Schönste Wanderrouten

Klangraum.Stein: Wo die Bergwelt hörbar wird

Vorarlberg
26.06.2026 12:00

Im Großen Walsertal lädt der „Klangraum.Stein“ dazu ein, die Natur einmal anders wahrzunehmen – mit offenen Ohren. Zwischen Wald, Wasser und Felsen wird das Hören selbst zum Erlebnis.

Der „Klangraum.Stein“ im Großen Walsertal verbindet Naturerlebnis, Kunst und akustische Wahrnehmung auf besondere Weise. Zwischen der Bergstation der Seilbahn Sonntag-Stein und der markanten Echowand lädt ein rund vier Kilometer langer Themenweg dazu ein, die alpine Landschaft nicht nur mit den Augen, sondern vor allem mit den Ohren zu entdecken. Entlang der Route regen verschiedene Klanginstallationen und künstlerisch gestaltete Stationen dazu an, der natürlichen Geräuschkulisse bewusst zu lauschen, selbst Klänge zu erzeugen oder die Ruhe der Bergwelt wahrzunehmen.

Tipps und Infos

Typ: Themenweg
Dauer: 1,5 bis 2 Stunden
Ausgangspunkt: Bergstation der Seilbahn Sonntag-Stein
Ausrüstung: Laufschuhe mit guter Profilsohle, Sonnenschutz, ausreichend zu Trinken
Einkehrmöglichkeiten: Liftstüble bei der Bergstation oder Biosphärenparkhaus in Sonntag, zudem gibt es entlang der Strecke eine Grillstelle mit Lehmofen zum Pizza backen (erhältlich im Seilbahnstüble).
Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 570 S (ab Ludesch Bahnhof oder Busplatz Thüringen) bis Seilbahn Stein

Unterwegs in Richtung der Rosenkranz-Kapelle.
Unterwegs in Richtung der Rosenkranz-Kapelle.(Bild: Rubina Bergauer)

Abwechslungsreiche Wanderung
Ausgangspunkt der klangvollen Wanderung ist die kleine Ortschaft Sonntag. Mit der Seilbahn geht es hinauf zur Bergstation, wo der Themenweg in Richtung „Steinbild“ beginnt und bereits zu Beginn landschaftlich beeindruckt. Die Strecke führt durch ein abwechslungsreiches Landschaftsmosaik aus Weideflächen und Hangmooren. Zahlreiche Pflanzenarten gedeihen hier, darunter Wiesenlabkraut, Berg-Klee, Kuckucks-Lichtnelke, Wollgras sowie verschiedene Knabenkräuter.

Berg-Klee

Der Berg-Klee ist eine ausdauernde Pflanzenart aus der Familie der Hülsenfrüchtler und zählt zu den charakteristischen Blütenpflanzen sonniger Magerwiesen und lichter Waldränder. Er bevorzugt kalkreiche, nährstoffarme Böden und ist vor allem in den Mittel- und Hochlagen Europas verbreitet. In Österreich kommt er häufig in extensiv bewirtschafteten Bergwiesen vor und gilt als wertvoller Bestandteil artenreicher Kulturlandschaften. Die Pflanze erreicht Wuchshöhen von etwa 20 bis 50 Zentimetern. Auffällig sind ihre weißlich bis cremefarbenen, kugeligen Blütenköpfchen, die von Mai bis Juli erscheinen. Die dreizähligen Blätter sind länglich geformt und auf der Unterseite fein behaart – ein Merkmal, das den Berg-Klee von anderen Kleearten unterscheidet. Als Nektar- und Pollenpflanze spielt der Berg-Klee eine wichtige Rolle für zahlreiche Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge. Gleichzeitig trägt er als Hülsenfrüchtler dazu bei, Stickstoff aus der Luft im Boden zu binden und verbessert so auf natürliche Weise dessen Fruchtbarkeit. Da der Berg-Klee auf eine schonende Bewirtschaftung angewiesen ist, gilt sein Vorkommen häufig als Hinweis auf ökologisch wertvolle und naturnahe Wiesen.

Der Berg-Klee ist ein Indikator für naturnahe Ökosysteme.
Der Berg-Klee ist ein Indikator für naturnahe Ökosysteme.(Bild: Rubina Bergauer)

Mit Bedacht auf die Natur errichtet
Bei der idyllisch gelegenen Rosenkranzkapelle zweigt der Wanderweg ab und verläuft nun größtenteils durch den Wald. Schon bald erreicht man den sogenannten „Klangfall“ – einen Akustikpavillon am Bach, der die Geräusche des Wassers aufnimmt, verstärkt und dadurch verändert. Die bis zu 700 Kilogramm schweren Bogenelemente des Bauwerks bestehen aus Stahl. Errichtet wurde der Pavillon minimalinvasiv, um die umliegende Natur so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Nach diesem vom Wasser geprägten Klangerlebnis setzt sich die Wanderung fort.

Sehen und – vor allem – hören
Im weiteren Verlauf der Strecke bieten an Holzstühlen angebrachte Hörtrichter die Möglichkeit, verborgene Geräusche „einzufangen“. Durch Hörtrichter und Hörrohre wird die Schallenergie verstärkt an das menschliche Trommelfell geleitet. Bereits im 17. Jahrhundert wurden Hörhilfen dieser Art entwickelt. Aus ihnen entstand im Laufe der Zeit unter anderem das Stethoskop, mit dessen Hilfe Mediziner Herz- und Lungengeräusche abhören können.

Den Geräuschen des Waldes lauschen.
Den Geräuschen des Waldes lauschen.(Bild: Rubina Bergauer)

Entlang des Themenwegs sind es vor allem die Klänge des Waldes, die auf diese Weise besonders eindrucksvoll wahrgenommen werden. Höhepunkt der Wanderung ist die beeindruckende Echowand, an der die eigene Stimme von den steilen Felsen vielfach zurückgeworfen wird. Eine Informationstafel erklärt zusätzlich, wie Schall entsteht und seinen Weg zum Gehör findet.

Beeindruckend: die Echowand.
Beeindruckend: die Echowand.(Bild: Rubina Bergauer)

Grillen, spielen und Pizzabacken
Wer auf dem Rückweg eine Pause einlegen möchte, kann einen Abstecher zum überdachten Grillplatz in Steinbild machen. Dort stehen eine gemauerte Grillstelle, Tische und Sitzbänke sowie ein Brunnen mit frischem Quellwasser zur Verfügung. Eine Besonderheit ist der Lehmofen, in dem eine eigens kreierte Pizza gebacken werden kann (erhältlich im Seilbahnstüble bei der Bergstation, Anm.). In unmittelbarer Nähe des Grillplatzes befindet sich zudem ein Abenteuerspielplatz.

Wer den Weg bis hierher gegangen ist, nimmt oft mehr mit als schöne Ausblicke – nämlich die Erfahrung, dass die Bergwelt ihre ganz eigene Klangkulisse bereithält.

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