Ist Kreml etwa sauer?

Kneissl zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück

Außenpolitik
02.08.2026 20:40

Vor wenigen Tagen hat ein Interview von Ex-Außenministerin Karin Kneissl die Runde gemacht, in dem sie Probleme in Russland mit einer ungewohnten Offenheit thematisierte. Nun stoppt sie ihre Aktivitäten im Messengerdienst „Telegram“.

Seit knapp drei Jahren lebt die österreichische Ex-Politikerin in einem Häuschen im russischen Dorf Petruschowo. Am Anfang hatte sie noch geschwärmt, dass sie ihre Zeit lieber dort verbringe als an einem Strand auf den Malediven oder den Seychellen. „Hier ist es besser“, erzählte sie damals der russischen Nachrichtenagentur „TASS“.

Doch mit der Zeit verwandelte sich die Begeisterung in Ernüchterung. Die Fassade begann zu bröckeln. Zuletzt beklagte sich die heute 61-Jährige bei einem russischen Newsportal, dass sie nach wie vor in ihrer neuen Heimat eine Fremde sei. „Leider halten mich viele Leute für einen wandelnden Geldautomaten. Damit muss ich auch klarkommen“, erzählte Kneissl. Sie beobachte, wie Mütter sich täglich betrinken und Hochprozentiges im Geschäft besorgen, statt ihren kleinen Kindern Essen zu kochen. Russin wolle sie jedenfalls keine werden, lautete ihr Fazit.

Putin verzeiht Verrat nicht
Für Freudensprünge dürften diese Aussagen beim russischen Präsidenten Wladimir Putin eher nicht gesorgt haben. Bekanntlich rächt sich der Kremlchef mit langen Haftstrafen unter widrigsten Bedingungen an seinen Kritikern. Auch legt er großen Wert darauf, dass Russland nach außen hin immer gut dargestellt wird.

Später beschwerte sich Kneissl, dass das „kleine Österreich“ anscheinend nie das Interesse an ihrem Leben verlieren würde. Sie werde daher nichts Näheres über die vier Schafe schreiben, die sie nun aufgenommen habe – um neue Schlagzeilen zu vermeiden. Später hieß es plötzlich: „Aus verschiedenen Gründen habe ich beschlossen, meinen Telegram-Kanal heute Abend zu beenden.“ Die Ausführungen dazu sind grob widersprüchlich. Zwar schreibt die Ex-Ministerin, sie arbeite „pausenlos“. Und meint noch im gleichen Satz, ihre Freizeit lieber dem Lesen von Büchern und der guten Pflege ihres kleinen Bauernhofs zu widmen. Am Ende folgt noch eine kurze Verabschiedung: „Mit herzlichen Grüßen an diejenigen mit Herz, Kopf und Rückgrat, Karin Kneissl.“

Im Dienst der russischen Propaganda
Kneissl war von 2017 bis zum Ibiza-Skandal 2019 Österreichs von der FPÖ nominierte Außenministerin. Kritiker sehen sie ganz im Dienst der russischen Propaganda stehen. Nicht nur hatte sie Russlands Präsident Wladimir Putin 2018 zu ihrer Hochzeit in die Steiermark – samt Knicks – eingeladen, sondern ihn auch mehrmals persönlich getroffen.

„Im September 2020 verließ Karin Kneissl aufgrund anhaltender Morddrohungen und eines faktischen Arbeitsverbots in Österreich unfreiwillig ihr Heimatland“, heißt es auf ihrer offiziellen Homepage. Sie übersiedelte zunächst nach Frankreich, dann in den Libanon und schließlich nach Russland. Dort leitet sie heute den Thinktank „Gorki-Zentrum“.

NEOS-Klubobmann Yannick Shetty geht davon aus, dass vor allem Kneissls Propaganda-Geschäftsmodell ein rechtliches Nachspiel für ihre österreichische Staatsbürgerschaft haben werde. Die Rechtslage scheint in diesem Fall jedenfalls klar zu sein: Wenn eine Österreicherin für einen fremden Staat arbeitet und dabei das Ansehen der Alpenrepublik schädigt, wird die Staatsbürgerschaft von den Behörden aberkannt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung