Drohnentrümmer
Russische Angriffswelle: Schäden auch in Rumänien
Die Ukraine hat eine weitere Nacht massiver russischer Luftangriffe hinter sich. Neben Drohnen und ballistischen Raketen kamen nach Angaben der ukrainischen Luftabwehr auch Marschflugkörper zum Einsatz. Es gab mehrere Tote und Dutzende Verletzte. Auch das benachbarte NATO-Land Rumänien wurde von Drohnentrümmern getroffen und meldete erstmals Sachschäden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Samstag, die russischen Bombardements hätten fast die ganze Nacht angehalten und vor allem städtische Infrastruktur zum Ziel gehabt. „Jeder derartige Angriff muss unsere Partner daran erinnern, dass die Situation sofortiges und entschlossenes Handeln sowie eine rasche Stärkung unserer Luftverteidigung erfordert“, erklärte Selenskyj in den sozialen Medien.
In beinahe allen Landesteilen der Ukraine war Luftalarm ausgelöst worden. Aus Charkiw und Dnipro wurden schwere Explosionen gemeldet, auch die Hauptstadt Kiew und andere Städte wurden angegriffen. Allein in Dnipro seien mindestens 18 Zivilisten verletzt worden, teilte der regionale Militärverwalter Olexander Ganscha auf Telegram mit. Nach Darstellung der ukrainischen Luftwaffe hatten russische Bomber vom Typ Tupolew Tu-95 kurz nach Mitternacht Ortszeit aus großer Distanz über dem Kaspischen Meer eine unbekannte Zahl von Marschflugkörpern abgefeuert. Mit deren Annäherung an die Ukraine starteten die russischen Militärs noch Drohnen und ballistische Raketen, um die ukrainische Flugabwehr mit diesem Waffenmix zu überlasten.
Kein wirksames Mittel gegen Iskander-Raketen
Kein wirksames Mittel hat die Ukraine gegen Boden-Boden-Raketen vom Typ Iskander-M. Bei dem Angriff seien mehrere Regionen getroffen worden. Besonders im Visier der Russen sei die Stadt Dnipro im Südosten der Ukraine gewesen.
Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, in der Nacht seien 127 angreifende ukrainische Drohnen abgefangen worden. Gemeldet wurden Angriffe auf die Wolga-Region, aber auch weit im Osten auf die Städte Perm und Jekaterinburg am Ural. In Jekaterinburg seien sechs Menschen verletzt worden, teilte Gebietsgouverneur Denis Pasler mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete. Angaben zu angegriffenen Militärzielen oder Industrieanlagen gab es nicht.
Rumänien: „Russland gefährdet Sicherheit der NATO“
Auch in der rumänischen Stadt Galati im Südosten des Landes gingen Trümmerteile einer Drohne nieder. Dabei wurden ein Nebengebäude und ein Strommast beschädigt, teilte das Verteidigungsministerium in Bukarest mit. Verletzte oder Tote wurden nicht gemeldet. Das Ministerium verurteilte Russlands Vorgehen als unverantwortlich: „Solche Vorfälle belegen den mangelnden Respekt der Russischen Föderation vor dem Völkerrecht und gefährden nicht nur die Sicherheit der rumänischen Bürger, sondern auch die kollektive Sicherheit der NATO.“
Rumänien teilt eine 650 Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Wie üblich bei russischen Angriffen auf die Ukraine stiegen zwei britische Eurofighter-Kampfjets auf, die im Rahmen einer Mission zur Luftraumüberwachung in Rumänien stationiert sind. Zudem wurden die Bewohner des in der Nähe von Galati gelegenen Kreises Tulcea aufgerufen, Schutz zu suchen.
Seit Beginn der russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur sind bereits mehrmals russische Drohnen in den rumänischen Luftraum eingedrungen, wenn Moskau ukrainische Häfen auf der anderen Seite der Donau angriff. Trümmerteile fielen dabei wiederholt auf rumänisches Staatsgebiet, Sachschäden gab es bisher jedoch nicht. Die Vorfälle haben die Spannungen an der Ostflanke der NATO in den vergangenen Monaten verschärft. Das rumänische Gesetz erlaubt zwar den Abschuss von Drohnen in Friedenszeiten, wenn Leben oder Eigentum in Gefahr sind. Davon machte das Militär bisher jedoch keinen Gebrauch.










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