Regisseur Ádám Császi hat ein Theaterstück als Film weitergedacht und darüber ein Stück geschrieben. Ist so kompliziert wie es klingt. Die Premiere von „3000 Einzelteile“ im Akademietheater geriet zur bitterbösen Satire über eine weiße Oberschicht und ihr Unbehagen im Umgang mit Minderheiten.
Darf man ein Theaterstück über eine Minderheit machen, bei dem reale Personen auf der Bühne ihre Traumata schildern? Oder ist das erneut Ausbeutung, bei der sich Zuseher durch ihre Anteilnahme besser fühlen wollen? Und hat ein Regisseur, der nicht der Minderheit angehört, überhaupt das Recht, diese Geschichten in Szene zu setzen?
Der im Berliner Exil lebende ungarische Regisseur Ádám Császi hat vor Jahren ein erfolgreiches Theaterprojekt mit jugendlichen Rom:nja erarbeitet, es in einem Film weitergedacht und all die Fragen nun noch einmal als Theaterstück weitergedreht. Herausgekommen ist eine grelle Satire auf politisch korrektes Theater, eine bitterböse Selbstreflexion einer übersensiblen liberalen Bürgerschicht.
Unbehagen des Publikums
Im Zentrum des Stückes steht längst nicht mehr die verfolgte Minderheit selbst, sondern der unbeholfene Umgang des Publikums damit. Es geht ums Anschauen und angeschaut werden. Immer wieder wird das Licht im Saal hell, werden Zuseher direkt und einzeln angesprochen, sollen sich ertappt fühlen – in ihrem Mitleid, ihren Vorurteilen, ihrer Ratlosigkeit.
In den Fokus rückt dabei immer wieder der verkrampfte Umgang einer liberalen, es allen Recht mache wollenden Gesellschaft mit dem Leid und der Unterdrückung anderer. Was das Stück damit bezweckt, geht in einer verschwurbelten Spirale der Metaebenen und der Selbstreflexion verloren.
Überspanntes Diskurstheater
Neben fünf schwungvoll tanzenden und singenden ungarischen Darstellern tritt Markus Meyer als unsympathisch überspannter Regisseur in Szene, Ernest Allan Hausmann ist sein übersensibler Ehemann und Dramaturg, Annámaria Láng seine unterdrückte Assistentin. Norman Hacker gibt die verhuschte Persiflage eines Burgtheater-Intendanten.
Der Abend entpuppt sich als wenig erhellendes Diskurstheater und hinterlässt mit seinen sehr langen drei Stunden das unbehagliche Gefühl, dass es gar keine Möglichkeit gibt, sich in Bezug auf den Umgang mit weniger privilegierten Gruppen überhaupt richtig zu verhalten. Das war wohl allen, die sich damit beschäftigt haben, schon davor klar. Es kann nur schief gehen. Das führt auch diese Produktion vor.
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