Wiener Seniorenheim

Arznei-Skandal: Kein Stein bleibt auf dem anderen

Wien
18.08.2026 19:00

Immer mehr Details zu den Fehlmedikationen im Wiener Seniorenhaus Leopoldau kommen ans Tageslicht. Vorfälle wurden demnach schon vor über einem Jahr entdeckt, aber nicht wirkungsvoll bekämpft. Nun öffnet das Kuratorium externen Experten alle Türen und Akten. Sie haben bereits mit der Arbeit begonnen.

Auch das städtische Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP) weiß um das Ausmaß des Skandals noch nicht Bescheid. Tatsache ist: Erste Belege dafür, dass 20 Bewohnern einer Station im „Haus Leopoldau“ die falsche Medikation verabreicht wurde – die „Krone“ berichtete – gab es bereits im März 2025. “Das Haus hat damals eine Prüfung durchgeführt, die offensichtlich unzureichend war“, meint das KWP nun schuldbewusst.

Erste Gespräche mit Betroffenen schon am Montag
Umso mehr legt das KWP die Aufklärung nun in die Hände externer Experten, die bereits die Arbeit aufgenommen haben: Der angesehene Mediziner Christian Sebesta hat am Montag, bevor die Öffentlichkeit über die Vorfälle informiert wurde, Gespräche mit Betroffenen geführt. Er sowie die Rechtsanwaltskanzlei Baker McKenzie bekommen volle Akteneinsicht und sollen auch durch Gespräche die Abläufe analysieren.

Leopoldau bis auf Weiteres „Zweigstelle“ von Währing

Nach der Freistellung der bisherigen Direktorin per Montag ist nun Jasmin Tomassi, die Direktorin des Hauses An der Türkenschanze, bis zur Bestellung einer neuen Leitung in der Leopoldau auch für das dortige Haus verantwortlich.

Offenbar wurden von den zwei freigestellten Angestellten – der Leiterin des Hauses und der Leiterin des Ambulanzteams auf der betroffenen Station – Lieferungen von Apotheken nicht auf Übereinstimmung mit den Anforderungen überprüft, sondern einfach so, wie sie geliefert wurden, an die Bewohner verabreicht. Manchmal ging es dabei nur um Dinge wie Arznei in Tropfen- statt in Tablettenform, manchmal aber auch um grundlegend falsche Medikation.

Schweigen zu den zwei betroffenen Verantwortlichen
Ob sich die zwei betroffenen Frauen schuldbewusst oder zumindest kooperativ bei der Aufklärung zeigen, wollen die Häuser zum Leben nicht preisgeben: Man bitte „um Verständnis, dass wir uns zu laufenden dienstrechtlichen Verfahren nicht äußern“, heißt es gegenüber der „Krone“. Man betont aber das Bemühen um größtmögliche Transparenz und weist Berichte zurück, wonach die Angehörigen der betroffenen Bewohner erst aus den Medien von den Vorfällen erfahren hätten.

Man werde die Öffentlichkeit erneut informierten, sobald die externen Untersuchungen abgeschlossen seien, versprechen die Häuser zum Leben. Das dürfte in näherer Zukunft passieren: Für Anfang September hat Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) den KWP-Vorstand zu einer Sondersitzung einberufen. In diesem Gremium sind alle Parteien vertreten. Die Opposition hatte sich nach Bekanntwerden der Vorfälle bereits einhellig über das „Kontrollversagen“ empört und lückenlose Aufklärung gefordert.

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