Fehler oder Absicht?

Fragwürdige Finanzprognosen der Krankenkassen

Innenpolitik
23.05.2026 21:00

Um sagenhafte 750 Millionen Euro liegt das Ergebnis der Gesundheitskasse im Vorjahr neben der Prognose. Zum Glück sind es nicht 750 Millionen minus, sondern weniger Defizit als prognostiziert. Dennoch sind die Budgetprognosen der Kasse fragwürdig, denn sie liegen jedes Jahr völlig daneben.

Die wundersame Budgetsanierung 2025 von prognostizierten minus 906 Millionen auf „nur“ mehr 156,3 Millionen Euro ist unter anderem auf die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge für Pensionisten von 5,1 auf 6,0 Prozent zurückzuführen. Diese bringen im ersten vollen Jahr (2026) 500 bis 700 Millionen Euro zusätzlich ein. Das Jahr 2025 war ein sogenanntes Rumpfjahr ab Juni, die Einnahmen waren demnach halb so hoch. Hinzukommen Einsparungen bei Krankentransporten, Krankengeld und bei Zahnspangen – die „Krone“ hat berichtet.

Sparen in der Verwaltung
ÖGK-Obmann Peter McDonald betont, dass auch in der Verwaltung eingespart wurde. „Seit 2020 haben wir 300 Dienstposten gestrichen und reduzieren um zehn Prozent die Verwaltungsflächen. Weiters haben wir Gehaltsabschlüsse für die Sozialversicherungsmitarbeiter merkbar unter der Inflation abgeschlossen. Wir sparen im eigenen Bereich zuerst.“ Mit Sparen in der Verwaltung allein ist die wundersame Sanierung allerdings nicht erklärbar. Die Bürokratie macht nämlich nur zwei Prozent der gesamten Ausgaben aus.

Prognose jedes Jahr daneben
Insider vermuten, dass ein guter Teil der Defizitreduktion auf ein „absichtlich“ zu hoch prognostiziertes Minus zurückzuführen ist. Die Zahlen zeigen, dass sich die Kasse jedes Jahr verrechnet. 2024 lag das Ergebnis um 71 Millionen daneben, allerdings im negativen Sinne. Die ÖGK schrieb minus 550 statt 480 Millionen Euro.

Das Balkendiagramm zeigt das Defizit der Krankenkassen in Österreich von 2024 bis 2030. Das Defizit nimmt von minus 697 Millionen Euro im Jahr 2024 auf minus 1.128 Millionen Euro im Jahr 2030 zu. Ab 2027 steigt das Defizit deutlich an. Quelle: Dachverband.

Die aktuelle Gebarungsprognose für die kommenden beiden Jahre sieht nun minus 217,8 Millionen 2026 und minus 398,8 Millionen 2027 vor. In der Februar-Prognose waren es noch über 400 beziehungsweise fast 700 Millionen Euro (siehe Grafik).

Warum die Prognosen der ÖGK immer daneben liegen, ist für viele unerklärlich. Immerhin gibt es genaue Aufzeichnungen darüber, wohin das Geld fließt. So flossen 2024 von insgesamt 20,8 Milliarden Budget 6,6 beziehungsweise 32 Prozent in medizinische Leistungen, 5,7 Milliarden (27 Prozent) kosten die Spitäler. Vier Milliarden (19 Prozent) flossen für Medikamente, 2,2 Milliarden (elf Prozent) für sonstige Gesundheitsleistungen wie Reha, Transportkosten, Rollstühle und Hörgeräte.

Das Krankengeld macht 1,1 Milliarden (fünf Prozent) aus. 750 Millionen (vier Prozent) kosten Elternleistungen wie Wochengeld, Hebammen oder Entbindungsheimpflege, zwei Prozent beziehungsweise 440 Millionen werden für Verwaltung aufgewendet.

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