Symposion in Kärnten

Vom Wald zum kulturellen Erbe: Holz und Handwerk

Kärnten
23.05.2026 08:01

101 Forscher aus 30 Ländern der Welt tauschen sich in Kärnten über den Wald, die Bäume, das Holz, Handwerk zum Bearbeiten desselben und Nebenprodukte wie das Lärchenpech-Ziehen aus: beim Symposion „From Forest to Heritage“ – Vom Wald zum kulturellen Erbe. 

Äußerst umfangreich ist das Themenfeld, das die 101 Forscher aus den 30 Nationen bearbeiten. Xinyang Li von der Universität Tokio in Japan erforschte beispielsweise wilde Pilze sowie das Wissen darum und die Art der Nutzung. „Es geht bei dem Symposion um den Wald, um alles, was dort wächst, um die Bäume, um das Holz, aber auch um das Wissen um die alten Handwerkstechniken, um das Instandhalten historischer Holzbauten“, umreißt Elisabeth Wächter das Themenfeld.

Die Dendrochronologin datiert bei dendro.at, einem Spin-off der Boku, über Jahrringanalysen Hölzer: „Die Bäume zeichnen das Klima auf. Hat man mindestens 30 Jahresringe, kann man mittels Referenzen, die wir an der Boku haben, die Schlägerung des Baumes jahrgenau datieren.“ Wächter war auch intensiv mit der Organisation des großen Symposions „From Forest to Heritage“ beschäftigt. „Angereist sind Teilnehmer aus Australien, Japan, Chile, Kolumbien, Skandinavien... aus allen Kontinenten; außer aus Afrika. Die erste Konferenz gab es vor vier Jahren in Amsterdam, zwei Jahre später trafen sich die Experten in Helsinki und heuer in Klagenfurt.“

Auf dem höchsten Holzturm der Welt
Zum Auftakt des Symposions unternahm die Gruppe Exkursionen zu den Bundesforsten in Ossiach sowie zum Holzunternehmen Hasslacher Norica Timber in Sachsenburg. Besucht wurde auch der Pyramidenkogel, der höchste Holzaussichtsturm der Welt, für den ja Hasslacher das Holz geliefert hatte.

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In Finnland gibt es nicht so viele Baumarten, aber es gab immer viele Ideen zur Nutzung: Aus Birkenrinde wurden Taschen gemacht, aus zähen Fichtenwurzeln Seile.

Elisabeth Wächter, Dendrochonologin dendro.at

Sensation in Maria Saal
Nicht fehlen durfte eine Führung im Freilichtmuseum in Maria Saal. Dort hatte ja der Kärntner Ethnologe Heimo Schinnerl das Bodnerhaus dendrochronologisch untersuchen lassen. Das Ergebnis ist bemerkenswert: „1469 und früher wurden die Fichten und Lärchen gefällt“, so Heimo Schinnerl. Das Bodnerhaus, das einst in St. Oswald stand, fand er auch im Urbar der Benediktiner: Es war 1470 erbaut worden – also noch bevor Columbus Amerika entdeckte (das war 1492).

„Es ist großartig, wenn es solche Sammlungen wie im Freilichtmuseum in Maria Saal gibt, wo historische Holzbauten bewahrt werden“, so Wächter. Manche Länder haben große Probleme damit. „In Polen fehlt, wie wir beim Symposion gehört haben, das Budget. Zahllose extrem interessant gebaute Holzkirchen verfallen – und man kann nur zusehen.“

In manchen Fällen, wie nach dem Brand von Notre Dame in Paris, kommen aus verschiedenen Nationen „Handwerker ohne Grenzen“ und helfen zusammen.

Schon 30 Jahre vor der Entdeckung Amerikas wurde der Obkircher-Hof in St. Oswald errichtet. Er ziert die Namensschilder der Teilnehmer.

„Ein Finne hat erzählt, Brandschutz durch Sprinkleranlagen in Kirchen ist in Finnland kein Thema, weil es für die Sprinkler zu kalt wäre. Anderswo wiederum haben Brandschutzauflagen Holzbauten verdrängt“, so Ethnologin Ingeborg Schmid, die die Abteilung Volkskunde im Landesmuseum und das Freilichtmuseum in Maria Saal leitet.

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 Dachkonstruktionen, Tischlerarbeiten, Oberflächenbearbeitung, Lärchenpech-Gewinnung: Die Themen sind so bunt – und so spannend! 

Ingeborg Schmid, Leiterin der Abteilung Volkskunde im kärnten museum und des Freilichtmuseums Maria Saal

Zum Abschluss der internationalen Tagung begibt sich am Samstag eine Gruppe nach Hallstatt und eine ins slowenische Ribnica. „Dort besteht ein Handwerkszentrum, in dem traditionelle Techniken erlernt werden können; beispielsweise Flechttechniken aus Haselrinde“, zeigt sich Wächter begeistert.

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