Schüsse bei Trump-Gala
„Man hörte Klirren von Besteck, Gläser zerbrachen“
Gerade hatten sich die rund 2600 Personen – Journalisten und ihre Gäste – bei der traditionellen Presse-Gala mit dem US-Präsidenten an ihre Tische gesetzt, da ließ eine Reihe dumpfer Geräusche die Gespräche im Saal verstummen. Dann krachten die Türen zum riesigen Ballsaal des Washington Hilton auf.
Donald Trump saß mit First Lady Melania Trump, Vizepräsident JD Vance und anderen Regierungsvertretern an einem langen Banketttisch auf einem Podium. Das Präsidentenpaar war im Gespräch. Es bewegte sich zunächst kaum, als rundherum Chaos ausbrach. „Ich dachte, ein Tablett wäre heruntergefallen“, schilderte Trump Stunden später auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Doch es war kein Missgeschick des Servicepersonals. Die Behörden teilten später mit, ein mit mehreren Waffen ausgerüsteter Schütze sei durch eine Sicherheitskontrolle im Stockwerk über dem Ballsaal gestürmt. Dies geschah in demselben Hotel, in dem 1981 der Attentäter John Hinckley Jr. auf Präsident Ronald Reagan geschossen hatte, als dieser eine Veranstaltung verließ.
Beim Presse-Dinner am Samstag stürzten bald darauf Agenten des Secret Service schützend auf Trump zu. Der Präsident duckte sich, als sie ihn aus seinem Stuhl zogen. Er warf flüchtige Blicke in die Mitte des Raumes, wo andere Secret-Service-Agenten über Stühle und Tische stiegen, um Politiker zu schützen. Auch Vance und Außenminister Marco Rubio wurden eilig in Sicherheit gebracht.
„USA! USA! USA!“
Im Ballsaal flüchteten Kellner den Mittelgang hinunter. Zivilbeamte sprangen von ihren Sitzen auf. Sie drückten mehrere Kabinettsmitglieder zu Boden, die noch Momente zuvor an unter den Journalisten gesessen hatten, und brachten die Regierungsvertreter dann unter den Tischen in Sicherheit. Andere Sicherheitsleute tauchten scheinbar aus dem Nichts in voller Bereitschaftsmontur auf, ihre Gewehre auf die erschrockenen Gala-Gäste gerichtet. Viele hatten sich in ihren Smokings und Abendkleidern auf den Boden geworfen und waren unter Tische und Stühle gekrochen. Mehrere Gäste begannen zu skandieren: „USA! USA! USA!“
Dann machte sich ein ganzer Saal voller Journalisten rasch an die Arbeit. Nach mehreren nervenaufreibenden Minuten am Boden standen sie auf und holten ihre Smartphones aus den Taschen, um die weiteren Ereignisse im Bild festzuhalten. Gerüchte machten die Runde. Reporter kämpften um WLAN-Zugang. Das Passwort für das Netzwerk der Veranstaltung, wie viele dann erfuhren, lautete „MOREWINE“.
So erlebten Augenzeugen den Schuss-Moment
„Es war ein unglaublicher Moment der Verwirrung und des Schocks. Die Menschen blieben unter den Tischen liegen und versuchten einfach, Schutz zu suchen. Gleichzeitig versuchten sie zu begreifen, was genau vor sich ging“, schilderte die Reuters-Korrespondentin Humeyra Pamuk.
„Meine Reuters-Kollegen und ich saßen sehr nah an der Bühne. Man hörte das Klirren von Besteck, Gläser zerbrachen. Und es wirkte fast so, als gäbe es einen Ansturm auf den Tisch des Präsidenten. Ich war vielleicht 30 Meter von Präsident Trump entfernt und sah, wie Agenten des U.S. Secret Service sich über den Präsidenten warfen. Er sah aus, als kniete er hinter dem Tisch. Dann begannen sie langsam, ihn hinauszuführen“, erzählte der Reuters-Korrespondent Bo Erickson.
Hinter der Bühne bestand Trump darauf, dass die Veranstaltung weitergehen müsse. Er teilte den Leitern der White House Correspondents‘ Association mit, dass er noch seine Rede halten wolle. Der Secret Service überzeugte ihn aber davon, ins Weiße Haus zurückzukehren. Das Dinner wurde abgesagt. Die Herren lösten ihre Fliegen, die Damen streiften ihre High Heels ab. Weijia Jiang, Korrespondentin des Weißen Hauses für CBS News und Präsidentin der White House Correspondents‘ Association, bat die Gäste wenig später, das Hilton zu verlassen. Schaulustige beobachteten die abziehenden Gala-Gäste und filmten sie mit ihren gezückten Handys.
„Äußerst surrealer Moment mit dem Präsidenten“
„Danach folgte eine ziemlich surreale Situation: Uns wurde gesagt, Präsident Trump werde etwa eine Meile weiter im Weißen Haus eine Pressekonferenz geben. Einige von uns stiegen auf Fahrräder, andere fingen an zu rennen. Viele völlig verschwitzte Reporter warteten dann auf eine Stellungnahme von Präsident Trump. Ich saß schließlich in der ersten Reihe der Pressekonferenz. Es war ein äußerst surrealer Moment mit dem Präsidenten“, so Erickson. Dort wurde der US-Staatschef von einer Reporterin gefragt, was ihm bei dem Dinner durch den Kopf gegangen sei. Trump antwortete abgebrüht: „Es ist immer schockierend, wenn so etwas passiert. Es ist mir schon einmal passiert.“ Dem fügte er hinzu: „Mit dem derzeit am Weißen Haus im Bau befindlichen, militärisch streng geheimen Ballsaal wäre dieses Ereignis niemals passiert“, teilte Trump mit. „Er kann gar nicht schnell genug fertiggestellt werden!“
Wer ist der Verdächtige?
Bei dem Verdächtigen soll es sich um einen 31-Jährigen aus Südkalifornien handeln, wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichteten. Der Mann soll als Lehrer und Entwickler für Videospiele gearbeitet haben, heißt es unter Berufung auf das mutmaßliche LinkedIn-Profil des Mannes.
In der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) durchsuchte die Bundespolizei FBI das Haus des Verdächtigen in Torrance, einem Vorort südwestlich von Los Angeles. Laut Medienberichten soll der Mann 2017 am California Institute of Technology einen Bachelor-Abschluss erworben und 2025 ein Masterstudium an der California State University abgeschlossen haben.
Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass der Verdächtige alleine gehandelt hat. Er soll sich demnach als Gast im Hilton Hotel, in dem das Dinner stattfand, aufgehalten haben. Während des Angriffs hat der Mann den Angaben nach eine Schrotflinte, eine Handfeuerwaffe und mehrere Messer bei sich geführt.
Im August 2025 habe sich der Verdächtige legal eine Schrotflinte des Typs Maverick, im Oktober 2025 eine halbautomatische Pistole verschafft, berichtet der US-Sender NBC unter Berufung auf Polizeidokumente.
Motiv weiter unklar
Das Motiv des Verdächtigen sei Teil der Ermittlungen, sagte Justizminister Todd Blanche mehreren US-Sendern am Sonntagmorgen (Ortszeit). Ersten Erkenntnissen zufolge gehen die Ermittler davon aus, dass der mutmaßliche Schütze Mitglieder der Trump-Regierung ins Visier genommen hatte, so Blanche im US-Sender CBS. Der Verdächtige kooperiere jedoch derzeit nicht aktiv mit den Behörden.
Am Montag soll der mutmaßliche Täter vor Gericht erscheinen. Er soll wegen der Verwendung einer Schusswaffe bei einer Gewalttat sowie wegen tätlichen Angriffs auf einen Bundesbeamten unter Einsatz einer gefährlichen Waffe angeklagt werden. Weitere Anklagepunkte könnten noch folgen.













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