Privat soll er nicht, öffentlich kann er nicht: Schon die rund 170 Kilometer lange Anreise zur Reha wird für einen 62-Jährigen aus Niederösterreich zur großen Herausforderung.
Es war im Juni 2025, als ein Arbeitsunfall das Leben des heute 62-jährigen Gerhard Koller aus Gmünd im Waldviertel schlagartig veränderte. Seine Schulter wurde schwer verletzt, Bänder rissen. Es folgten Monate voller Schmerzen, Therapien und Hoffnung auf Besserung. Im April 2026 wurde der Waldviertler schließlich operiert, Mitte Juli soll die Reha beginnen. Doch statt im nahegelegenen Moorbad Harbach wurde ihm aus Kapazitätsgründen ein Platz im rund 170 Kilometer entfernten Baden zugewiesen.
Von Autofahrt abgeraten
Genau diese weite Anreise stellt den 62-Jährigen vor ein großes Problem. Denn: Privat soll er gar nicht erst anreisen. Einerseits aus medizinischen Gründen, andererseits seien die Parkmöglichkeiten vor Ort begrenzt und zudem kostenpflichtig. „Meine Frau kann mich leider aus gesundheitlichen Gründen nicht chauffieren“, erzählt Koller. Also öffentlich mit der Bahn anreisen? „Das schaffe ich leider mit meiner Schulter nicht. Es ist ja viel Gepäck zu transportieren“, erklärt er.
Ich habe 42 Jahre lang bei der Agrana gearbeitet und immer meine Abgaben bezahlt. Nun brauche ich einmal etwas und muss selbst in die Tasche greifen.
Gerhard Koller
400 Euro Zusatzkosten
Bleibt noch ein Krankentransport. „Die Fahrt kostet mir 400 Euro“, hat sich Koller erkundigt. Daher hat er um eine Kostenübernahme bei der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) angesucht. Doch sie wurde abgelehnt. „Ich habe 42 Jahre lang bei der Agrana gearbeitet und immer meine Abgaben bezahlt. Nun brauche ich einmal etwas und muss selbst in die Tasche greifen“, so der Gmünder.
Keine Bewilligung
Für die PVA ist der Fall aber klar. Für die Übernahme der Fahrtkosten müsse eine chefärztliche Bewilligung vorliegen. „Im Fall von Herrn Koller wurde von dem zuweisenden Arzt am Antrag explizit angegeben, dass er in der Lage ist, selbstständig anzureisen“, erklärt man auf „Krone“-Anfrage. „Mein Hausarzt hat mir noch beim Antrag geholfen. Er sieht das offenbar anders.“ Kritik übt auch der Gesundheitssprecher der FPÖ NÖ, Richard Punz: „Es kann nicht sein, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, im Stich gelassen werden.“

Hilfe aus dem Nachbarbundesland
Koller suchte dann im persönlichen Umfeld nach Alternativen – und wurde schließlich fündig. „Mein Schwager reist extra aus Oberösterreich an, schläft bei uns und bringt mich am nächsten Tag nach Baden“, berichtet Koller. Die gesamte Fahrtstrecke in eine Richtung für den Mann: 250 Kilometer. Für die Anreise ist damit zumindest gesorgt. Die Frage, wie er nach dem Reha-Aufenthalt wieder ins Waldviertel zurückkommen soll, bleibt hingegen offen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.