O Romeo, sei froh, dass du nicht von einer KI erdacht wurdest. Die Nachtigall hätte wohl nicht so laut jubiliert, wenn sich Julias Sehnen so angehört hätte: „Hey Romeo, dein Nachname ist doch nur ein Wort. Er sagt nichts darüber, wer du wirklich bist. Wenn du diesen ganzen Familienkram hinter dir lassen würdest, würde ich dir ohne Zögern mein ganzes Herz geben.“ Das macht die KI aus Shakespeares unsterblicher Poesie: „O Romeo, leg deinen Namen ab, und für den Namen, der dein Selbst nicht ist, nimm meines ganz!“
Trotz des Mangels an dichterischem Talent stand die KI am Welttag des Buches (23. April) im Rampenlicht – obwohl dieser am Todestag von Shakespeare (und Miguel Cervantes) begangen wird. Der Fokus der Branche richtete sich auf den Horror-Roman „Shy Girl“. Nicht wegen seiner literarischen Qualität – eher im Gegenteil. Es ist der erste Fall, in dem ein seriöses Verlagshaus auf einen KI-generierten Text hereingefallen ist. Nun wurde die digitale „Edelfeder“ von aufmerksamen Lesern enttarnt. Sie wiesen hin auf die Flut an Adjektiven, schlichte Satzstrukturen und Metaphern, die keinen Sinn ergeben. Die KI selbst gab ihnen übrigens recht.
Der Horror-Roman wurde so zur Horrorvision für die Buchwelt, die gerade versucht, der KI Herr zu werden. Die Entlarvung zeigt aber auch etwas Gutes: Chat-Bots können zwar Massenware schaffen, die sich irgendwann „in Luft auflösen“ wird (nebenbei bemerkt stammt die Redewendung von Shakespeare). Doch du, o Romeo, bleibst urewig.
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