Abschied mit Folgen

WhatsApp-Nachricht an Chefs wurde Fall für Kripo

Burgenland
07.09.2026 19:00

Nach vier Jahrzehnten im selben Unternehmen liegen ein Ex-Bankmitarbeiter und seine früheren Chefs im Clinch. Der ehemalige Angestellte fordert mehr Geld, seine früheren Vorgesetzten berichten von Beschimpfungen und fürchten, dass der Streit noch weiter eskaliert.

Ein gemeinsames Foto mit den früheren Chefs, dazu der Andrea-Bocelli-Song „Time to Say Goodbye“: Was ein langjähriger Bankmitarbeiter aus dem Südburgenland als Abschiedsgruß per WhatsApp verschickte, beschäftigte plötzlich die Kriminalpolizei. Seine ehemaligen Vorgesetzten hatten die Botschaft als Drohung verstanden und Anzeige erstattet.

Zwei Jahre bis zur Pension
40 Jahre hatte der Mann für die Bank gearbeitet, die letzten 25 davon im Rechnungswesen und Controlling. Nach einem Burnout kehrte er im Februar dieses Jahres an seinen Arbeitsplatz zurück, wenig später wurde sein Dienstverhältnis einvernehmlich aufgelöst. Bis zur Pension hätten ihm noch zwei Jahre gefehlt. Und, er sei der dienstälteste Mitarbeiter gewesen, berichtet er. Bei einem Treffen mit zwei Vorgesetzten sei er zudem zur Unterschrift gedrängt worden, behauptet der Ex-Mitarbeiter.

Ex-Mitarbeiter fühlt sich um Geld betrogen
Streit gibt es auch ums Geld: Eine Sonderzahlung sei ihm zugesagt worden, insgesamt hätte er nach eigener Berechnung rund 115.000 Euro erhalten müssen. Ausbezahlt worden seien knapp 99.000 Euro. Die Bank hält die Abrechnung für korrekt, der Mann will die Differenz trotzdem einklagen.

Betretungsverbot als letzte Konsequenz
Seinen Schreibtisch habe er danach nicht mehr selbst räumen dürfen, auch private E-Mails seien ihm nicht ausgehändigt worden. Nach mehreren Besuchen in der Bank bekam er schließlich Betretungsverbot, auch die Geschäftsbeziehung wurde beendet.

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So etwas macht man nicht aus Jux und Tollerei.

Der Bankchef über die gesetzten Maßnahmen

Der Bankchef spricht von einer langen Vorgeschichte. Mitarbeiter hätten Vorfälle mitbekommen, manche hätten Angst vor dem früheren Kollegen. „So etwas macht man nicht aus Jux und Tollerei“, sagt er über die gesetzten Maßnahmen.

Anwaltsbrief brachte keine Ruhe
Der Ex-Mitarbeiter fühlte sich nach vier Jahrzehnten schlecht behandelt. Er sei ein „gerader Michl“, kein Ja-Sager, sagt er über sich selbst. Seinem Ärger machte er auch in den sozialen Medien Luft. Dabei soll es zu Beschimpfungen und Äußerungen gekommen sein, die seine früheren Vorgesetzten als Drohungen empfanden. Einem von ihnen soll der Mann etwa gewünscht haben, dass dieser blind werde. Der Ex-Mitarbeiter bestreitet nicht, aus Wut über seine früheren Chefs geschrieben zu haben. In einem Anwaltsschreiben vom Juni werden ihm über Wochen andauernde Beschimpfungen, Verunglimpfungen und körperliche Drohungen vorgeworfen. Er wurde aufgefordert, weitere negative Äußerungen zu unterlassen und 600 Euro Anwaltskosten zu bezahlen.

Staatsanwaltschaft stellte Verfahren ein
Wegen der als Drohung verstandenen WhatsApp-Nachricht bekam der Ex-Mitarbeiter Besuch von der Kriminalpolizei und wurde stundenlang einvernommen. Gegen ihn wurde wegen gefährlicher Drohung ermittelt. Am 1. Juli stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein (siehe Faksimile oben). Bei einem Fest vor wenigen Tagen kam es erneut zu einer lautstarken Auseinandersetzung. Der Ex-Mitarbeiter habe ihn verbal attackiert und beschimpft, schildert der frühere Vorgesetzte. Der Mann bestreitet den Vorfall nicht. „Das war einmal.“ Ihm gehe es um seine Abrechnung und darum, dass „die Wahrheit“ auf den Tisch komme.

„Will ihm nichts Böses. Will nur meine Ruhe“
Der Bankchef blickt dennoch mit Sorge auf die Entwicklung. Er fürchte, dass der Mann irgendwann „komplett auszuckt“ und danach gefragt werde, warum niemand gewarnt habe. „Ich will ihm nichts Böses. Ich will nur meine Ruhe.“

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