Budget-Streit um Unis

Warnung vor Medizin-Kollaps und K.o.-Prüfungen

Innenpolitik
22.05.2026 15:00

„Ich hoffe, dass der Bund sich besinnt“, warnt Peter Riedler, Rektor der Uni Graz. Denn sonst wird an den Unis das Geld knapp und es droht ein düsteres Szenario: Gefürchtete Knock-out-Prüfungen könnten wieder Einzug halten, Studien sich verlängern und die medizinische Versorgung ins Wanken geraten.

„Die Qualität von Studium und Lehre, so wie sie derzeit angeboten wird, gerät ernsthaft in Gefahr“, warnt Rupert Sausgruber, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien. Denn den österreichischen Universitäten droht eine drastische Budgetkürzung.

Laut dem geplanten Uni-Budget bekommen die Universitäten nicht nur keine Inflationsanpassung, sondern auch schon von Haus aus weniger Geld als jetzt. Das hätte dramatische Auswirkungen, laut der Universitätenkonferenz wäre jeder fünfte Arbeitsplatz in den Unis gefährdet. „Stellen würden nicht nachbesetzt werden können, aber darüber hinaus müsste man wohl auch Personal kündigen“, befürchtet Stefan Koch, Rektor der Johannes Kepler Universität Linz. 

Das Uni-Budget

  • Der Bund denkt ein Budget von 15,5 Milliarden Euro für die Periode 2028-2030 an.
  • Die Unis würden allerdings laut der Universitätenkonferenz (uniko) schon 18 Milliarden brauchen, allein um den aktuellen Betrieb aufrechtzuerhalten.
  • Für die laufende Leistungsverinbarungsperiode (2025-2027) haben die Unis 16,5 Milliarden Euro bekommen.

Rückkehr zu Knockout-Prüfungen
Leiden müssten darunter die Studierenden, weil das Angebot an Lehrveranstaltungen zusammenschrumpfen würde. An der Wirtschaftsuni müsste man dann wieder auf die gefürchteten Knockout-Prüfungen zurückgreifen, befürchtet Rektor Sausgruber.

In manchen Studiengängen könnten aber auch einfach mehr Studierende in einer Lehrveranstaltung sitzen, bei Kursen in Labors ist das aber nicht so einfach – die Räume haben nur gewisse Kapazitäten. Für die Studierenden heißt das: Sie müssten wahrscheinlich länger auf einen Platz in diesen Kursen warten, wodurch sich das Studium verlängern würde, meint Uni-Graz-Rektor Riedler.

Das Balkendiagramm zeigt die Entwicklung des Uni-Budgets in Österreich von 2010 bis 2030. Der Wert steigt von 8,2 Milliarden Euro in 2010 bis 2012 auf rund 16 Milliarden Euro in 2025 bis 2027. Für 2028 bis 2030 ist ein geplanter Wert von 15,5 Milliarden Euro angegeben. Quelle: BMBWF.

„Schwere Folgen“ für Österreich
Die Studierenden würden aber auch länger an den Unis bleiben, weil es deutlich schwieriger wäre, einen Betreuer für die Abschlussarbeit zu finden. Dadurch kommen Fachkräfte erst später auf den Arbeitsmarkt, „die Österreich dringend braucht“, kritisiert die Universität Wien. Das hätte „schwere Folgen“ für Österreich als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort.

Von der Budget-Kürzung wären auch die Universitätskliniken Wien, Graz, Linz und Innsbruck betroffen. Die medizinische Versorgung würde einen „Kollaps“ erleiden, warnt die uniko. So leiste etwa das Universitätsklinikum AKH Wien „aktuell etwa ein Drittel der Versorgungsleistung in Wien.“

Gespräche laufen
Die Universitäten wissen, dass der Staat sparen muss, „die eigentliche Dramatik“, sei dass die Kürzungen gar so radikal ausfallen sollen, meint Riedler. Er hoffe, „dass der Bund sich besinnt“. Einen gewissen Verhandlungsspielraum dürfte es noch geben – die Gespräche mit dem Ministerium laufen, hieß es von den Universitäten.

Anwesenheitspflicht für Demo pausiert
Für den 27. Mai haben die Universitäten gemeinsam mit der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), Gewerkschaften und der Vertretung der Arbeitnehmer Demonstrationen angekündigt. An der Wirtschaftsuniversität gilt für die Studierenden in vielen Kursen Anwesenheitspflicht, doch für die Demo wird diese ausgesetzt – so empört ist man über die drohende Budget-Kürzung.

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