Gleich zwei Einsätze

Mutige Polizistin und Katze als „Schlangen-Retter“

Steiermark
16.08.2026 13:40

Sowohl eine Polizistin als auch eine Katze entdeckten kürzlich in Graz und der Obersteiermark zwei ausgebüxte oder ausgesetzte, nicht heimische Tiere. Reptilienexperte Werner Stangl hatte alle Hände voll zu tun! 

Keine Verschnaufpause ist Werner Stangl, dem steirischen Reptilien- und Amphibienexperten, vergönnt. Erst kürzlich brachte ihm, wie berichtet, eine Frau einen völlig ausgehungerten Königspython, den sie am Grünen See gefunden hatte. Das Tier hat sich mittlerweile gehäutet – ein gutes Zeichen, über den Berg ist es aber noch nicht.

Doch schon muss der Experte erneut Platz für weitere Schlangen schaffen! Denn gleich zweimal schrillte bei ihm am Donnerstag das Einsatztelefon. Der erste Fall startete kurios: Mit gespitzten Ohren saß die Katze eines Steirers beim Zaun, ihr Blick wich nicht von der Stelle. „Was hat sie da bloß?“, fragte sich ihr Besitzer in Graz-Eggenberg und schaute nach. Er staunte nicht schlecht, als er plötzlich eine kleine, rund 40 Zentimeter lange Schlange mit Horn im Gesicht entdeckte.

Die Westliche Hakennasennatter hätte vermutlich nicht gerne mit der Katze weitergespielt und war ...
Die Westliche Hakennasennatter hätte vermutlich nicht gerne mit der Katze weitergespielt und war froh, gerettet worden zu sein(Bild: Werner Stangl)

Klapperschlange als ungünstiger Erstverdacht
Gleich zückte er sein Handy und schoss ein Foto von dem gefleckten Tier mit den großen, runden Augen. Dann suchte er aus dem Internet Werner Stangls Nummer heraus und schickte ihm ein Bild vom Körper. „Da war ich zugegebenermaßen etwas erschrocken, denn aufgrund der Zeichnung hätte es sich durchaus um eine Klapperschlange handeln können. Kurz darauf habe ich aber auch ein Bild vom Gesicht erhalten und durchgeatmet“, erzählt er. Sofort wusste er, dass es sich zwar um eine giftige, für Mensch und Tier aber ungefährliche Westliche Hakennasennatter, auch „Heterodon nasicus“ genannt, handelte. Ihre Giftzähne befinden sich im Hinteren des Mauls und dienen lediglich dazu, kleine Beutetiere wie Eidechsen und Mäuse zu paralysieren.

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Aufgrund der Zeichnung hätte es sich durchaus um eine Klapperschlange handeln können. Da war ich schon etwas erschrocken.

Experte Werner Stangl

Nichtsdestotrotz hat sie in freier Wildbahn in der Steiermark nichts verloren! So packte Stangl seine Einsatzsachen zusammen und hatte es zum Glück nicht weit – gerade einmal zwei Kilometer musste er fahren, um zum Einsatzort zu gelangen. Wenig später entdeckte er die Schlange unter einem Bodendecker und fing sie – ganz zum Pech der Katze – ein. 

Polizistin bewies bei „Helga“ Mut
Gegen 22 Uhr – da hatte sich Werner Stangl gerade zur Ruhe gebettet – schlug seine Alarm-App erneut an. Denn am Heimweg hatte ein Steirer eine rot-weiße Schlange gesichtet, die sich gerade über die Straße Richtung einer Mehrparteienhaussiedlung in Trofaiach schlängelte. In der Garage blieb sie unter einem Auto liegen – vorerst. Denn wenig später „verabschiedete“ sie sich und kroch in einen Schacht. Werner Stangl enttarnte das Reptil als harmlose Albino-Dreiecksnatter. Da auch sie nichts in unserer freien Wildbahn verloren hat, war es dringend nötig, sie zu sichern. Klar war, dass sie irgendwann wieder die Wärme der Sonne suchen würde. 

„Helga“ verschanzte sich zuerst unter einem Auto
„Helga“ verschanzte sich zuerst unter einem Auto(Bild: Werner Stangl)

Gleich am nächsten Tag war es so weit: Sie wurde gesichtet und die Polizei alarmiert. Diese rief gleich bei Werner Stangl an. „Die Beamtin am Telefon schien sehr unerschrocken. Da mein Rettungsfahrer Markus Mossauer sicher eine halbe Stunde gebraucht hätte, um am Einsatzort anzukommen, fragte ich die Dame, ob sie die Schlange unter meiner Anweisung einfangen würde.“ Tatsächlich zögerte die Polizistin nicht lange, zog sich einen Handschuh an und griff vorsichtig zu. Dann legte sie die Schlange, die von den Beamten liebevoll „Helga“ genannt wurde, in eine mit Gras eingerichtete Schachtel und deckte sie zu. Rettungsfahrer und Schlangen-Fachmann Markus Mossauer holte sie schließlich ab.

Beide Schlangen müssen nun 30 Tage lang behördlich ausgeschrieben werden. Meldet sich ihr Besitzer nicht, werden sie an neue vergeben. 

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