, bezahlt seit einem Jahr 36,10 Euro mehr. Pensionisten werden über höhere Krankenversicherungsbeiträge jährlich mit zusätzlichen 130 bis 240 Euro belastet. Wer auf das Klimaticket abfährt, bezahlt 1400 Euro statt ursprünglich 1095. Und die Wiener Öffi-Jahreskarte wurde um 102 Euro teurer.

De facto greift uns der Staat tief in die eine Tasche, um uns ein paar Münzen in die andere zurückzustecken. Einst nannte man das: einen Taschenspielertrick.

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