„Brauchen Lösungen!“

Steiermark hat zu wenige Plätze für Kinder in Not

News aus Graz
22.04.2026 15:00

Vernachlässigung, Missbrauch bis Gewalt: Kinder, die nicht bei ihren Eltern bleiben können, brauchen eine Alternative. Doch die Steiermark, vor allem Graz, hat zu wenige Krisenpflegeplätze und stößt an Grenzen.  Jugendstadträtin Unger fordert Maßnahmen wie in anderen Bundesländern.

Es muss sehr viel vorgefallen sein, wenn ein Kind nicht bei seinen Eltern bleiben darf. Das kann von starker Vernachlässigung, Schlägen bis  Missbrauch reichen. 46 Kinder sind aktuell in der Steiermark Krisen-untergebracht, einen Dauerpflegeplatz haben weitere 712 Kinder. Doch das System stößt an seine Grenzen, besonders in der Landeshauptstadt.

Geringe Kapazitäten
Allein in Graz sind es im Schnitt jährlich 70 bis 85 Krisenunterbringungen (diese können von wenigen Tagen bis zu einem halben Jahr reichen). Und das bei 14 Krisenpflegeeltern in der Stadt. „Das ist zu wenig, um den Bedarf zu decken“, sagt Jugendstadträtin Claudia Unger (ÖVP). Derzeit sind elf Grazer Kleinkinder bereits in anderen Regionen untergebracht. „Sie müssen sich in einer schon herausfordernden Zeit neu in einem Kindergarten einfinden, Besuche der ,Herkunftseltern‘ sind schwieriger“, sagt Gerlinde Sternad, die in Graz den Pflegekinderdienst leitet. Oft sind die Kinder noch sehr klein, weil für Unter-6-Jährige eine Unterbringung im Heim keine Option ist.

Gerlinde Sternad (l.) vom Pflegekinderdienst und Jugendstadträtin Claudia Unger fordern Lösungen
Gerlinde Sternad (l.) vom Pflegekinderdienst und Jugendstadträtin Claudia Unger fordern Lösungen(Bild: Schaupp)

Wenig Geld und wenig Absicherung
Das Problem: Zu wenige Personen interessieren sich für die Tätigkeit. Wer Kinder in der Krise als Pflegefamilie aufnehmen will, muss einen zusätzlichen Kurs besuchen, mit traumatisierten Kindern umgehen können, emotional belastbar und flexibel sein – und das alles bei wenig Absicherung und kaum Gehalt.

„Im Vergleich zu anderen Bundesländern müssen wir dringend handeln“, sagt Unger. Steirische Krisenpflegeeltern bekommen 640 Euro brutto monatlich  (plus 692 Euro Pflegekindergeld). Diese 1.332 Euro brutto erhalten sie aber nur, wenn sie ein Kind aktiv betreuen. In den Zwischenzeiten müssen sie zum AMS gehen, weil sie nicht abgesichert sind. „Pausen sind für diese extrem belastbare Aufgabe aber wichtig, oder sie entstehen, wenn Kinder einen Dauerpflegeplatz bekommen“, erklären Sternad und Unger.

Ideen liegen auf dem Tisch
Unger fordert eine landesweite Regelung, wie sie in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol, Kärnten und dem Burgenland schon existiert. „In Oberösterreich sind Krisenpflegeeltern zum Beispiel durchgängig 17 Wochenstunden angestellt, auch in betreuungsfreien Zeiten, bei einem Bruttogehalt von 1322 Euro.“ Unger hat die Idee dem zuständigen Soziallandesrat Hannes Amesbauer (FPÖ) präsentiert. Dort heißt es auf Nachfrage, dass eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen wurde. Man wolle sich erst medial äußern, wenn Ergebnisse vorliegen.

Eine andere Option wäre ein Modell auf Stadtebene, wie es Salzburg vorlebt. „Dafür bräuchten wir zum Start 250.000 Euro pro Jahr in Graz.“ Laut Unger aus ihrem Budgettopf allein nicht finanzierbar – „nur mit zusätzlichen Mitteln!“

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