Als Teenager teilte Superstar Justin Bieber ihre YouTube-Videos und machte sie einer breiten Masse bekannt – heute ist Madison Beer 27 Jahre alt und einer der größten weiblichen Popstars der Gegenwart. Vor ihrem Wien-Auftritt in der Wiener Marx-Halle sprachen wir mit ihr über Mental-Health-Probleme, Verantwortungsgefühle und das Erwachsenwerden in der Öffentlichkeit.
„Krone“: Madison, du kommst in wenigen Wochen für dein zweites Österreich-Konzert in die Wiener Marx-Halle. Dein erstes war im März 2024 im Wiener Gasometer, das du erkrankt spielen musstest …
Madison Beer: Richtig, da ist es mir wirklich nicht gutgegangen. Mir tut das noch immer leid, umso mehr freue ich mich auf die Rückkehr, um die beste Show zu liefern, die ich auch sonst immer anbiete. Ich hatte damals hohes Fieber und es war schwierig, das Konzert zu spielen. Ich verspreche euch allen, ich werde heuer wieder alles geben.
Was dürfen wir uns von der Madison Beer-Show anno 2026 erwarten? Du setzt für gewöhnlich genauso auf das Visuelle wie auf das Musikalische.
Ich bin sehr aufgeregt, weil die Show definitiv ganz anders laufen wird als vor zwei Jahren. Ich habe viel mehr Elemente in das Gesamtkonzept integriert, es wird eine Menge Überraschungen geben. Ich will aber auch nicht allzu viel verraten. Kommt vorbei, ihr werdet es nicht bereuen.
Anfang des Jahres hast du dein neues Album „Locket“ veröffentlicht, viele Songs davon werden natürlich in deine Setlist rutschen. War dieses Album eine Art weiter Neuerfindung deines musikalischen Selbst?
Ich denke schon, aber diese Art Neuerfindung geht immer ganz natürlich vor sich und wird nicht forciert. Ich bin dieselbe Madison, die ich immer war, aber natürlich bin ich gewachsen und gereift – auf ganz normalem Wege. Als mein Debütalbum rauskam, war ich gerade mal 21 – jetzt bin ich 27. In diesem Zeitfenster tut sich schon einiges.
Lieder sind immer Schnappschüsse aus einer gewissen Zeit in einem Leben. Fällt es dir bei deinen Veränderungen manchmal schwer, dich in deinen alten Songs wiederzufinden?
Natürlich fühlen sich diese Lieder heute anders an. Ich habe viele verschiedene Momente durchleben dürfen und die älteren Lieder erinnern mich in positiver Art und Weise daran, was ich schon alles erlebt habe. Ich versuche diese Momente festzuhalten und zu speichern, weil sie besonders waren. Alte Songs sind wie eine Zeitmaschine, die mich daran erinnern, wie ich mich damals gefühlt habe – eine coole Sache.
Ist das Album „Locket“ der natürliche musikalische Schritt, der mit deiner Reifung einherging? In welcher Stimmung hast du denn die Songs für das Album geschrieben und sind verschiedene Stimmungen wichtig für einen guten Spannungsbogen?
Es herrschen definitiv verschiedene Stimmungen. Während ich die Songs von „Locket“ schrieb, ging ich durch eine sehr intensive Trennung und das Arbeiten an der Musik hat mir wieder neue Perspektiven eröffnet. Ich habe während des Schreibens sehr viel über mich und das Leben gelernt. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle und deshalb ist das Album auch so vielseitig ausgefallen.
Wenn man so persönliche Songs schreibt, kann das auch immer wieder persönliche Wunden öffnen. Das wird dir vielleicht auch dann passieren, wenn du intensive Songs immer und immer wieder live spielen wirst. Kann sich die Bedeutung eines Liedes über die Jahre auch verändern?
Ja und nein. Ich versuche immer präsent im Moment zu leben und nicht zu stark daran zu denken, wie sich Lieder in der Zukunft einmal anfühlen könnten. Kein Mensch weiß, wo er in fünf Jahren sein wird und wie sein Leben dann aussieht, also lebe ich lieber im Moment und versuche, aktuelle Songs zu schreiben. Ich weiß genau, was ich mit der Öffentlichkeit teilen möchte und was nicht. Ich mag es, verletzlich zu sein und mich verletzlich zu zeigen und ich hoffe inständig, dass meine Fans sich darin selbst finden, wenn sie meine Musik hören. Dass sie sich dadurch weniger allein fühlen. Das habe ich immer im Kopf, wenn ich Lieder schreibe und dadurch verliere ich auch die Angst, mich zu öffnen.
Du bist immer sehr offen mit dem Thema „Mental Health“ und die damit einhergehenden Probleme umgegangen. Siehst du dich dahingehend als Vorbild für andere, wenn du klar zu erkennen gibst, woran du selbst leidest und wie schwierig manche Dinge auf dich wirken?
Danke, das ist ein schönes Lob und das ist mir wirklich sehr wichtig. Ich hatte mit der Online-Welt lange große Probleme und ließ mich viel zu leicht verunsichern, insofern ist es umso schöner zu sehen, dass offen darüber zu sprechen nicht nur mir, sondern im besten Fall auch anderen hilft. Ich versuche meinen Schmerz und mein Leid für etwas Positives zu verwenden. Ich bin durch viele harte Phasen in meinem Leben gegangen und ich finde es wichtig, darüber zu sprechen und zu diskutieren.
Die dunkle Seite daran ist, dass du als Künstlerin in der Öffentlichkeit nicht um Social-Media-Kanäle herumkommst. Es ist quasi unmöglich, dich davon loszusagen. Hast du Wege gefunden, diese Pflicht auf möglichst gesundem Wege zu erfüllen?
Definitiv. Es ist mir auf jeden Fall möglich, mich von dieser Welt zu lösen und zu separieren. Vor zehn Jahren wusste ich noch nicht genau, wer ich eigentlich bin und was mein Weg ist. Das hat sich fundamental geändert, ich stehe heute mit beiden Beinen fest im Leben. Wenn dir aber in jungen Jahren alle möglichen Menschen Negatives entgegenrufen und -schreiben, während du in deiner eigenen Findungsphase bist, kann sich das schwer auf die Entwicklung niederschlagen. Es trifft mich teilweise noch immer, nicht falsch zu verstehen, aber es ist okay, weil ich genug Selbstsicherheit habe.
Du bist seit deinen späten Kindheitstagen eine öffentliche Person, deren Schritte von der ganzen Welt verfolgt werden. Hat das dazu geführt, dass du dich erst dazu überwinden musstest, in deinen Texten oder Interviews offen und klar mit dir selbst umzugehen?
Total, denn es ist ungemein wichtig, dass gewisse Dinge aus dem Privatleben bei jedem Menschen geschützt werden. Ich spreche sehr offen und viel mit meinen Fans, da sie wissen müssen, auch wenn ich mich offen und verletzlich zeige, gibt es Facetten und Seiten an mir, die mir selbst heilig sind und die bewusst bei mir bleiben. Im digitalen Zeitalter muss man stark darauf achten, weil es viele böse Menschen gibt, die deine Ehrlichkeit und Offenheit wie eine Waffe auf dich selbst richten. Ich schütze mich selbst und erkläre gleichzeitig anderen, dass das wichtig für jeden ist.
Wie viel Druck verspürst du bei der Tatsache, dass du nicht nur kommerziell und musikalisch sehr erfolgreich bist, sondern dir auch so viele Menschen zuhören und genau analysieren, was du sagst. Spürst du die Verantwortung, die du ausstrahlst?
Ich denke schon, aber ich muss da nichts vorspielen. Ich bin authentisch und sage auch meinen Fans klar, dass ich oft keine Ahnung habe, was ich tue, sondern rein instinktiv handle. Ich finde an jedem neuen Tag aufs Neue heraus, was richtig oder falsch ist. Versucht also nicht so zu leben wie ich, denn es heißt keinesfalls, dass das der richtige Weg ist. Ich habe selbst keine Ahnung wie die Welt läuft. (lacht) Natürlich ist es schön, dass so viele Menschen meine Musik hören und sich mir dadurch näher fühlen. Ein sehr spezielles, schönes Gefühl.
Wie kannst du dich denn über die Musik artikulieren und öffnen? Welche Ausdrucksformen werden dir durch die Kunst gewährt?
Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie ich Emotionen über die Musik kanalisieren und lenken kann. In den letzten Jahren habe ich mir auch zunehmend Gedanken darüber gemacht, was es da für mich auch außerhalb der musikalischen Welt noch alles gibt. Ob es sich um die Konzeptionierung meiner Musikvideos, das richtige Make-Up auf Tour oder schlichtweg Kunst in meinem Haus handelt. Es gibt so viele Wege kreativ zu sein und sich erfüllt zu fühlen und es gibt auch noch viele Abzweigungen, die ich dahingehend zu beschreiten habe.
Ist es mittlerweile besonders wichtig, dass man selbst eine eigene Marke ist?
Wohl ja, denn jeder spricht davon, wer man ist und wofür man steht. Aber am Ende des Tages bin ich einfach ein Mensch und wenn das nicht reicht, dann weiß ich auch nicht, was ich dir noch dazu sagen soll. Es wird uns Künstlerinnen immer gesagt, wir sollten etwas sein, womit sich andere identifizieren können. Aber was sollen wir sein und wer sind diese anderen? Mir geht es gut so, wie ich bin. Ich bin glücklich damit, wie ich bin. Meine Fans wissen auch, wer ich bin. Ich will einfach ich selbst sein und hoffe, das reicht aus.
Gab es auch Vorbilder, die dir den Weg bereitet haben?
Mit Sicherheit. Innerhalb und außerhalb der Musik gab es unzählige Persönlichkeiten, die mir den Weg geleitet haben.
Der Großteil der Menschen hat in seinem Leben nichts mit Ruhm und Öffentlichkeit am Hut.
Das kann sich manchmal sehr isolierend anfühlen. Ich erinnere mich gut daran, dass ich in jüngeren Jahren oft mit Menschen aus meinem Umkreis darüber sprechen wollte, aber sie natürlich nicht verstehen konnten, wie das ist und welche Schwierigkeiten Öffentlichkeit mit sich bringt. Das ist auch absolut okay, ich würde es auf der anderen Seite genauso wenig verstehen. Ein paar Jahre habe ich mich des Ruhms wegen sehr einsam gefühlt, aber ich fühle mich mittlerweile gut und sicher und umgebe mich nur mit Menschen, die mich verstehen und unterstützen.
Als Künstlerin im Pop-Segment konkurrierst du mit unheimlich vielen starken und erfolgreichen Frauen. Auch wenn es keine direkte Rivalität gibt – geht es manchmal schon auch darum, besser sein zu wollen als andere? In gewissen Bereichen der Konkurrenz über zu sein?
Ganz persönlich verspüre ich das überhaupt nicht. Es gibt sehr viele Menschen, die unbedingt die Nummer eins sein wollen und alles dafür tun, aber das ist nicht meine Welt. Ich bin glücklich, dass ich all das tun und erleben darf. Ich liebe es über alles Musik zu machen und dabei meine eigenen Wege zu gehen. Ich mag den Wettbewerbsaspekt dabei nicht und würde da auch nie mitmachen. Mir geht es um den kreativen Prozess und ich hoffe, dass wir alle mit unserer Leidenschaft erfolgreich sein können.
Hat sich der Zweck bzw. der Sinn von Musik für dich über die Jahre verändert?
Wahrscheinlich ist alles noch intensiver geworden. Ich liebe die Musik, sie war immer ein elementarer Teil meines Lebens und sie war mir ein Begleiter in unterschiedlichen Bereichen meines Lebens und meiner Entwicklung. Die Liebe zur Musik wird immer bestehen bleiben und auch wenn der Erfolg ausbleiben sollte – ich werde nie damit aufhören. Das ist absolut unvorstellbar.
Im modernen Pop-Business geht es viel um Trends und gegenwärtige Strömungen. Ist es manchmal schwierig, sich bewusst davon zu entkoppeln und nicht immer dem „neuen heißen Scheiß“ nachzujagen?
Ich mache immer das, was ich tun will, und habe diversen Trends noch nie Aufmerksamkeit gewidmet. Ich mache das, was sich gut anfühlt und wenn das mit einem Trend der Fall ist, ist das auch in Ordnung. Nichts passiert jedenfalls aus einem Vorsatz oder Impuls, der von außen kommt.
Fühlst du dich unter Druck gesetzt, dass so viele Menschen deine Texte analysieren und Wort für Wort auseinanderbauen?
Nein, ich fühle dahingehend keinen Druck. Das ist vielmehr eine Ehre für mich, es ist eigentlich unglaublich, dass die Menschen das machen. Ich will die beste Version von mir selbst sein und das nach außen so vermitteln.
Das Songschreiben kann auf viele Menschen eine therapeutische Wirkung haben. Du stärkst mit deinen Songs andere Menschen, aber in erster Linie schreibst du sie für dich selbst.
Eine schwierige Sache, weil beides stimmt. Natürlich schreibe ich die Songs in erster Linie für mich selbst, aber wenn ich andere damit stärken kann, ist das auch eine schöne Sache. Ich will vor allem, dass sich die Menschen besser gesehen und weniger allein fühlen. Aber das Songwriting kommt direkt und pur aus mir – völlig authentisch.
Dir sind auch visuelle Aspekte wichtig, die Mode, die Videos – das gesamte Drumherum. Siehst du dich in der Zukunft auch in anderen Positionen der kulturellen Welt? Als Schauspielerin, Malerin oder Romanautorin?
Ein Buch habe ich schon geschrieben, aber ich würde gerne noch eines schreiben, das hat mir großen Spaß gemacht. Ich bin auch ein großer Fan der Filmwelt und sollte einmal ein gutes, passendes Angebot reinflattern – ich würde mit Sicherheit nicht nein sagen. Auch weil das Schauspiel das Gegenteil der Musik ist. Dort spielt man nämlich einen Charakter und ist nicht authentisch man selbst.
Am 13. Mai ist Madison Beer mit ihrem neuen Album „Locket“ und den Hits der Vergangenheit live in der Wiener Marx-Halle zu Gast. Unter www.ticketmaster.at gibt es noch Karten für das Pop-Top-Event dieses Frühlings.
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