Nach einer zweimonatigen Waffenruhe hat der Iran Israel am Sonntagabend erneut mit mehreren Raketenwellen angegriffen. Teheran erklärte, der israelische Angriff auf Beirut habe „alle roten Linien überschritten“. Israel kündigte umgehend eine weitere militärische Antwort an, während US-Präsident Donald Trump beide Seiten zur Deeskalation aufrief und Israel von Vergeltungsschlägen abzubringen versuchte.
Nach Angaben Israels gingen Trümmer abgeschossener Raketen im Norden des Landes nieder, unter anderem in der Nähe von Tiberias. Eine 79-jährige Frau wurde verletzt, als sie sich in einen Schutzraum begab. Aus Sicherheitsgründen wurde der Unterricht an allen Schulen für Montag abgesagt. Der Flughafen bei Tel Aviv blieb zunächst in Betrieb.
Gegenschlag auf Gegenschlag
Der Iran bestätigte die Angriffe offiziell. Das Militär erklärte, die Raketen seien eine Reaktion auf wiederholte israelische Verstöße gegen die Waffenruhe im Libanon – Teheran unterstützt die schiitische Hisbollah-Miliz und hatte Israel bereits zuvor mit Gegenmaßnahmen gedroht.
Israel erklärte seinerseits, die Angriffe auf Ziele im Libanon seien eine Reaktion auf Raketenbeschuss aus dem Libanon gegen den Norden Israels gewesen. Damit setzt sich die Spirale aus Angriffen und Gegenangriffen fort.
Diese iranische ballistische Rakete wurde während des heutigen Angriffs auf Israel beobachtet:
Irans Luftraum gesperrt
Aus Sorge vor einer weiteren Eskalation sperrte der Iran seinen Luftraum im Westen des Landes. Auch der Irak und Syrien schlossen vorübergehend ihren gesamten Luftraum. Berichte über ähnliche Maßnahmen der Golfstaaten wurden zunächst nicht bestätigt. Der iranische Rote Halbmond versetzte seine Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft.
Seit Inkrafttreten der Waffenruhe Mitte April hatte Israel seine Angriffe im Raum Beirut deutlich reduziert. US-Präsident Trump hatte damals einen Stopp der israelischen Angriffe sowie ein Ende der Hisbollah-Attacken auf Israel verkündet. Gleichzeitig machte Israel deutlich, dass es bei neuen Angriffen der Hisbollah erneut militärisch reagieren werde.
Trump will Medienberichten zufolge den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu dazu bewegen, auf Vergeltungsschläge gegen den Iran zu verzichten. Ein entsprechendes Telefonat wurde angekündigt.
Trump: „Bereits ausreichend reagiert“
„Israel hat bereits ausreichend reagiert“, soll Trump gesagt haben. Er setzt offenbar weiterhin auf eine diplomatische Lösung mit Teheran. Dem Iran riet er, nach den Raketenangriffen an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein Abkommen abzuschließen.
Zugleich äußerte sich Trump optimistisch über die laufenden Gespräche mit dem Iran. Eine Einigung könnte seiner Einschätzung nach bereits in den kommenden Tagen erreicht werden. Die jüngsten israelischen Angriffe im Libanon kritisierte er jedoch deutlich.
Was ich dem Iran raten würde: Ihr habt eure Raketen abgefeuert, das reicht.

US-Präsident Donald Trump
Bild: AFP/BRENDAN SMIALOWSKI
Die Nahost-Expertin Holly Dagres bewertet die iranischen Raketenangriffe als kalkulierten Versuch, den Druck auf die USA zu erhöhen und Zugeständnisse in den Verhandlungen zu erreichen. Gleichzeitig warnte sie vor den Risiken einer weiteren Eskalation. Aktuell könne bereits eine Fehleinschätzung auf einer der Seiten zu einem noch größeren Konflikt führen.
Alarmbereitschaft in Jordanien
Bei den neuesten Angriffen des Irans waren einige der Raketen auch in Jordaniens Luftraum eingedrungen. Die dortigen Streitkräfte würden die Situation genau beobachten – und „nicht zulassen, dass jordanisches Gebiet oder sein Himmel in ein Schlachtfeld für irgendwen verwandelt werden.“
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