Die Sparpläne der Bundesregierung gefährden Hunderte Stellen an unseren Universitäten und damit den Nachwuchs für unsere Hörsäle, Labore und OP-Säle, warnen die Grazer Gewerkschafter. Am Donnerstag gehen sie mit Studenten und Rektoren auf die Straße.
Heftige Zahlen kursieren aktuell an den steirischen Unis: Die angekündigten Sparpläne der Bundesregierung könnten Einbußen von 500 Millionen Euro allein in unserem Bundesland bedeuten – von Personal-Kürzungen bis zu 20 Prozent ist die Rede, das wären 1000 Stellen. „Weil das wissenschaftliche Universitätspersonal schon durch den extrem niedrigen Gehaltsabschluss im Dezember des Vorjahres ordentlich zur Kasse gebeten wurde, waren wir mehr als überrascht“, sagt Christian Wessely von der Uni Graz.
Lage für Dissertanten „besonders dramatisch“
Gemeinsam mit anderen Gewerkschaftern schlägt er Alarm: Vor allem „jüngere, befristete und teilzeitbeschäftigte Kräfte“ wären betroffen. Auch Evelyn Krall von der TU Graz fürchtet um ihre jungen Kollegen: „Besonders dramatisch ist, wenn der Abschluss der Dissertation in Gefahr gerät. Auch der Traum von einer Karrieremöglichkeit wird für viele platzen, weil Stellen nach Pensionierungen nicht mehr nachbesetzt werden.“ Sie geht davon aus, dass vielversprechende Köpfe in die Industrie abwandern würden.
Speziell die vorwiegend jüngeren Kollegen müssen befürchten, dass ihre Arbeitsverhältnisse nicht verlängert werden.

Evelyn Krall
Universitätsgewerkschaft Steiermark
Bild: Lunghammer - TU Graz
Noch konkreter werden die Konsequenzen beim Blick auf die Med Uni. Über diese sind etwa 600 Ärzte am LKH Graz tätig – 480 von ihnen in der direkten Patientenversorgung, sprich in der Notaufnahme, im OP oder auf den Stationen. „Wer jetzt den Rotstift bei der Medizinischen Universität ansetzt, beschädigt die Akutversorgung von heute und gefährdet die Versorgung von morgen“, sagt Michael Sacherer, Präsident der steirischen Ärztekammer.
Wer jetzt den Rotstift bei der Medizinischen Universität ansetzt, beschädigt die Akutversorgung von heute und gefährdet die Versorgung von morgen.

Michael Sacherer
Präsident Ärztekammer Steiermark
Bild: Christian Jauschowetz
„Schon jetzt Engpässe“
Eine Kettenreaktion gäbe es selbstverständlich auch für Studenten. „Hinsichtlich der Lehre gibt es schon jetzt Engpässe in einzelnen Studien“, sagt Wessely. Schlechtere Betreuungsquoten würden Studienzeiten verlängern. Einen „Totschlag für Wissenschaft und Forschung“ nennt es Mary Weitzer, ÖH-Vorsitzende an der Uni Graz. Sie fürchtet um Posten für studentische Mitarbeiter und dadurch um „Nachwuchsforscher“, die schon jetzt oft „prekäre Arbeitsplätze“ haben.
Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) hat die Entscheidung über das Unibudget 2028 bis 2030 auf Herbst vertagt. „Das gibt uns nur noch mehr Planungsunsicherheit“, meint Weitzer. Was sie aufatmen lässt: Holzleitner betont, dass weder Studiengebühren erhöht noch Studienbeihilfen gekürzt werden sollen.
Die steirischen Unis lassen nicht locker und rufen kommenden Donnerstag, 28. Mai, zur Demonstration in Graz auf. Treffpunkt ist um 14 Uhr in der Wilhelm-Fischer-Allee. Studienvertreter, Betriebsräte und Rektoren werden Schulter an Schulter marschieren. „Diese spezielle Situation schweißt uns noch mehr zusammen“, meint Krall.
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