Besondere Statuen

Geheimnisvoll: Warum die Madonna oft schwarz ist

Kärnten
24.05.2026 16:01

Maria gilt als Inbegriff der Reinheit, wird oft dargestellt, meistens mit heller Haut, manchmal jedoch in Schwarz. Warum? Die „Krone“ hat sich auf Spurensuche begeben.

„Durch Maria und in der Begegnung mit ihr drückt sich die Mütterlichkeit Gottes aus“, so Pater Gerfried Sitar. Die Kirche seiner Kindheit, jene in Kötschach, ist Maria geweiht und beherbergt ebenso wie die Basilika in St. Andrä im Lavanttal, deren Rektor Sitar ist, eine Schwarze Madonna.

Warum Jesu Mutter manchmal mit schwarzem Gesicht und schwarzen Händen dargestellt wird, hat zu kuriosen Erklärungsversuchen geführt: Kerzenruß hätte die Statuen geschwärzt. Oder die Schwarzen Madonnen würden sich auf das Hohelied 1,5 beziehen: „Ich bin dunkel, aber schön.“

Die „Krone“ fragt Gerfried Sitar, der nicht nur Theologe, sondern auch Direktor des Museums im Stift St. Paul und Vorsitzender der Kunstkommission der Diözese Gurk ist.

Zitat Icon

Maria war für mich von Kindheit an wichtig. Meine Heimatkirche ist ihr geweiht; der Orden der Serviten, die Diener Mariens, war dort aktiv und prägend für mich.

Gerfried Sitar

„Das Schwarz kommt vom Holz, aus dem die Madonna geschnitzt ist: Ebenholz. Man hat deshalb dunkles Holz gewählt, um damit die Universalität der Mutter zum Ausdruck zu bringen. Schwarz steht für die göttliche Tiefe und Erdverbundenheit – also auch die Verbindung zur Schöpfung“, erklärt Gerfried Sitar. Zudem seien dunkle Hölzer immer kostbar gewesen und sie würden etwas Geheimnisvolles ausstrahlen.

Besonders bekannt war die Schwarze Madonna von Loreto bei Ancona in Italien, die bei einer Feuersbrunst vernichtet worden ist. „Die Schwarze Madonna in St. Andrä ist eine der ältesten Kopien der Madonna von Loreto“, weiß der Rektor der Basilika.

Die Mutter – ein positiv besetztes Bild
Mit dem Bild der Mutter habe die Kirche die Menschen schon im 3. Jahrhundert abgeholt – aus der Zeit stammt eine der ältesten Mariendarstellungen, die in den Katakomben von Rom entdeckt wurde. „Ihre Mütterlichkeit lädt die Menschen dazu ein, mit den Sorgen und Anliegen des Alltags zu kommen. Maria übernimmt eine Mittlerfunktion als Fürsprecherin“, so Sitar.

Der Mai gilt als Marienmonat, Maiandachten laden in die Kirchen. „Viele christliche Feste haben heidnische abgelöst. Das stille Wachsen der Natur ist in jedem Fall synonym mit dem Reifen Jesu in und mit Maria“, so Sitar.

Starke Frauen
Maria stehe auch dafür, dass Frauen im Christentum eine wesentliche Rolle gespielt haben. „Da gibt es schon von Beginn des Christentums an unzählige Beispiele wie Makrina, die Ältere und die Jüngere, Theresa von Avila, Katharina von Siena oder Mutter Theresa. Sie hatten wesentlichen Einfluss und haben sogar die Lehre der Kirche maßgeblich geprägt. Leider lernen die Menschen heutzutage sehr wenig Geschichte, sodass sie gerne ,mit den Wölfen heulen‘, ohne sich richtig zu informieren“, so Sitar.

Auch im Koran wird Maria gewürdigt. „Das zeigt, dass der Koran nicht ausschließend ist und nicht frauenfeindlich.“ In Sure 3 heißt es: „O Maria, siehe, Allah hat dich auserwählt und hat dich gereinigt und hat dich erwählt vor den Weibern aller Welt.“

Symbole der wohl berühmtesten Frau 
Maria wird manchmal mit dem Kind dargestellt, manchmal als Königin, auf einer Mondsichel stehend und eine Schlange zu ihren Füßen, manchmal als Schutzmantelmadonna... „Oft wird Maria mit zwölf Sternen dargestellt, welche die himmlische Ordnung symbolisieren, die Verbindung Erde-Himmel – und gewissermaßen den ,guten Draht’ zu Gott“, so Sitar. „In allen Darstellungen wird deutlich, dass Maria als Mensch den Menschen wohlgesonnen ist. Und sie verweist auf Gott, denn er ist das Ziel der Gebete der Menschen.“

Zu ihren Attributen gehören zudem die Lilie, die für Reinheit steht, der Halbmond als Zeichen für den Sieg über die Dunkelheit.

Schwarze Madonnen in Kärnten
Die Kapelle im Dom zu Klagenfurt war in den Jahren 1660/1661 von Wolfgang Andreas Graf Orsini-Rosenberg als Grabstätte für sich und seine Familie errichtet worden. Erst im vorigen Jahrhundert brachte Monsignore Michael Paulitsch eine Kopie der Madonna von Altötting, die in der Kapelle aufgestellt wurde. 

Ebenfalls Orsini-Rosenberg ließ am Ostufer des Wörthersees ein Schloss errichten, natürlich mit Kapelle: Die Kapelle Maria Loretto ist ein Nachbau der Kapelle von Maria Loretto bei Ancona. Wie im berühmten italienischen Vorbild befindet sich auch in der Loretto-Kapelle am Wörthersee eine Schwarze Madonna.

Eine Schwarze Muttergottes sieht man auch in der 1864 eingeweihten Waldkapelle am Muraunberg bei St. Veit an der Glan.  Eine Sage erzählt von einem Bauern, der nach einem Trinkgelage zu Fuß durch den Wald ging. Als es Mitternacht schlug, tauchten aus den Büschen bleiche Gestalten auf. Da Mann versuchte davonzulaufen, stürzte aber über einen Hang. Der am Boden liegende Verletzte begann in seiner Verzweiflung zu beten. Als es 1 Uhr schlug, war der Spuk vorbei. Aus Dankbarkeit stiftete der Landwirt die Kapelle, in der er ein Marienbildnis aufstellte.

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