Hufeisenbruch schmilzt

Pasterze ist bald nicht mehr größter Gletscher

Kärnten
02.07.2026 18:00

Die folgen der hohen Temperaturen in Österreich haben massive Auswirkungen auf die Natur. Seit Jahren warnen Experten, noch heuer könnte es so weit sein: Die Pasterze verliert ihren Rang als größter Gletscher Österreichs.

Der „Hufeisenbruch“ verbindet das Firngebiet und die Gletscherzunge der Pasterze unterhalb des Gipfels des Großglockners – und das als letztes Stück. Nun droht diese Eisfläche noch in den kommenden Monaten abzuschmelzen, wenn die Temperaturen weiterhin so weit in die Höhe schnellen, das teilen der Alpenverein (ÖAV), der Nationalpark Hohe Tauern und Geosphere Austria, der Dienst für Geologie, Geophysik, Klimatologie und Meteorologie, am Donnerstag mit.

Aktuell misst die Pasterze eine Fläche von 16,7 Quadratkilometern. An zweiter Stelle liegt der Gepatschferner Gletscher im Tiroler Kaunertal mit einer Fläche von 14,5 Quadratkilometern. Dieser ist anders aufgebaut, hat eine kleinere Zunge und sehr viel Masse in höheren Lagen.

Wo einst Schnee und Eis lagen, schmilzt nun alles dahin.
Wo einst Schnee und Eis lagen, schmilzt nun alles dahin.(Bild: APA/BARBARA GINDL)

„Bei etwas besseren Bedingungen könnte sie noch zumindest dieses Jahr überdauern“, so die Experteneinschätzungen. Noch zur Jahrtausendwende war die Eisbrücke über den „Riffwinkel“ an der Nordseite der Pasterzenzunge noch 800 Meter breit. Mittlerweile ist sie ein „schmales Brückchen“. Die markante Gletscherzunge, die früher als dicker Eispanzer zum Beispiel von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus zu beobachten war, ist schon deutlich zurückgegangen. Heute sehen Besucher statt beeindruckender Eisflächen nur noch kleine Seen oder Wasserfälle - wie jene Eisbrücke, die 2020 geschmolzen ist, der „Schneewinkel“. Michael Avian und Anton Neureiter kümmern sich um die Massenbilanzmessung auf dem Glockner: „Die Bewegung der Rest-Gletscherzunge ist beinahe zum Stillstand gekommen und die Eismasse schmilzt nicht nur dahin, sondern ist einem großflächigen Zerfall preisgegeben.“

Neuschneemassen fehlen in hohen Lagen
Neben den hohen Temperaturen fehlt auch der Neuschnee massiv, denn ohne ihn schwinden Eiskörper schnell. Darauf habe auch der Alpenverein immer wieder mit „Gletscherberichten“ hingewiesen. Wenn die Eisbrücke abschmilzt, gibt der abgetrennte untere Teil nur noch als „Toteiskörper“. 

Die alljährlichen Messungen an der Pasterze leitet Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Institut für Geografie und Raumforschung an der Universität Graz, für den die Gletscherzunge bereits seit längerem praktisch „als Toteismasse zu bezeichnen ist“, die sich „nicht mehr regenerieren kann“. Die Zunge ist alleine „von 2024 auf 2025 um 7,3 Meter eingesunken. Die dabei abgeschmolzenen 12,4 Millionen Kubikmeter Eis entsprächen einem Eiswürfel mit 231,5 Metern Kantenlänge“. Ab 1980 ging jährlich im Durchschnitt eine Tonne Eis pro Quadratmeter Gletscherfläche verloren.

Für Alpenvereins-Vizepräsidentin Nicole Slupetzky ist „das Abschmelzen unseres größten Gletschers“ mittlerweile „weit mehr als ein lokales Naturereignis. Wir sehen hier ganz klar die Auswirkungen der Klimakrise und damit die Veränderung eines einzigartigen Naturraums, der unsere Alpen über Generationen geprägt hat“.

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