Finanzminister Marterbauer kritisiert die hohen Gagen der Uni-Rektoren. Horst Bischof von der TU Graz sieht die Probleme vielschichtiger. Er hofft auf neue Lösungen bis Herbst, sonst trifft der Sparkurs der Regierung das Uni-Personal mit voller Wucht.
Wie berichtet sind in der Steiermark bis zu 1000 Stellen an Universitäten gefährdet. In ganz Österreich zogen die Hochschulen vor Kurzem demonstrativ gegen die Sparpläne der Regierung auf die Straßen. In seiner Budgetrede am Mittwoch ließ Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) jetzt kein gutes Haar an den hohen Bezügen der Rektoren.
„Man kann natürlich über alles reden“, sagt Rektor Horst Bischof am Freitag zur „Krone“ am Rande einer Tagung an der TU Graz. Die Gehälter der Rektoren wären aber nicht die alleinige Lösung. „Als ich Vizerektor war, habe ich ein Angebot einer chinesischen Firma bekommen, das lag deutlich über meinem jetzigen Gehalt, das kann ich Ihnen sagen“, so Bischof.
Ministerin Holzleitner: „Ich höre die Sorgen!“
Bei der Tagung „Hochschulstrategie 2040“ waren Vertreter aus Deutschland, der Schweiz und nicht zuletzt auch Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) präsent. Diese meinte in ihrer Rede, sie „höre die Sorgen der Universitäten“ und nehme diese ernst. Bei den Demos vor zwei Wochen vor ihrem Ministerium wäre sie „normal auf der anderen Seite gestanden“, weil ihr eine gute Finanzierung von Wissenschaft, Forschung und Lehre ein großes Anliegen sei.
Gerade die jungen Wissenschaftler haben befristete Verträge. Da müsste man dann sparen. Das wäre eine Katastrophe, weil das sind unsere Talente und unsere Zukunft.“
Horst Bischof, Rektor der TU Graz
Doch das Leben ist kein Wunschkonzert. Holzleitner, die selbst wissenschaftlich tätig war, steht jetzt auf der anderen Seite. Die Unis protestierten ja, weil sie 18 Milliarden Euro für die nächste Leistungsvereinbarung (2028 bis 2030) wollen. Der Bund stellte ihnen aber um 2,5 Milliarden Euro weniger in Aussicht. Die Sache wird noch komplexer: Im Doppelbudget, das Marterbauer präsentierte, sind ja „nur“ die Jahre 2027 und 2028 enthalten.
Rektor fürchtet Kündigungen
Die Entscheidung über die Leistungsvereinbarung soll jetzt jedenfalls erst nach einer Regierungsklausur im Herbst fallen. „Es ist wichtig, dass wir wieder in einen konstruktiven Dialog treten“, sagt Bischof. Er bleibt optimistisch, noch gab es keine Kündigungen. „Wenn mir aber das Geld fehlt, kann ich nur signifikant beim Personal sparen. Und das würde wohl junge, unbefristete Stellen treffen, das wäre eine Katastrophe!“
Gerade die Steiermark mit ihrer Forschungsquote von 5,3 Prozent lebe von gut ausgebildeten Wissenschaftlern. Bischof erinnert daran, mit welchen Firmen die TU Graz kooperiere: Infineon, Siemens bis AVL – „die AVL war im Übrigen vor vielen Jahren ein Spinn-Off der TU Graz“, so der Rektor.
Gemeinsame Vision
Ein Plädoyer für die Wissenschaft wurde bei der Tagung in Graz mehrfach abgegeben. „Wissenschaftsfreiheit und Demokratie gehen Hand in Hand“ hieß es zum Beispiel. Gerade in zunehmend unsicheren Zeiten, einer Weltpolitik mit Playern wie Donald Trump und dem vermehrten Einsatz von künstlicher Intelligenz müssten Unis eine starke Basis bilden. Dazu soll noch heuer die Hochschulstrategie 2040 fertig ausgearbeitet werden, wo es unter anderem um eine bessere Vernetzung der Hochschulen sowie internationale Konkurrenzfähigkeit geht.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.