Schönste Wanderrouten

Weg durch Wiesen, Wälder und Walsergeschichte

Vorarlberg
29.05.2026 12:55

Zwischen blumenreichen Bergwiesen, alten Walserhöfen und stillen Waldwegen geht es durch die Gemeinde Raggal mitten im Biosphärenpark Großes Walsertal. Eine Wanderung, die verzückt!

Die kleine Ortschaft Raggal liegt auf der Sonnenseite des Großen Walsertals. Zur Gemeinde gehört zudem auch der höher gelegene Ortsteil Marul. Historisch geht die Besiedelung auf die Walser zurück, die im 13. und 14. Jahrhundert aus dem Oberwallis einwanderten und die hoch gelegenen Täler hierzulande erschlossen. Zahlreiche Flurnamen, Bauformen (z.B.: das typische Walserhaus) und Dialektausdrücke erinnern bis heute daran.

Tipps und Infos

Typ:Themenweg
Dauer: je nach Variante von 45 Minuten bis zwei Stunden
Ausgangspunkt: Dorfplatz Raggal, Großes Walsertal
Ausrüstung: Laufschuhe mit guter Profilsohle, dem Wetter angepasste Kleidung, Getränk, Sonnenschutz
Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 575 S (ab Thüringen Busplatz od. Bahnhof Ludesch bis Raggal)

Während andernorts Industrie und große Verkehrsachsen das Landschaftsbild über die Jahre verändert und geprägt haben, blieb das Große Walsertal lange vergleichsweise abgeschieden. Gerade diese Randlage trug dazu bei, dass sich traditionelle Wirtschaftsformen und naturnahe Lebensräume erhalten haben. Raggal liegt mitten im UNESCO-Biosphärenpark Großes Walsertal – kein unberührtes Schutzgebiet im klassischen Sinn, sondern eine Modellregion, in der Mensch, Natur und Wirtschaft möglichst nachhaltig zusammenspielen sollen. Das Motto lautet: „Die Natur nutzen, ohne ihr zu schaden.“

Im Großen Walsertal sind die Wiesen noch bunt.
Im Großen Walsertal sind die Wiesen noch bunt.(Bild: Rubina Bergauer)
Die Kriche in Raggal.
Die Kriche in Raggal.(Bild: Rubina Bergauer)
Ein Platz an der Sonne.
Ein Platz an der Sonne.(Bild: Rubina Bergauer)

Hier wird „Bio“ tatsächlich gelebt
Charakteristisch sind der hohe Anteil biologisch wirtschaftender Betriebe, extensive Bewirtschaftung und ein möglichst bewusster Umgang mit natürlichen Ressourcen. Auch naturkundlich ist diese Gegend bemerkenswert. Das Große Walsertal reicht von rund 580 bis auf über 2700 Meter Seehöhe und vereint dadurch sehr unterschiedliche Lebensräume – von Schluchtwäldern bis zu alpinen Karstlandschaften. In der Umgebung von Raggal und Marul finden sich seltene Pflanzenarten, Feuchtbiotope und naturnahe Bergwälder. Einen Eindruck von der Vielfalt der Natur kann man sich am besten bei einer Wanderung verschaffen.

Ein „Bastard“ als Naturwunder
Von Raggal starten verschiedene Routen, die entweder durch die Gemeinde führen oder sogar bis hinauf zum Tiefenseesattel oder der Gamsfreiheit (alpiner Steig!). Startpunkt ist bei der Kirche direkt am Dorfplatz, welcher von einer ausladenden Linde beherrscht wird, unter der ein Kneipp-Brunnen plätschert. Der Baum steht seit dem Jahr 1955 unter Schutz und ist ein „Bastard“ zwischen Sommer- und Winterlinde. Der grüne Riese vereint somit durchaus Gegensätzliches: In ihrer Erscheinung wirkt die Sommerlinde oft mächtig mit breiter Krone. Sie bevorzugt nährstoffreiche, eher feuchte Standorte und kommt häufig in tieferen Lagen vor. Die Winterlinde gilt als robuster gegenüber Trockenheit und Kälte und wächst auch in höheren oder raueren Lagen gut.

Die alte Dorflinde und der Kneipp-Brunnen in Raggal.
Die alte Dorflinde und der Kneipp-Brunnen in Raggal.(Bild: Rubina Bergauer)

Die zwei Arten haben zudem unterschiedliche Blühzeiten und die Blätter unterscheiden sich in Form und Behaarung deutlich voneinander. Dennoch können sich die zwei Linden-Bäume miteinander kreuzen. Die Hybridform vereint dann Merkmale beider Elternarten, weshalb die Bestimmung manchmal schwierig wird – wie etwa bei der markanten Dorflinde am Raggaler Dorfplatz.

Alpenrachen

Der Alpenrachen (wissenschaftlich Tozzia Alpina) stammt aus der Familie der Sommerwurzgewächse und wächst bevorzugt in feuchten Hochstaudenfluren, an Bachrändern oder in schattigen Bergwäldern. Trotz ihrer etwas unscheinbaren Erscheinung ist die Pflanze botanisch bemerkenswert, denn der Alpenrachen lebt teilweise parasitisch. Mit speziellen Saugorganen zapft dieser die Wurzeln benachbarter Pflanzen an und entzieht ihnen Wasser und Nährstoffe, betreibt aber gleichzeitig auch selbst Photosynthese. Die Art produziert gelbliche, röhrenförmige Blüten, die meist zwischen Juni und August erscheinen. Diese sitzen einzeln in den Blattachseln und wirken im Vergleich zum kräftigen Grün der Umgebung fast versteckt. Die weich behaarten Blätter sind gegenständig angeordnet und leicht gezähnt. Der wissenschaftliche Name erinnert an den italienischen Botaniker Bruno Tozzi aus dem 17. Jahrhundert. In vielen Regionen gilt der Alpenrachen als eher selten, da er auf naturnahe, feuchte Lebensräume angewiesen ist, die durch Verbauung, Entwässerung oder intensive Nutzung zunehmend unter Druck geraten. Wo er wächst, deutet er oft auf ökologisch hochwertige und wenig gestörte Standorte hin.

Der Alpenrachen wächst bevorzugt in feuchten Hochstaudenfluren, an Bachrändern oder in ...
Der Alpenrachen wächst bevorzugt in feuchten Hochstaudenfluren, an Bachrändern oder in schattigen Bergwäldern.(Bild: Rubina Bergauer)

Blühende Bergwiesen und famose Ausblicke
Um die Wanderung zu beginnen, orientiert man sich an den Wegweisern „Kneipp Aktivweg Raggal“ sowie „Ganai Waldrundweg“ – beide Strecken verlaufen teilweise parallel und vermitteln einen guten Eindruck von der Landschaft. Im ersten Abschnitt folgt man noch ein Stück weit der schmalen Straße bergan, bevor man schließlich im Bereich „Säge“ (1060 Meter) auf die Forststraße wechselt. Die Route führt vorbei an blühenden Bergwiesen und einer artenreichen Feuchtwiese. An einem idyllisch gelegenen Aussichtspunkt laden drei Holzliegen zum Verweilen und Genießen ein. Der Kneipp-Weg zweigt schließlich links ab und führt als schmaler Wiesenpfad zurück ins Dorf, während der Waldrundweg in Richtung Ganai weiter bergan verläuft und zwischen Forststraße und Wanderpfad wechselt. Von Ganai braucht man dann ungefähr eine Stunde zurück nach Raggal.

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