„Krone“ vor Ort

Bruckner Orchester in Wien: Frenetischer Applaus

Oberösterreich
25.06.2026 13:00

Kein Heimspiel, sondern ein Konzert im Herzen der Klassikhauptstadt: Das Bruckner Orchester Linz begeisterte im Goldenen Saal des Musikvereins Wien mit musikalischer Wucht. Markus Poschner erwies sich dabei einmal mehr als Meister feinster dynamischer Nuancierungen und lebendiger Tempi. Ein begeistertes Wiener Publikum – die „Krone“ war dabei.

Mit zwei wegweisenden Werken begeisterten Markus Poschner und das Bruckner Orchester Linz das Publikum im Wiener Musikverein.

Beethovens erste Symphonie, 1800 uraufgeführt, erfüllte den Goldenen Saal mit Frische, Eleganz und jugendlicher Energie. Poschner erwies sich dabei einmal mehr als Meister feinster dynamischer Nuancierungen und lebendiger Tempi. Das Orchester folgte ihm mit virtuoser Präzision und großer Spielfreude.

Mahler fordert und provoziert
Nicht minder revolutionär wirkt Gustav Mahlers rund 110 Jahre später entstandene neunte Symphonie, von persönlichen Krisen – dem Tod seiner fünfjährigen Tochter, antisemitischen Anfeindungen, ehelichen Konflikten und einer schweren Herzdiagnose – überschattet.

Eingängige Melodien treten zurück. Stattdessen prägen fragmentarische Motive, Anklänge an Ländler und Walzer sowie schroffe Ausbrüche die Musik, die stellenweise bereits an der Schwelle zur Atonalität steht. Nach rund 80 Minuten endet die Symphonie in einem langen, nahezu entrückten Verlöschen – „morendo“, sterbend und zugleich transzendierend. Diese radikale musikalische Auseinandersetzung mit dem Tod fordert und provoziert bis heute.

(Bild: Amar Mehmedinovic)

Ein intensives Dirigat, ein Publikum voller Kenner
Das Wiener Publikum setzte sich dabei aus einem erfahrenen Stamm von Kennerinnen und Kennern sowie zahlreichen internationalen Gästen zusammen. Während Letztere nicht selten zwischen den Sätzen applaudierten, folgte der überwiegende Teil der Zuhörerschaft aufmerksam auch den Momenten größter Stille.

Poschner dirigiert zunehmend mit dem ganzen Körper: mit Kopf, Schultern, Füßen und natürlich den Händen. Seine Gestik wirkt kraftvoll und suggestiv, zugleich lässt er den Musikerinnen und Musikern Raum zur Entfaltung. Offensichtlich vertraut er seinem Orchester uneingeschränkt – und dieses Vertrauen wird erwidert.

Poschner erweist sich dabei nicht nur als herausragender Dirigent, sondern auch als inspirierender musikalischer Gestalter, der seine Interpretationen offenbar bereits in den Proben analytisch und überzeugend vermittelt – und das Bruckner Orchester in lichte Höhen führt.

Auch dieser Abend zeigte: Die Konzertserie des Bruckner Orchesters Linz im Wiener Musikverein entwickelt sich mittlerweile zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte – die Linzer Musikerinnen und Musiker wurden mit frenetischem Applaus gefeiert.

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