„Krone“-Kommentar

Lebensmittel billiger, aber keiner merkt’s

Kolumnen
04.07.2026 06:00

Worauf die Österreicher sehnsüchtig gewartet haben, ist nun endlich so weit: Mit 1. Juli wurde die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent gesenkt. Das belastet das ohnehin marode Staatsbudget mit rund 400 Millionen Euro im Jahr.

Mit der Maßnahme will die Politik einerseits die Bevölkerung entlasten und andererseits die hohe Inflation etwas dämpfen. So weit, so lobenswert. Doch Österreich wäre nicht Österreich, wenn nicht wieder aus einer wohlwollenden Absicht ein Fall von „gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht“ würde. Rechnet Otto-Normalverbraucher nach, was ihm die reduzierte Steuer tatsächlich bringt, sind es gerade einmal um die 100 Euro pro Jahr. Umgerechnet sind das lediglich zwei Euro pro Woche und Haushalt, die mehr im Börsel bleiben. Besser als nix, werden nun viele sagen. Ja, eh.

Mit 400 Millionen hätte man aber gezielter unterstützen können, statt wieder die „Gießkanne“ auszuschütten. Ganz zu schweigen davon, dass die Umstellung den Lebensmittelhändlern Millionen Euro gekostet hat und viele Kunden jetzt schon den Kopf schütteln, wie kompliziert man die Regelung gestaltet hat. Weizenbrot ist reduziert, Roggen nicht. Aber für das Mohnweckerl (aus Weizenmehl) – weil über 5 Prozent Fettgehalt – sind weiterhin 10 Prozent fällig. So weit, so unklar.

Am Ende ist es aber sowieso egal. Die 3 Cent bei der Bio-Kaisersemmel etwa werden niemandem auffallen. Und wenn Rohstoffe, Personal, Energie & Co. teurer werden, ist man sowieso schnell wieder auf dem ursprünglichen Preisniveau oder darüber ...

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