Erschütternde Bilder

Hilfsflotte: Aktivisten misshandelt und verletzt

Ausland
22.05.2026 14:54
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nachdem die Gaza-Hilfsflotte von der israelischen Armee abgefangen wurde, mehren sich Berichte und Bildmaterial über Misshandlungen während und nach der Maßnahme. Aktivisten schilderten Misshandlungen, wie Schüsse zur Einschüchterung, Schläge und mangelhafte Versorgung.

Ein erniedrigendes Video des rechtsextremem Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir hatte besonders für Empörung gesorgt: Dutzende internationale Aktivisten werden darin gezwungen, gefesselt an Deck eines Militärschiffs zu knien, während Ben Gvir die israelische Flagge schwenkt.

Die Flottenaktivisten Julien Cabral und Bilal Kitay waren dabei, als israelische Soldaten die rund 50 Schiffe der Organisation Global Sumud Flotilla aufbrachten. Der 57-jährige Belgier Cabral befand sich mit sechs weiteren Aktivisten an Bord eines kleinen Bootes der Hilfsflotte. Sie waren vergangene Woche von der türkischen Küste aus gestartet, um Hilfsgüter für die Palästinenser in den Gazastreifen zu bringen. Am vergangenen Montag wurden sie jedoch von der israelischen Marine in internationalen Gewässern vor Zypern gestoppt.

Dieses Video von Gvir sorgte für Entsetzen:

Soldaten sollen mit Gummikugeln geschossen haben
„Zuerst haben sie die Kommunikation gestört, dann sind sie am helllichten Tag mit Waffen an Bord gekommen und haben nur zum Spaß mit Gummikugeln geschossen“, berichtet Cabral. Die israelischen Soldaten seien dabei „mit großer Gewalt“ vorgegangen, „obwohl wir alle die Hände in die Luft hielten“.

Ein Aktivist der Global Sumud Flotilla zeigt seine Verletzungen nach der Festnahme durch die ...
Ein Aktivist der Global Sumud Flotilla zeigt seine Verletzungen nach der Festnahme durch die israelische Armee.(Bild: AFP/OZAN KOSE)

Auch Cabral selbst wurde verletzt: „Ich bekam einen Schlag gegen die linke Schläfe.“ An seiner Schläfe ist eine Wunde zu sehen, ein Auge ist durch einen Bluterguss verfärbt – zudem berichtet der Aktivist von einer Verletzung am Schulterblatt. An den Händen gefesselt und unter weiterer Gewaltanwendung sei er zusammen mit rund 200 anderen Aktivisten auf ein israelisches „Gefängnisschiff mit Containern“ gebracht worden.

Video von rechtsextremem Minister sorgte für Empörung
Dabei scheint es sich mutmaßlich um das Schiff zu handeln, das auch in dem kontroversen Video von Ben Gvir zu sehen ist: Mit den Worten „Willkommen in Israel“ veröffentlichte der rechtsextreme Minister am Mittwoch einen kurzen Clip im Onlinedienst X. Darin sind kniende Aktivisten zu sehen, während die israelische Nationalhymne zu hören ist und sich Ben Gvir plaudernd und feixend von Sicherheitskräften durch die Menge führen lässt.

Der belgische Aktivist Cabral äußert sich auch über die weitere Behandlung durch die israelischen Soldaten erschüttert: „Sie haben die Medikamente einer Person beschlagnahmt, die an Epilepsie leidet“, berichtet er AFP. „An Bord des Schiffes ‘Sirius‘ hatten sieben Menschen insgesamt 35 Knochenbrüche.“ Drei Tage hätten die festgesetzten Aktivisten wiederholt darum gebeten, einen Arzt sehen zu dürfen, doch seien sie immer mit der Antwort „später, später“ vertröstet worden.

Versorgungslage für Aktivisten prekär
Auch die Versorgungslage an Bord des Marineschiffes war laut dem Belgier prekär – vom Oberdeck hätten die Soldaten zwar Kisten mit Brot und Wasser herunter geworfen, „aber nicht in ausreichender Menge“. Ob es sich um Trinkwasser, Toilettenpapier oder Tampons handelte: „Wir mussten um alles bitten.“

Am Mittwoch wurden die festgenommenen Flottenaktivisten schließlich in Israel an Land geholt und in überfüllten Gefangenentransporten in den Süden des Landes gebracht. Stundenlang mussten sie laut Cabral in vorgebeugter Haltung ausharren, die Handfesseln seien „viel zu eng“ gewesen. „Wir konnten nichts sehen. Sie drückten auf unsere Nacken“, berichtet er weiter. Immer wieder seien Schläge und Beleidigungen ausgeteilt worden.

Soldaten „viel, viel gewalttätiger“ als bei erster Gaza-Hilfsflotte
Auch der türkische Aktivist Kitay, der als Teil einer zehnköpfigen Mannschaft an der Hilfsflotte teilnahm, berichtet von Schlägen und Gewalt. „Leider behandeln sie ihre Tiere besser“, sagt er AFP. Für Kitay war es bereits die zweite Fahrt mit einer Gaza-Hilfsflotte. Auch beim ersten Mal im April seien sie von der israelischen Marine gestoppt worden. Doch dieses Mal seien die israelischen Soldaten „viel, viel gewalttätiger“ vorgegangen.

Am Donnerstagmorgen wurden die Aktivisten vom südisraelischen Flughafen Ramon mit Sonderflügen der Türkei ausgeflogen. Trotz der schlechten Erfahrungen wollen die beiden Aktivisten Cabral und Kitay mit der nächsten Gaza-Hilfsflotte direkt wieder in See stechen: „Wir machen weiter“, sagt der Belgier.

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