Eine aktuelle Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) zeigt: Sinkende Lehrlingszahlen, schwindende Ausbildungsbetriebe und mangelnde Grundkompetenzen bei Bewerbern gefährden das Erfolgsmodell Lehre. WKV-Präsident Karlheinz Kopf warnt vor drastischen Folgen für den Wirtschaftsstandort.
Vorarlberg gilt traditionell als das Lehrlingsland Nummer eins in Österreich. Die duale Lehre galt lange Zeit als Erfolgsmodell. Eine aktuelle Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft im Auftrag der Wirtschaftskammer Vorarlberg zeichnet nun aber ein alarmierendes Bild: Obwohl das duale Ausbildungssystem die Wirtschaft stärkt, steht es unter enormem Druck. Sinkende Zahlen bei Ausbildern und Azubis Seit den 1980er-Jahren sank die Zahl der Lehrlinge drastisch. Zudem bilden auch immer weniger Betriebe Jugendliche aus. „Das System der Lehrlingsausbildung ist im Augenblick schwerstens gefährdet“, warnt Karlheinz Kopf, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV).
Schulsystem genügt den Anforderungen nicht
Die Ursachen für den Rückgang sehen die Verantwortlichen der WKV vor allem in der Struktur des Bildungssystems. Immer mehr Jugendliche wählen nach der Pflichtschule eine weiterführende Schule, anstatt direkt praktisch zu arbeiten. Gleichzeitig beklagen viele Betriebe, dass Jugendliche oft ungenügend vorbereitet aus den Schulen kommen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen findet kaum noch Bewerber, die ausreichend rechnen oder sinnerfassend lesen können. Karlheinz Kopf sieht hier klaren Handlungsbedarf: „Keine Schülerin, kein Schüler darf die Pflichtschule ohne die Grundfertigkeiten, sprich Basiskompetenzen verlassen, das muss oberstes Ziel sein.“
Duale Ausbildung ist wesentlich kosteneffizienter
Damit die Lehre in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz erfolgreich bleibt, verlangen Kopf und seine Mitstreiter grundlegende Veränderungen im Bildungssystem: Die Berufsorientierung muss an den Schulen verpflichtend verankert werden, damit Jugendliche den passenden Weg finden. Vor allem die Polytechnischen Schulen spielen hier eine wichtige Rolle, da sie nachweislich das Risiko für einen späteren Lehrabbruch senken. Zudem wird gefordert, das Angebot an Schultypen zu hinterfragen und jene Modelle zu stärken, die für den Arbeitsmarkt nützliche Fähigkeiten vermitteln. Spannend ist auch ein Blick auf die Kosten: Während die öffentliche Hand pro Lehrling und Jahr rund 7700 Euro investiert, kostet ein Schulplatz an einer BMS und BHS rund 12.000 Euro. Die duale Ausbildung ist also die kosteneffizienteste Variante im Bildungssystem.
Lehrlinge haben beste Chancen am Arbeitsmarkt
Trotz der aktuellen Probleme bietet die Lehre hervorragende Chancen, da Absolventen schnell ein gutes Einkommen erzielen und exzellente Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt besitzen. „Die Lehre ist nicht das Problem – sie ist ein wesentlicher Teil der Lösung. Wenn wir den Fachkräftebedarf von morgen sichern wollen, müssen wir die Rahmenbedingungen für die Lehrlingsausbildung weiter verbessern“, resümiert der Karlheinz Kopf.
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