1000 Stellen gefährdet

„Kahlschlag“ an steirischen Unis wegen Sparplan

Steiermark
20.05.2026 15:00

Stellenabbau, Kürzungen bei Lehre und Forschung sowie längere Studienzeiten: Wegen des Sparkurses der Bundesregierung müssen die steirischen Universitäten voraussichtlich eine halbe Milliarde Euro einsparen. Rektoren und Hochschülerschaft sind alarmiert und rufen zur Demo auf.

Die Steiermark gilt als Innovationslabor Österreichs – mit einer beachtlichen Forschungsquote von 5,3 Prozent, einer Vielzahl an Start-up-Gründungen und Universitäten, die sich über die Grenzen hinaus einen Namen gemacht haben. Diesem Forschungsstandort droht nun der „Kahlschlag“, wie die steirischen Rektoren in aller Deutlichkeit formulieren. Die Universitätsleiter luden am Mittwochvormittag zu einer spontan einberufenen Pressekonferenz angesichts der geplanten Kürzungen.

Die Nachricht aus Wien kam überraschend, wie man betont: 18 Milliarden Euro hatten die 22 österreichischen Hochschulen für das kommende dreijährige Unibudget („Leistungsvereinbarung“ von 2028 bis 2030) anberaumt – nur 15,5 Milliarden Euro wurden ihnen jetzt von Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) zugesagt. 16,5 Milliarden Euro standen ihnen in der aktuellen Periode zur Verfügung. Allein unser Bundesland müsste 500 Millionen Euro einsparen.

Massiver Stellenabbau befürchtet
Sollten sich die Ankündigungen im Doppelbudget des Bundes bewahrheiten, würde das den Standort Steiermark „massiv gefährden“, sagt Peter Riedler, Rektor der Universität Graz: „Die Kürzungen treffen vor allem das Personal. Es droht ein Stellenabbau.“ Für Angestellte fallen bis zu 80 Prozent der Ausgaben an. Einsparungen von 20 Prozent würden steiermarkweit bis zu 1000 Stellen in Zukunft gefährden! Ganze 500 davon allein an der TU Graz, etwa 370 an der Uni Graz. Betroffen wäre noch dazu vor allem junges Unipersonal mit befristeten Verträgen.

Die Uni Graz ist die größte Hochschule des Bundeslandes.
Die Uni Graz ist die größte Hochschule des Bundeslandes.(Bild: Christian Jauschowetz)

Bei TU-Rektor Horst Bischof schrillen alle Alarmglocken: „Die Forschung von heute ist die Wirtschaft von morgen. An den beiden technischen Universitäten bilden wir 50 Prozent der Ingenieure in der Steiermark aus“, verdeutlicht er die Kettenreaktion, die die Sparmaßnahme auslösen würde. Unis würden zu zehn Prozent des BIP-Wachstums beitragen, meint er. Manuela Raith von der Montanuni Leoben ergänzt, dass auch Start-up-Gründungen wegfallen würden.

Die Forschung von heute ist die Wirtschaft von morgen. An den beiden technischen Universitäten bilden wir 50 Prozent der Ingenieure in der Steiermark aus.

Horst Bischof

Rektor TU Graz

Aber auch Studenten bekommen die Einschnitte stark zu spüren (siehe unten). Etwa in Form von schlechteren Betreuungsschlüsseln, die zu einer Verlängerung der Studienzeit führen. Geld benötigen auch Labore und andere Forschungsangebote: „Jetzt bauen wir das neue Center of Physics – am Ende ist es ein schönes Gebäude ohne Forschungsinfrastruktur“, nennt Bischof ein konkretes Beispiel.

Auswirkungen auf Gesundheitsversorgung
Konkret werden die Konsequenzen zudem bei der Med Uni Graz. Schon jetzt herrscht in einigen Regionen ein Fachkräftemangel – dieser könnte sich weiter verschärfen. Vielleicht müsste auch am Uniklinikum Personal eingespart werden. „Das macht mir große Sorgen“, betont Rektorin Andrea Kurz. Georg Schulz von der Kunstuniversität spricht von einem „kompletten Kahlschlag für unser Musikland und unsere Kulturnation“, der sich noch lange auswirken würde.

Die Unis und ihre Hochschülerschaften rufen nun zur Demonstration auf. Kommenden Donnerstag gehen sie in Graz auf die Straße. Denn noch laufen die Verhandlungen. Auf der Seite der Studenten und Angestellten positioniert sich auch Wissenschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) und schießt gegen die SPÖ: „Damit gehen nicht nur Arbeitsplätze an unseren Unis verloren, sondern in weiterer Folge sinkt auch die Qualität der Ausbildung –  diese Qualität ist aber ein entscheidender Baustein dafür, dass die heimischen Unternehmen die benötigten Fachkräfte bekommen und wir als Wirtschaftsstandort international wettbewerbsfähig bleiben können.“

Demo in Graz
Studenten gehen auf die Straße

Sparmaßnahmen an Hochschulen treffen letztendlich immer auch Studenten und Studentinnen. „Es geht um unsere Zukunft – wir sind die Nachwuchswissenschafter“, warnt Valentina Simschitz von der ÖH der Uni Graz. Personaleinsparungen hätten Auswirkungen auf studentische Mitarbeiter, und weniger Lehrende würden die Betreuung verschlechtern. Unter anderem drohen laut Simschitz weniger Plätze in teilnehmerbegrenzten Lehrveranstaltungen wie Kursen, Übungen oder Laboren. „Dann wird es auch schwieriger, das Studium in der gewünschten Zeit abzuschließen“, sagt sie. Auch um den Campus ist die Grazerin besorgt – „um diesen Lebensraum weiterzuentwickeln, brauchen wir Unterstützung.“

Es geht um unsere Zukunft – wir sind die Nachwuchswissenschafter.

Valentina Simschitz

ÖH Uni Graz

Das wollen die ÖH-Vertreter von Uni und TU Graz nicht so hinnehmen und rufen mit dem Rektorat nächsten Donnerstag zur Demo auf. Treffpunkt ist voraussichtlich um 14 Uhr bei der Wilhelm-Fischer-Allee; die Route führt zum Hauptplatz. Tags zuvor gehen die Vertreter der Wiener Unis auf die Straße.FG

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