Zukunft der Menschen?

China experimentiert mit Embryonen im Weltall

Wissen
27.05.2026 14:43
Porträt von krone.at
Von krone.at

Es klingt wie Science-Fiction, ist aber ein real laufendes Experiment: Auf der chinesischen Raumstation ist derzeit ein besonderes biologisches Testverfahren im Gange, das eine der heikelsten Fragen der Raumfahrt berühren könnte – kann sich menschliches Leben unter den Bedingungen des Weltalls überhaupt normal entwickeln?

China hat nach Angaben mehrerer Fachmedien sogenannte „künstliche menschliche Embryonen“ zur Raumstation Tiangong space station geschickt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um echte Embryonen, sondern um im Labor erzeugte Zellstrukturen aus menschlichen Stammzellen. Diese sollen frühe Entwicklungsstadien eines Embryos nachahmen, ohne sich tatsächlich zu einem Menschen entwickeln zu können.

Kein echtes menschliches Leben
Hinter dem Projekt steht die Chinese Academy of Sciences. Laut den beteiligten Forschern bestehen die Strukturen aus Stammzellen, die sich ähnlich wie ein sehr früher Embryo teilen und organisieren. Sie sind aber ausdrücklich nicht entwicklungsfähig – selbst unter idealen Bedingungen könnten sie keinen Fötus und kein Kind bilden.

China verfolgt auf seiner eigenen Raumstation Tiangong ambitionierte Ziele.
China verfolgt auf seiner eigenen Raumstation Tiangong ambitionierte Ziele.(Bild: CMSE)

Ein leitender Forscher des Projekts, Yu Leqian, erklärte, die Modelle dienten ausschließlich der wissenschaftlichen Analyse: Sie sollen helfen zu verstehen, wie sich frühe menschliche Entwicklungsschritte in der Schwerelosigkeit verändern. Gerade diese frühe Phase gilt als besonders sensibel, da sich in dieser Zeit die grundlegende Körperstruktur bildet.

Fünf Tage im All – dann wird eingefroren
Die künstlichen Embryo-ähnlichen Strukturen wurden mit einem Versorgungsraumschiff der Mission Tianzhou-10 zur Raumstation gebracht. Dort sollen sie fünf Tage lang beobachtet werden. Danach werden sie eingefroren und später zur Erde zurückgebracht, wo sie detailliert untersucht werden.

Parallel dazu wird in einem Labor auf der Erde eine identische Kontrollgruppe unter normalen Schwerkraftbedingungen gezüchtet. Erst der direkte Vergleich soll zeigen, welche Rolle Schwerelosigkeit und kosmische Strahlung bei der frühen Zellentwicklung spielen.

Heikle Forschung zu brennendem Thema
Hinter dem Experiment steht eine langfristige Frage der Raumfahrt: Wenn Menschen irgendwann dauerhaft auf dem Mond oder Mars leben sollen, ist auch die Frage der Fortpflanzung zentral.

Die Forschung zu diesem Thema ist allerdings schwierig und teilweise ethisch heikel. Echte menschliche Embryonen dürfen nur sehr eingeschränkt untersucht werden, weshalb Wissenschaftler auf künstliche Modelle ausweichen.

Frühere Experimente im All mit Tieren haben gemischte Ergebnisse geliefert: Während einige Fischarten sich im Weltraum noch fortpflanzen konnten, scheiterten andere Versuche mit Mäusen oder Ratten. Auch Fruchtfliegen zeigten in der Schwerelosigkeit teils deutlich höhere Sterblichkeitsraten im Nachwuchs.

Strahlung und Schwerelosigkeit als Risiko
Fachleute gehen davon aus, dass zwei Faktoren besonders problematisch sein könnten: die starke kosmische Strahlung und die Schwerelosigkeit. Beide könnten die Entwicklung von Zellen stören oder genetische Schäden verursachen.

Auch internationale Raumfahrtorganisationen wie die NASA beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, wie sich Fortpflanzung unter Weltraumbedingungen verhalten würde. Private Raumfahrtunternehmen wie SpaceX treiben gleichzeitig Pläne voran, die langfristige Besiedlung anderer Himmelskörper realistischer erscheinen lassen.

Schritt Richtung Weltraum-Zukunft?
Ob aus solchen Experimenten eines Tages konkrete Erkenntnisse für menschliche Schwangerschaften im All gewonnen werden können, ist offen. Klar ist jedoch: Mit dem aktuellen Versuch verschiebt sich die Forschung erneut ein Stück weiter in einen Bereich, der lange Zeit kaum vorstellbar war – die Frage, wie menschliches Leben außerhalb der Erde überhaupt entstehen könnte.

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