Dopplungen

Subtile Überraschungen für Schubertiadepublikum

Vorarlberg
25.06.2026 16:35
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Am vergangenen Mittwoch ging die heuer verkürzte Juni-Schubertiade in Schwarzenberg in Vorarlberg zu Ende. Drei der letzten Konzerte begeisterten das Publikum restlos. 

Gesangsensembles sind beim Schubertiadepublikum beliebt. Der Hausmusikcharakter, aber auch so manche Interaktion zwischen den Publikumslieblingen auf dem Podium erfreuen. Am Dienstagnachmittag fanden sich der Bariton Konstantin Krimmel, wegen einer Beinverletzung sitzend, der Tenor Patrick Grahl und die Sopranistin Erika Baikoff zusammen, um vor allem Ausschnitte aus den Opern „Die Zwillingsbrüder“ und „Alfonso und Estrella“ darzubieten, zwei der insgesamt teils fragmentarisch erhaltenen siebzehn (!) Opern Franz Schuberts. Dass diese auch heute spielbar sind, bewiesen vor allem Claudio Abbado und Nikolaus Harnoncourt in den 1990ern in Wien und Zürich.

Beim aktuellen Konzert in Schwarzenberg überzeugte vor allem „Alfonso und Estrella“, eine Art „Romeo und Julia“-Geschichte mit glücklichem Ausgang. Berührend die lebendige Zwiesprache zwischen Vater und Sohn, und bezaubernd die subtil gestaltete Arie der Estrella. Äußerst beliebt ist beim Schubertiadepublikum auch das Duo Andrè Schuen, Bariton, und Daniel Heide, Klavier. Mit ihrem Programm am Mittwochnachmittag haben sie es sich wahrlich nicht leicht gemacht, doch trotz der Hitze, jedoch dank des geradezu missionarischen Gestaltungswillens der beiden, aber auch dank der Klimaanlage im Saal, gelang ein packendes Konzert. Gewichtige Lieder und Balladen Schuberts standen am Programm, das die Vertonung von Schillers „Bürgschaft“ enthielt. Interessant, dass drei Tage zuvor Konstantin Krimmel, ebenfalls Bariton, dasselbe herausfordernde Werk sang. Zufall oder kollegiale Konkurrenz zweier Publikumslieblinge?

Nun, der Wettkampf ging unentschieden aus. Schuen und sein Partner am Klavier boten jedenfalls eine Deutung von dramatischer Wucht, wie überhaupt der Sänger an diesem Tag unüberbietbar gut in Form war. Zwischen den Gesängen Schuberts stand Thomas Larchers Liederzyklus „Unerzählt“ nach Texten von Winfried G. Sebald am Programm – der 1944 geborene Dichter hat Teile seines bewegten Lebens im nahen Allgäu und in St. Gallen verbracht. Dass Andrè Schuen mit der Musik des 1963 geborenen Thomas Larcher etwas anfangen kann, wissen wir seit dessen Oper „Das Jagdgewehr“, die 2018 in Bregenz mit Andrè Schuen in der Hauptrolle uraufgeführt wurde. Auch die aphoristisch knappen dreizehn Lieder des Zyklus „Unerzählt“ kamen seiner Ausdruckskraft und seinem eindrucksvoll weiten Stimmumfang entgegen. Doch mehr noch lag der Fokus auf dem Klavierpart, der abgeklemmte Saiten im Korpus oder Zupfen derselben sowie allerlei Finessen im Umgang mit dem Pedal forderte. Daniel Heide vollzog dies alles mit der ihm eigenen Souveränität, wie er auch die fordernden Begleitungen der Schubert-Lieder großartig darbot.

Zwei Zugaben für das Publikum
Ganz anderen pianistischen Aufgaben stand dann am Abend Francesco Piemontesi gegenüber, der ein Solorezital mit Schuberts Sonate in G-Dur D 894 spielte, und sich nach der Pause dem Zyklus „Années de pèlerinage I, Suisse“ von Franz Liszt zu widmen – Schubert und Liszt verbindet viel mehr als derselbe Vorname. In Schuberts ausgedehnter Sonate bewunderte man die Flexibilität und Gesanglichkeit im Spiel des Tessiner Pianisten, bei Liszt die selbstverständliche Bewältigung der virtuosen Passagen, die Vielfalt der Klangfarben und über allem der stete Fokus auf der musikalischen Schönheit. Zwei Zugaben waren der Dank für den herzerwärmenden Beifall.

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