Josefstadt-Abschied

Herbert Föttingers schönes Ende einer großen Zeit

Kultur
30.04.2026 10:38

Eine Ära ist vorbei: Herbert Föttinger scheidet mit der Uraufführung von Peter Turrinis „Was für ein schönes Ende“ nach 20 Jahren aus der Direktion der Josefstadt.

Da geht schon etwas Großes zu Ende, der überstrapazierte Begriff „Ära“ ist nicht zu hoch gegriffen. Im Gegenteil hat Herbert Föttinger in seinen 20 Direktionsjahren beherzt an der Theatergeschichte gerüttelt. Wie vor ihm Claus Peymann die Elite der österreichischen Gegenwartsdramatik an die Burg überredete, band Föttinger die nächste Generation an die Josefstadt.

Nur Peter Turrini blieb es vorbehalten, beide Direktionen zu prägen. Föttinger begann 2006 mit „Mein Nestroy“ und verabschiedet sich jetzt, neun Turrini-Uraufführungen später, als sein eigener Hauptdarsteller mit der Rehabilitation eines Misserfolgs: Die Tragikomödie „Da Ponte in Santa Fé“ geriet dem Uraufführungsregisseur Peymann zum Bleigewicht des Salzburger Festspielsommers 2002.

Freundliches Künstlerkammerspiel
Zu preußisch, zu protestantisch, zu monumental präsentierte sich die (authentische) Geschichte des jüdisch-italienischen Mozart-Librettisten, der vor seinem zweifelhaften Lebenswandel als Whiskyverkäufer in die USA flüchtete. Den Genialitätsanteil an „Don Giovanni“, „Figaro“ und „Così fan tutte“ hat er bis zuletzt für sich reklamiert.

Das Malheur ist jetzt, unter neuem Titel, in gutem Sinn nicht wiederzuerkennen: Ein scharfkantiges, sarkastisches, aber Turrini-obligat auch menschenfreundliches Künstlerkammerspiel erfreut da, das dem scheidenden Direktor auf den Leib geschrieben ist. Und wie schon als Bernhards Theatermacher bringt Föttinger Größenwahn und Selbstironie wieder brillant in die Schwebe.

Handwerkliche Präzision
Der Regisseur Janusz Kica, der handwerkliche Präzision mit Schauspieleraffinität vereint, ist der richtige Dompteur für diese Fulminanznummer. Auch über den schmächtig geratenen Nebenrollen liegt der Abschiedsschmerz. Die Aura und den Charme der Doyenne Marianne Nentwich wird man so ungern vermissen wie den herben Zauber der jungen Juliette Larat, den kauzigen Johannes Seilern und den verlässlichen Lubisa Lupo Grujcic.

Aber immerhin bleiben Maria Köstlinger, Raphael von Bargen, Marcello de Nardo, Alexander Strömer und hoffentlich Félix Kama. Also: Die feine Aufführung in Scharen zu bejubeln, ist Publikumspflicht. Der neuen Direktion großzügig Kredit einzuräumen, ebenfalls.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung