Die Ausnahme-Saxofonistin Lakecia Benjamin begeisterte im Verein mit ihrem Quartett beim Wiener Gastspiel.
Selbstbewusst, ausdrucksstark und virtuos: Wie ein lustvoll-aufmüpfiger Feuerball durchbraust der eindringliche Sound von Lakecia Benjamins Altsaxofon mit ihrem Quartett den prall gefüllten Klubraum des Porgy & Bess – gewidmet der Liebe, der Freiheit, dem Frieden, der gegenseitigen Achtung – und dem kürzlich verstorbenen Jazz- und Bluesgitarristen James Blood Ulmer.
Die Energie der 1982 in New York geborenen Jazzsaxofonistin und Komponistin und ihrer kongenialen musikalischen Partner an Klavier, Bass und Schlagzeug ist überwältigend. Mit ihrem aktuellen Projekt „We Dream“ verbindet die kämpferische Musikerin eine positive Botschaft der Gemeinsamkeit und der realen Möglichkeiten und feiert obendrein Frauen im Jazz. Umgesetzt in viel freies Spiel mit starkem Rhythmus, Blues, Hip-Hop, Funk und ein bisschen Soul.
Von der Grundlinie entstehen da in der Improvisation mit voller Wucht und dennoch leichtfüßig fantastisch-explosive Klanggeschöpfe, die Lakecia Benjamin mit geradezu tänzerischer Saxophonlinie mit überquellenden reichhaltigen Goldfäden durchwirkt oder eine gespannt-gelassene Motivspur darüberlegt – souverän, gefühlvoll und sehr cool. Pianist Oscar Perez macht da schon mal einen kleinen Abstecher in Calypso Gefilde und Bassist Elias Bailey hält nicht nur markant-souverän die Bodenhaftung, sondern erzählt auch eine mitreißende rasant-melodiöse Ergänzungsgeschichte.
Atemberaubend begibt sich Lakecia Benjamin in ein Improvisationsduett mit dem eruptiven Schlagzeug von Jonathan Barber, das zum veritablen und sehr amüsant-freundschaftlichen Zweikampf ausufert. John Coltranes Perspektive auf den Klassiker „My Favourite Things“ - einschließlich dem grandios wiederkehrenden Zitat von „A Love Supreme“ und mit herrlich zersplitternder Ausdruckskraft – erhält eine Widmung für James Blood Ulmer. Mit dem spielte die junge Altsaxofonistin vor zwölf Jahren bei ihrem zweiten Auftritt im Porgy & Bess zusammen und dass sie ihn ob seiner grummelnden Aussprache nicht verstand, wird diesmal in Benjamins plastischer Erzählung zum charmanten Sketch. Stevie Wonders „Isn‘t She Lovely“ zum Abschied trifft die Sache fast genau: Entzückend vielleicht nicht, aber absolut außerordentlich und durchaus bezaubernd.
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