„Fühle mich geehrt“

Trump nutzt Attentatsversuch für seine Zwecke

Außenpolitik
27.04.2026 09:59

Der Schusswaffenangriff am Rande eines Gala-Dinners in Washington wirft Fragen auf. Eine chaotische Evakuierung und Schlamperei bei den Sicherheitsvorkehrungen sind Zündstoff für Spekulationen. Aber sicher ist, der Schütze kommt US-Präsident Donald Trump durchaus gelegen ...

Trump verlor keine Zeit: Von Sicherheitsleuten aus dem Hilton-Hotel in Washington ins wenige Autominuten entfernte Weiße Haus gebracht, gab er kurz nach dem vereitelten Angriff eine Pressekonferenz. Dort lobte er das „rasche Handeln“ des Secret Service und die „Einigkeit“, die beim traditionellen Korrespondenten-Dinner geherrscht habe. Dem angeschossenen Agenten des Secret Service gehe es „großartig“, erklärte der US-Präsident noch, bevor er anfing, den Vorfall für seine politische Agenda zu nutzen.

Kurz nach dem Vorfall gab Trump – noch im Smoking – eine Pressekonferenz.
Kurz nach dem Vorfall gab Trump – noch im Smoking – eine Pressekonferenz.(Bild: AP/Jose Luis Magana)

Attentat als Argument für Ballsaal
Denn Trump führte den Angriff als Grund an, warum es den vom ihm forcierten, stark umstrittenen Ballsaal beim Weißen Haus unbedingt brauche. Denn der 400 Millionen US-Dollar (rd. 341 Mio. Euro) teure Saal soll über einen Bunker, ein drohnensicheres Dach und kugelsicheres Glas verfügen. Noch am Sonntag kündigten republikanische Verbündete an, Gesetzesinitiativen einzubringen, um den gerichtlich gestoppten Bau des Saals durchzusetzen. Der amtierende Justizminister Todd Blanche teilte mit, sein Ministerium werde einen Richter bitten, das laufende Verfahren gegen das Bauprojekt abzuweisen.

Sicherheitsleute umringen Trump kurz nachdem die Schüsse fallen.
Sicherheitsleute umringen Trump kurz nachdem die Schüsse fallen.(Bild: AP/Alex Brandon)

Schüsse ein Stockwerk über Veranstaltung
Von den hohen Sicherheitsvorkehrungen, die sich Trump für seinen Ballsaal ausmalt, kann beim Presse-Dinner keine Rede sein. Es gibt massive Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen und Spekulationen, warum nicht alles reibungslos verlief. Denn der Attentäter schaffte es, mit einer Schrotflinte, einer Faustfeuerwaffe und mehreren Messern bewaffnet, eine Sicherheitsschleuse ein Stockwerk über dem Ballsaal zu stürmen. Bei einem kurzen Schusswechsel wurde ein Mitarbeiter des Secret Service an seiner Schutzweste getroffen. Der Täter wurde überwältigt und festgenommen. Im Saal selbst wurde niemand verletzt.

Ehemalige Sicherheitsbeamte erklärten, der Secret Service müsse künftig die Sperrzonen bei Großveranstaltungen deutlich ausweiten. Der geschäftsführende Justizminister Todd Blanche verteidigte hingegen das Sicherheitskonzept. Er sagte dem Sender NBC News, das Konzept habe so funktioniert wie vorgesehen. Der Angreifer sei kaum über die Sicherheitsschleuse hinausgekommen.

Gesundheitsminister Kennedy wird in Sicherheit gebracht.
Gesundheitsminister Kennedy wird in Sicherheit gebracht.(Bild: AP/Tom Brenner)

Chaos bei Evakuierung
Die äußeren Sicherheitskontrollen konnte der Bewaffnete offenbar umgehen, indem er sich in den Tagen vor der Veranstaltung als regulärer Gast in dem Hotel einmietete, wie es am Sonntag aus US-Regierungskreisen hieß. Der Eingang des Hotels war selbst nicht mit Metalldetektoren gesichert, wie die „New York Times“ berichtet. Für Kritik sorgt auch die chaotische Evakuierung: Während Trump nach etwa 30 Sekunden von der Bühne gebracht wurde, ging es bei Vizepräsident Vance schneller. Bei einigen Ministern dauerte es hingegen rund 150 Sekunden, bis sie den Saal verlassen konnten. 

Schütze wundert sich selbst über laxe Sicherheit
Der Attentäter, der in Haft ist, drückte seine Verwunderung über die laschen Sicherheitsvorkehrungen sogar in seinem Manifest aus. Daraus geht laut Weißem Haus auch hervor, dass er es tatsächlich auf den US-Präsidenten und seine Regierung abgesehen hatte. Auch das nutzte Trump, der mit miserablen Umfragewerten zu kämpfen hat, für seine politische Agenda.

Er stilisierte sich als Zielscheibe wegen seiner politischen Erfolge. „Wenn man viel bewegt, wird man angegriffen“, hatte er bereits kurz nach der Tat am Samstagabend erklärt. Am Sonntag legte er in den sozialen Medien nach und verglich sich mit Präsident Abraham Lincoln, der bei einem Attentat erschossen worden war. Ohne seine Zölle auf Importe und die hohen Militärausgaben wäre er weniger gefährdet, so Trump. „Ich hasse es, das sagen zu müssen, aber ich fühle mich geehrt“, erklärte er. 

Erinnerungen an Attentat 2024
Gut möglich, dass der US-Präsident tatsächlich aus dem Vorfall Kapital schlagen kann. Es wäre nicht das erste Mal: Bereits der Attentatsversuch im Wahlkampf 2024 nützte Trump. Die ikonischen Bilder, die ihn blutend, mit hochgestreckter Faust zeigten, konnten damals seine Anhänger mobilisieren und hatten ihren Anteil am Wahlsieg. 

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