Musicalstar Drew Sarich, 50, hat ein Faible für Frauenrollen: Nach „Hedwig and the Angry Inch“ schlüpft er nun in die Rolle der Transfrau „Amanda“ in dem gleichnamigen Stück im Wiener Theater am Spittelberg – und im Sommer gibt er In Mörbisch die Zaza in „Ein Käfig voller Narren“. Wir baten den 50-jährigen US-Amerikaner zum Interview.
„Krone“: Sie stehen ab heute als Transfrau „Amanda“ in dem gleichnamigen Ein-Personen-Stück auf der Bühne des kleinen Theaters am Spittelberg – und schlüpfen dabei gleich in 14 Rollen!
Drew Sarich: Eigentlich spiele ich eine Rolle, die von all diesen Menschen erzählt. Und ich finde es immer wieder gefährlich, die 14 Rollen zu erwähnen, denn es klingt eher, als ob man die Leistung feiern will als die Geschichte, weil die ist einfach mega.
Worum geht’s?
Es geht um eine Transfrau am Abend vor ihrer OP. Aus Nervosität und Angst fängt sie ein Gespräch an und erzählt dann ihr ganzes Leben. Dabei lernt man ihren Vater, ihre Mutter, ihre Ehefrau, die ehemalige Ehefrau, ihre zwei Söhne kennen und Menschen, die ihr auf ihrem Weg begegnet sind.
Dieser ständige Charakterwechsel muss sehr anstrengend sein.
Es ist ein Konzentrationskraftakt, ein Marathon. In dem Stück springen wir durch Zeit, Raum, Realität und Traum. Und wenn ich da nicht aufpasse, stehe ich da und weiß nicht, wann ich wer bin.
Was war der Grund, dass Sie die Rolle angenommen haben?
Erstens bin ich ein Fan von Rory Six, dem Autor und Komponisten. Zweitens finde ich es wichtig, vor allem als Hetero-Mann, zu sagen: Diese Geschichte ist universal und nötig. Wir müssen uns alle damit beschäftigen, dass Menschen Menschen sind, Liebe Liebe ist. Das heißt, jeder von uns kann sich mit so einer Geschichte identifizieren.
Auch diejenigen, die sagen, Transfrau, sowas ist doch nicht normal?
Vor allem die Menschen, die sagen, es ist nicht normal. Denn es ist völlig normal, du selbst sein zu wollen. Und dich im Spiegel anschauen zu wollen, mit dem Gefühl: Ja, das stimmt. Die Idee, dass ein Mensch in den Spiegel schaut und sagt: „Das bin ich nicht!“, muss unvorstellbar schrecklich sein. Und wen soll es stören oder verletzen, wenn jemand sagt, ich will die Möglichkeit haben, dass ich. . .überlebe!
Gerade in aufkeimenden Zeiten von Populismus stören sich leider die Leute vermehrt daran, wie es scheint.
Ich habe in letzter Zeit eher queere Geschichten wie „Hedwig“ oder „La Cage“ auf der Bühne erzählen dürfen, und es war immer so schön zu sehen, dass auch queere Teenager etwas davon hatten und zu uns gekommen sind am Ende der Show und sagten: Danke, dass ihr uns repräsentiert und nicht belächelt. Aber genauso haben wir danach die, sagen wir mal, konservativen 80-Jährigen gesehen, die am Ende der Show Händchen halten und sagen: Mah, war das schön. Es beweist, dass wir noch nicht alles verloren haben und man tief im Inneren doch versteht, dass Liebe Liebe ist, und Menschen Menschen sind.
WO: Theater am Spittelberg (1070 Wien, Spittelberggasse 10)
Wann: Premiere: 9. Mai, 19.30 Uhr
Folgetermine: 11., 12., 22., 24., 25. und 26. Mai
Tickets unter www.theatercouch.at
Gespielt wird auf Englisch, ohne deutsche Übertitelung!
Frauenrollen stehen Ihnen sehr gut, Sie spielen, wie Sie gerade sagten, die Protagonistin in „Hedwig and the Angry Inch“ und in dem Musicalhit „Ein Käfig voller Narren“ im Sommer in Mörbisch wieder den Albin bzw. die Zaza. Ziehen Sie diese Rollen an?
Ich finde mich relativ fad (lacht). Insofern finde ich es viel spannender, wenn Drew verschwindet und ich eine Rolle habe, wo man mich nicht mehr sieht.
Ist das nicht im Grunde bei jeder Rolle der Fall?
Als ich von der Ausbildung kam, dachte ich, als 21-jähriger Musicaldarsteller, mein Ziel ist es, Leading Man zu sein. Und meine damalige Agentin sagte mir, du bist kein Leading Man. Und ich habe geweint. Sie sagte, du bist Charakterdarsteller. Und ich sagte, oh scheiße, das heißt, ich bin hässlich und dick. Und sie sagte: Nein, wenn du deine Arbeit richtig machst, heißt es, du könntest in jeder Rolle interessant sein. Weil, wenn du deine Arbeit richtig machst, ja, dann verschwindest du in die Rolle. Und genau das liebe ich.
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