„American Signatures“

Getanzte Lebensfreude, Wettkampf und Mitgefühl

Kultur
11.05.2026 13:50

Die Volksoper Wien gibt mit „American Signatures“ einen Einblick in die Vielfalt der US-amerikanischen Ballett- und Tanzszene. Unter den vier kurzweiligen Choreografien beeindruckt vor allem Jessica Langs „let me mingle tears with thee“.

Es sind viele große Bögen, die „American Signatures“ in der Volksoper aufspannt – choreografisch von der ersten Arbeit aus dem Jahr 1945 bis in die Gegenwart, vom intimen Pas de Deux bis zum Ensemblestück und musikalisch vom Barock-Klassiker bis ins 21. Jahrhundert. Auch für das Staatsballett eine Gelegenheit, die eigene Vielseitigkeit durchaus eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. 

Den amerikanischen Reigen eröffnet ein früher Klassiker – „interplay“ von Jerome Robbins. Zu den jazzigen Klängen von Morton Gould entwickelt Robbins in diesem flotten Ensemblestück fünf heitere Bilder, die von Gemeinschaft und Beziehungen in einer Gruppe erzählen. Bunte Farben und effektvolle große Bewegungsfolgen lassen hier getanzte jugendliche Lebensfreude aufkommen.

Zweierbeziehungen prägen den Mittelteil. Mit „dispatch duet“ zeichnet Pam Tanowitz zur drängend-intensiven Musik von Ted Herane die verschiedenen Annäherungsschleifen einer intimen Begegnung nach (höchst konzentriert: Sinthia Liz und Duccio Tariello). In dieser Beziehung geht es mehr ums Kräftemessen als um Zärtlichkeit. Als poetisch, dialogisch und auch nachdenklich erweist sich dagegen „each in their own time“ von Lar Lubovitch über Klavierstücke von Johannes Brahms (zart am Klavier: Shino Takizawa). Davide Dato und Rinaldo Venuti übersetzen dieses feine Stück über Freundschaft in elegant fließende Formen – hier geht es längst nicht mehr um Rivalität, sondern um Austausch und Gleichklang.

Menschheitsstück der Empathie
Für den eindrucksvollen Höhepunkt des Abends sorgt nach der Pause Jessica Lang. Sie hat aus den Tiefenschichten von Giovanni Battista Pergolesis Sakral-Stück „Stabat Mater“ die Choreografie „let me mingle theatrs with thee“ (Lass mich mit dir weinen) heraus gesponnen.

Auf der schwarzen Bühne schafft sie mit einem überdimensionalen goldenen Tuch, das als Schleier gleich im ersten Bild die trauernde Mutter Jesu kennzeichnet, einen starken sakralen Raum. Nach und nach wandert das Kennzeichen der Trauer von Person zu Person. Jede und jeder ist hier Mutter, alle sind sie der gekreuzigte Sohn, alle stehen einander im Leiden bei. Lang verdichtet das Geschehen auf mehreren Ebenen und macht dabei nicht nur die emotionale Essenz, sondern auch die Struktur der Musik als Bewegung erfahrbar.

Von der Kraft der Gemeinschaft
Musikalisch ist dieses „Stabat Mater“ solide realisiert vom Orchester der Volksoper unter Robert Reimer. Als Altistin absolut überzeugend Jasmin White, Sopranistin Anita Götz musste bei der Premiere am Samstag erst in die Partie finden.

Die Geschichte, die Jessica Lang mit den naturfarbenen fließenden Gewändern erzählt, ist eine von Mitleid und Empathie, von der Kraft der Gemeinschaft und vom Trost, den wir einander spenden können. Das Religiöse, das Kreuz blitzt in Figuren, in Lichtbalken und in Hebefiguren immer wieder auf, dominiert die Szene jedoch nie. Was hier verhandelt wird, ist zeitloser als jede Religion. Bilder, die nachwirken.

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