Prozess in Hannover

VW: Mitarbeiter sollen Jubiläumsboni zurückzahlen!

Ausland
29.05.2026 13:43
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Von krone.at

Ausgerechnet ihre treuesten Mitarbeiter will der angeschlagene deutsche Automobilkonzern Volkswagen (VW) nun auf unsanfte Weise zur Kasse bitten. Und zwar sollen sie ihre erhaltenen Prämien für ihre jahrzehntelange Betriebszugehörigkeit zurückzahlen. Doch mehrere Mitarbeiter gehen nun gerichtlich dagegen vor. 

Am Freitag verhandelt das Landesarbeitsgericht Niedersachsen in Hannover über Gratifikationen (freiwillige Sonderzuwendung des Arbeitgebers, die zusätzlich zum regulären Gehalt ausgezahlt wird) zum 25. und 35. Betriebsjubiläum, die Volkswagen von den Mitarbeitern zurückfordert.

Regelung zu Treueprämien nicht mehr geregelt
Auslöser des Rechtsstreits ist laut „Bild“-Zeitung eine am 21. Jänner 2025 unterzeichnete Neufassung des Manteltarifvertrags, die rückwirkend zum 1. Jänner desselben Jahres in Kraft trat. Darin gibt es keine Regelung zu den Treueprämien mehr. In den zeitgleich unterschriebenen Entgelttarifverträgen sind zudem niedrigere Jubiläumssonderzahlungen vorgesehen.

VW will bis zu fünfstellige Beträge zurück
Im Dezember 2024 hatte die Volkswagen AG mit Sitz in Wolfsburg jedoch noch Jubiläumsgeld an Arbeitnehmer ausgezahlt, die im Jänner 1990 oder Jänner 2000 angestellt wurden, und zwar nach der alten Regelung. Das Landesarbeitsgericht teilte mit: „Die VW AG teilte den Klägern nach Auszahlung der nach alter Regelung berechneten Jubiläumsgratifikation mit, dass sich diese nach der Neuregelung richte und die Differenz an sie zurückgezahlt werden müsse.” Dabei ging es um teilweise mehr als 10.000 Euro.

VW mit Sitz in Wolfsburg hatte seinen Manteltarifvertrag geändert – mit Folgen für langjährige ...
VW mit Sitz in Wolfsburg hatte seinen Manteltarifvertrag geändert – mit Folgen für langjährige Mitarbeiter.(Bild: AFP/JULIAN STRATENSCHULTE)

Einige Kläger kamen der Aufforderung nach, verlangten dann aber die Wiederauszahlung. Mitarbeiter, die am 1. Jänner 1990 oder 2000 eingestellt wurden, bekamen bereits vor dem Arbeitsgericht Braunschweig Recht. Kollegen, die zwischen dem 2. und 21. Jänner der betreffenden Jahre ins Unternehmen kamen, gingen allerdings leer aus. Dagegen richtet sich ihre Berufung vor dem Landesarbeitsgericht. Ihr Vorwurf: Der Konzern wolle auf Kosten langjähriger Mitarbeiter Millionen einsparen. Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage angesetzt.

Ex-Manager mit Millionenklage gegen VW gescheitert
Unterdessen muss VW zwei Mitarbeitern in Deutschland, die sich nach Hinweisen auf Missstände benachteiligt fühlten, keinen Schadenersatz zahlen. Die Klagen der beiden wurden vom Landesarbeitsgericht auch in zweiter Instanz zurückgewiesen. Laut Gericht verlangen die beiden zusammen 7,5 Millionen Euro von ihrem Arbeitgeber. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision vorm Bundesarbeitsgericht wurde ausdrücklich zugelassen.

Die beiden hätten nicht hinreichend darlegen können, dass ihnen tatsächlich eine Beförderung zugestanden wäre und zu Unrecht verwehrt worden sei, sagte die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung. Sie bestätigte damit die Urteile des Arbeitsgerichts Braunschweig. Dieses hatte die Klagen der beiden im vergangenen Juni abgewiesen. Einen Schaden, der auf Repressalien zurückzuführen sei, hätten die beiden nicht darlegen können, so das Gericht damals.

Hinweise auf vermeintliche Missstände
Die beiden Mitglieder des oberen Managementkreises von VW fühlten sich unter Druck gesetzt und benachteiligt, nachdem sie erst intern und später auch extern über vermeintliche Missstände berichtet hatten. Laut Gericht ging es dabei um möglicherweise gesundheitsgefährdende Schadstoffe in Hochdächern zweier Modelle von VW Nutzfahrzeugen. Die VW-Manager berufen sich auf das Hinweisgeberschutzgesetz und forderten von VW Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Volkswagen hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Es habe zu keinem Zeitpunkt Repressalien gegeben, hieß es. Und es habe auch keine Gesundheitsgefahr durch Ausdünstungen aus den monierten Bauteilen gegeben. VW hat den beiden Managern inzwischen gekündigt. Auch dagegen wehren sich die beiden vor Gericht.

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