Umgang mit Schülern

„Schwarze Pädagogik“: Kinder-NGO empört über Kickl

Innenpolitik
05.05.2026 17:52

Herbert Kickl hat in seiner 1.-Mai-Rede in Linz Fans begeistert und Kritiker auf die Palme gebracht. Besonders mit seiner Aussage über den Umgang von Lehrern mit Schulkindern in der „guten alten Zeit“ hat der FPÖ-Chef eine breite Diskussion losgetreten. Nun meldet sich auch eine Kinder-NGO zu Wort und maßregelt den blauen Frontmann.

Zur Erinnerung: Kickl schwärmte in seiner fast einstündigen Rede über die „gute alte Zeit“ in Österreich. „Es war eine Zeit, wo die Ausländer in den Schulklassen die Minderheit gewesen sind – und Integration war eine Bringschuld. Die haben das selber leisten müssen.“

Kickl: „... das hat niemandem geschadet!“
Und dann sagte der 57-Jährige den entscheidenden Satz: „Und wenn sie nicht gespurt haben, dann hat ein Lehrer, der noch eine Respektsperson gewesen ist, ein bisserl nachgeholfen – und das hat niemandem geschadet, wenn ich das so sagen darf!“ Kickl hob dabei kurz seine rechte Hand, die offenbar eine Ohrfeige darstellen sollte.

Die Rede Kickls kann man im Internet via ORF-Stream nachschauen, der erwähnte Sager kommt bei 1:36:14 bzw. 22 Minuten vor dem Ende der Rede Kickls. 

Die Wogen in den sozialen Netzwerken gehen seither hoch, NEOS-EU-Abgeordneter Helmut Brandstätter etwa schrieb auf X (siehe unten): „Herbert Kickl ruft also zu Gewalt gegen Kinder auf?“ 

Das Posting von NEOS-Politiker Helmut Brandstätter zum Kickl-Sager.
Das Posting von NEOS-Politiker Helmut Brandstätter zum Kickl-Sager.(Bild: Screenshot/X.com)

„Ewiggestriger Politiker“
Nun melden sich auch die Österreichischen Kinderfreunde zu Wort. „Kickl sehnt sich nach schwarzer Pädagogik und träumt offenbar von Zeiten, in denen Kinder Angst vor den Lehrpersonen hatten und diese auch körperliche Züchtigung als Erziehungsmittel einsetzen durften“, zeigt sich Jürgen Czernohorszky (49), Bundesvorsitzender der Kinderfreunde, erschrocken über die Aussagen des FPÖ-Chefs. Und fügt hinzu: „Aber zum Glück hat sich die Pädagogik, im Unterschied zu den Ansichten manch ewiggestriger Politiker, weiterentwickelt.“

Zur Erklärung: Unter dem Begriff „Schwarze Pädagogik“ versteht man Erziehungsmethoden, die auf psychischer und physischer Gewalt, Demütigung und Gehorsam basieren.

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Zum Glück hat sich die Pädagogik, im Unterschied zu den Ansichten manch ewiggestriger Politiker, weiterentwickelt.

Jürgen Czernohorszky, Bundesvorsitzender der Kinderfreunde

Czernohorszky ist bekanntlich auch Wiener Stadtrat der SPÖ. Laut eigener Aussage haben die Kinderfreunde im August 2021 den Status einer „parteinahen Organisation“ der SPÖ abgelegt. Der gemeinnützige Verein bekennt sich jedoch weiterhin zu seinen „sozialdemokratischen Wurzeln und Werten“.

Gewaltverbot in der Erziehung seit 1989 gesetzlich verankert
Zurück zum Thema. Seit 1989 ist in Österreich ein absolutes Gewaltverbot in der Erziehung gesetzlich verankert, was jegliche Form körperlicher Züchtigung, Zufügung seelischen Leides oder entwürdigende Maßnahmen untersagt. Österreich war damit eines der ersten Länder weltweit mit einem solchen Gesetz. „Das ist Herbert Kickl offenbar nicht bekannt“, meint Czernohorszky. Ebenfalls 1989 haben übrigens auch die Vereinten Nationen die UN-Konvention über die Rechte des Kindes verabschiedet, in denen der Schutz von Kindern eine wesentliche Rolle spielt. In Österreich gelten diese Schutzrechte seit 1994, als das Österreichische Parlament sie ratifiziert hat.

„Kickl setzt Kinder bewusst Gewalt aus“
„Wir Kinderfreunde arbeiten Tag für Tag daran, dass Kinder eine Welt vorfinden, in der sie keine Angst haben müssen und in der ihnen niemand Gewalt zufügt“, betont Czernohorszky. Und fügt hinzu: „Während wir den Schutz von jungen Menschen als unser aller Auftrag sehen, setzt der Parteivorsitzende der FPÖ Kinder bewusst Gewalt aus. Das ist nichts anderes als schockierend!“

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Jede erstzunehmende Fachstimme weiß, welchen Schaden Gewalt in der kindlichen Psyche anrichtet.

Daniela Gruber-Pruner, Bundesgeschäftsführerin der Kinderfreunde

In dieselbe Kerbe schlägt auch Daniela Gruber-Pruner (50), Bundesgeschäftsführerin der Kinderfreunde: „Jede ernst zu nehmende Fachstimme weiß, welchen Schaden Gewalt in der kindlichen Psyche anrichtet: in welcher Form auch immer sie sich äußert, ob als Watsche, als Anschreien oder als Demütigung.“ Und die Wiener SPÖ-Bundesrätin fügt hinzu: „Nicht umsonst gibt es so viele Erwachsene, die ihre Impulse schwer kontrollieren können und ihre eigenen erlebten Kränkungen damit kompensieren, dass sie sich überhöhen und Menschen in ihrem Umfeld wiederum Gewalt antun.“

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