Greenpeace deckt auf

Wien im Asbest-Schock: Krebs-Gift im Straßenbelag

Wien
01.07.2026 10:08

Greenpeace schlägt Alarm. Die Umweltorganisation hat auf acht Straßen in Wien und Umgebung Asbest im Asphalt entdeckt – auch auf stark befahrenen Hauptstraßen. 

Wien hat ein Gift-Problem unter den Rädern. Greenpeace hat auf acht Straßen in Wien und im niederösterreichischen Umland Asphalt entdeckt, der mit Asbest belastet ist. Sechs der Straßen liegen in Wien, zwei davon sind keine ruhigen Seitengassen, sondern stark befahrene Hauptstraßen: die Rosenhügelstraße und die Triesterstraße. Auf einem rund 1000 Meter langen Abschnitt der Rosenhügelstraße besteht die Fahrbahn phasenweise durchgehend aus Asbest-Asphalt.

Eine der gefährlichsten Asbestarten überhaupt
An zwei Stellen – Rosenhügelstraße und Stieglergasse – hat Greenpeace verdächtige Steinchen aus dem Belag gekratzt und in ein akkreditiertes Labor geschickt. Das Ergebnis lässt aufhorchen: In beiden Proben steckte nahezu reiner Amphibolasbest, eine der gefährlichsten und am stärksten krebserregenden Asbestarten überhaupt. Im Elektronenmikroskop zeigt sich das Mineral als Haufen feinster, spitzer Fasern.

Genau darin liegt die Gefahr. Die Asbeststeinchen im Asphalt sind weich wie Speckstein. Ein Druck mit dem Kugelschreiber reicht, damit sie zerbröseln. Bei jeder Belastung – Schwerverkehr, Schneepflüge, Spikereifen – brechen die Fasern in noch kleinere Teile, werden unsichtbar aufgewirbelt und landen in der Atemluft. Aus einem einzigen Milligramm reinem Asbest können bis zu zehn Millionen Fasern entstehen.

Greenpeace hat an mehreren Orten Proben entnommen
Greenpeace hat an mehreren Orten Proben entnommen(Bild: Greenpeace)

Ein Kugelschreiber genügt für den Zerfall
„Seit Monaten melden sich besorgte Menschen bei uns mit Hinweisen auf asbestbelastete Straßen, Einfahrten und Spielplätze. Jetzt ist auch Wien betroffen, denn wir haben Asbest-Asphalte in dicht besiedelten Gebieten und sogar auf stark befahrenen Straßen entdeckt. Doch die Regierung ist noch immer untätig“, sagt Stefan Stadler, Sprecher des Greenpeace-Investigativteams.

Ausgangspunkt des Skandals ist das Burgenland: Vier Serpentinit-Steinbrüche haben dort jahrzehntelang asbestdurchsetztes Gestein an Asphaltmischanlagen der Ostregion verkauft, rund 900.000 Tonnen pro Jahr. Erst zum Jahreswechsel wurden die Brüche wegen „Gefahr in Verzug“ gesperrt. Inzwischen ist der Skandal bis in die Steiermark, nach Niederösterreich und Ungarn gewandert.

Stadt Wien leitet zusätzliche Prüfungen ein
Die Stadt Wien reagiert unterdessen rasch: Schon nach Bekanntwerden der Fälle im Burgenland führte die zuständige MA 28 ein neues Prozedere ein. Bei jedem Straßenbauprojekt mit Straßenaufbruch wird der bestehende Straßenkörper künftig vorab auf Asbest untersucht, zusätzlich hat die Stadt umfangreiche Laboruntersuchungen bei einer akkreditierten Prüfanstalt in Auftrag gegeben. „Die von Greenpeace vorgebrachten Hinweise auf mögliche Asbestbelastung auf Straßen werden von der Stadt Wien selbstverständlich ernst genommen und sorgfältig geprüft, es wird allen Hinweisen nachgegangen“, hält der stellvertretende MA-28-Leiter Wolfgang Ablinger fest.

Interaktive Online-Karte
Greenpeace hat nun eine interaktive Online-Karte eingerichtet, auf der Menschen verdächtige Stellen melden können. Mehr als 300 Hinweise sind bereits eingelangt, an über 65 Orten wurde Asbest inzwischen bestätigt.
„Sie werden bei der Asbest-Entsorgung und der Finanzierung für die Sanierung im Stich gelassen“, kritisiert Stadler und fordert von Bundeskanzler Christian Stocker Geld aus dem Katastrophenfonds für die Betroffenen sowie eine günstige Entsorgungslösung für den belasteten Asbestschotter.

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