Test nicht bestanden

Wien auf Hitze nicht vorbereitet – das geht besser

Wien
30.06.2026 05:00

Heiß, heißer, Wien – am Sonntag hat die Stadt einen Rekord geknackt, 40 Grad zeigte das Thermometer an. Leider gestaltete sich die Suche nach Abkühlung als schwierig – und leider kann die Stadt Wien mit solchen Temperaturen nicht umgehen. Jetzt muss die Politik rasch handeln.

Der Höhepunkt der ersten Hitzewelle ist geschafft – mit 40 Grad war es Sonntag so heiß wie noch nie in der Stadt, die Nächte fühlen sich an wie in den Tropen. Und das im Juni! Leider muss sich die Stadt dieses Fazit gefallen lassen: Wien ist nicht auf solche Temperaturen vorbereitet, den ersten Stresstest hat sie völlig vergeigt:

Coole Zonen

Coole Zonen geschlossen! Abkühlen in künstlich temperierten Räumen? In Wien Fehlanzeige! „Nachdem das Netz von der Mitwirkung von Partnerorganisationen wie Häuser zum Leben, Büchereien Wien lebt, hängen die Öffnungszeiten der Standorte auch von den personellen und infrastrukturellen Möglichkeiten dieser Organisationen ab“, heißt es aus dem Büro von Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Heißt: Sie waren geschlossen. Bis auf vier Pensionistenklubs. Ein Drama für eine Zwei-Millionen-Stadt.

Das geht besser: Andere Städte haben auch am Wochenende reagiert. Florenz etwa hat 53 Zufluchtsorte geschaffen. Zwar sind viele Parks und Grünzonen dabei, die in Wien frei zugänglich sind, aber geöffnet hatten auch sieben Bibliotheken und fünf Stadtteilbüros. Für gerade 363.000 Einwohner. Ähnliche Maßnahmen wurden in Rom und Turin oder auch Madrid gesetzt.

Abkühlung in Bädern

Freibäder: Ohne Moos nix los. Wien hat mehr als 63 Kilometer frei zugängliche Ufer, moderne Badeplätze und konsumfreie Erholung direkt am Wasser! Das ist einmalig und sensationell. In den Freibädern zählt aber die Geld-Schranke – wer nicht flüssig ist, kommt nicht ins Wasser. Naturgewässer sind aber nicht für alle bei 40 Grad zu erreichen.

Das geht besser: Auch Greenpeace fordert Gratis-Eintritt in Bäder als Teil eines Hitze-Notfallpakets. In Rom dürfen Bürger ab 70 Jahren kostenlos in 17 kommunale Freibäder. In Zagreb waren die von der Stadt betriebenen Schwimmbäder während ihrer regulären Öffnungszeiten am gesamten Wochenende ohne Eintritt zugänglich. Ähnliche Angebote gab es in Teilen Frankreichs.

Die Öffis als Saunen

Mega-Hitze in Öffis, Spitälern, Schulen! Das ist nichts, das von heute auf morgen geändert werden kann. Aber 32 Grad im Kreißsaal der Klinik Hietzing, Temperaturen von bis zu 39 Grad in Wiens Klassenzimmern und Sauna-Glut in Straßenbahnen – das ist einer Stadt wie Wien im Jahr 2026 unwürdig.

Das geht besser: Madrid etwa investiert Millionen in die Klimaanlagen von 93 Metro-Zügen. In Barcelona sind alle Metrozüge heruntergekühlt. In London werden gerade Kliniken nachgerüstet – ein Beispiel: das Whipps Cross Hospital. Vorhaben: Sechs Stationen mit mehr als 250 Betten mit besserer Lüftung und Klimatisierung. Wieder Barcelona: Bis 2030 sollen 170 öffentliche Bildungszentren klimatisch angepasst werden.
Fazit: Es geht besser!

Hitze vor und leider auch in der Klinik Hietzing
Hitze vor und leider auch in der Klinik Hietzing(Bild: Philipp Stewart)
Coole Zonen sind beim Härtetest durchgefallen. So reagiert die Politik.
So sehen Bezirke das Abkühl-Fiasko

Dass am Wochenende Wiener überhaupt Abkühlung in Coolen Zonen fanden, haben sie Neubaus Bezirkschef Markus Reiter (Grüne) zu verdanken. „Ich habe mich die Tage zuvor beim Pensionistenklub erkundigt, ob eine Öffnung am Wochenende finanziell im Rahmen liege“, so Reiter über die Hintergründe. Als das publik wurde, hat die Stadt drei weitere Standorte (kurzfristig) in Betrieb genommen. Das bestätigt auch Penzings Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner (SPÖ): „Ich habe Freitagnachmittag davon erfahren.“

Markus Reiter erkannte die Dimension der Hitzewelle. Reiter: „Die Coole Zone wird richtig gut ...
Markus Reiter erkannte die Dimension der Hitzewelle. Reiter: „Die Coole Zone wird richtig gut angenommen. Von Studierenden über Mütter mit Kindern bis hin zu Senioren ist wirklich jeder dabei.“(Bild: BV07)

„Eine unbefriedigende Situation“
Die „Krone“ fragte in den Bezirken nach, warum die erste Bewährungsprobe in einem Fiasko endete. Brigittenaus Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm (SPÖ) formuliert es so: „Es handelt sich um eine unbefriedigende Situation. Aufgrund des Überstundenkontingents ist es nicht möglich, an Wochenenden den klimatisierten Sitzungssaal zu öffnen. Nach allem, was ich von Experten höre, muss es rasch eine Lösung geben.“

Die Stadträte Jürgen Czernohorszky (li.) und Peter Hacker (re.) zeigen auf dem Archivfoto stolz ...
Die Stadträte Jürgen Czernohorszky (li.) und Peter Hacker (re.) zeigen auf dem Archivfoto stolz die Coole Zone her. Am Wochenende waren fast alle geschlossen.(Bild: Stadt Wien/Martin Votava)

Aus der Josefstadt heißt es, die einzige Coole Zone werde von der Stadt betrieben. Einfluss habe der Bezirk keinen. In Margareten fehlt es am Wochenende an Betreuungspersonal mit Erste-Hilfe-Ausbildung; man arbeite aber an einer Lösung für den restlichen Sommer. Liesing verweist darauf, dass alles, was über die zwei ins Stadtverzeichnis aufgenommenen Pensionistenklubs hinausgehe, nicht in Reichweite des Bezirks liege.

„Ein wichtiges Anliegen“
Floridsdorfs Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ) betont, ihm sei eine Wochenendöffnung zwar „ein wichtiges Anliegen“ – entscheiden könne er es allerdings nicht, die Zuständigkeit liege bei der Stadt. Konkret spricht es Währings Bezirksvorsteherin Silvia Nossek aus: „Die Stadt rühmt sich zwar, dass es diese ganzen Coolen Zonen gibt, aber in Wahrheit sind es alles Initiativen von irgendwelchen Organisationen.“ Strukturell sei nichts abgeklärt. Ihr Festsaal stehe klimatisiert und leer von Juli bis August – am Wochenende fehle aber der Portier. 

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