Wiener Volksoper

Große Kunst zwischen Entertainment und Austropop

Kultur
17.04.2026 14:44

Volksoperndirektorin Lotte de Beer präsentiert ihre fünfte Saison, setzt bei den insgesamt zehn Premieren von Oper, Operette, Ballett bis Musical auf den Faktor Unterhaltung und zeigt sich in Zeiten der Finanzkrise kreativ.

Es ist die nunmehr fünfte Saison, in die Lotte de Beer als Direktorin der Wiener Volksoper startet – und die quirlige Niederländerin hat nichts von ihrem Elan verloren. Gut gelaunt begrüßt sie zur Präsentation der Vorschau auf die insgesamt zehn Premieren gemeinsam mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Christoph Ladstätter.

Die Finanzkrise bereitet den beiden derzeit die größte Sorge: „Wir werden alle Rücklagen auflösen“, so Ladstätter, „aber die gute Nachricht ist, die nächste Saison ist gesichert. Die Bundestheater haben ein Riesenprivileg, weil die Basisabgeltung gesetzlich verankert ist. Der Nachteil ist, dass der Betrag nicht valorisiert ist!“

„Wir drehen jeden Euro um, versuchen es so günstig wie möglich zu machen“, sagt de Beer, „so wie beim ,Zarewitsch´, mit einfachen Mitteln große Wirkung erzeugen. Oder bei der kommenden Operette ,Der Opernball‘: Da benutzen wir nur die Hälfte der Bühne, so kann man dahinter noch ein anderes Stück aufgebaut lassen, was enorm viel Bühnenzeit spart und bei der neuen Produktion ,Ronja Räubertochter´ verwenden wir das Bühnenbild der ,Zauberflöte´, das ich mit Videoinstallationen zu neuem Leben erwecken kann. Das ist ressourcenschonend, aber auch menschenschonend und zeitschonend. Zeit, die man in die Kunst investieren kann!“

Lotte de Beer und der kaufmännische Geschäftsführer der Wiener Volksoper Christoph Ladstätter.
Lotte de Beer und der kaufmännische Geschäftsführer der Wiener Volksoper Christoph Ladstätter.(Bild: Anna Pintsuk/Volksoper Wien)

Ladstätter: „Das ist eine grandiose Lösung, die Werkstattstunden spart und trotzdem irrsinnig kreativ ist, wobei natürlich generell die Personalkosten am meisten ins Gewicht fallen.“

Die Zahlen können sich sehen lassen: „Wir haben 88 Prozent Auslastung mit wirklich tollen Anteilen an jungen Zuschauern“, sagt Ladstätter, „beim U30-Publikum sind wir jetzt bei 26 Prozent, das ist ein Plus von 2 Prozent. Die Abos sind um 9 Prozent gestiegen. Das ist erfreulich. Um das zu erreichen, bieten wir auch viele ermäßigte Karten an. Trotzdem haben wir super Einnahmen, die in der Höhe vom letzten Jahr sind.“

Volksopern-Highlights 2026/27

  • Ronja Räubertochter, Familienstück, Musik von Kyrre Kvam, Regie: Ruth Brauer-Kvam, ab 20. 9.
  • Chicago, von John Kander, Fred Ebb, Regie: Lotte de Beer, ab 24. Oktober
  • Der Opernball, von Richard Heuberger, Regie: Moritz Franz Beichl, ab 5. Dezember
  • Die Sieben Todsünden/Gianni Schicci, von Kurt Weill/Giacomo Puccini, Regie: Rachael Hewer, ab 3. März 
  • Hello Dolly, von Jerry Herman, Regie: Martin C. Berger, Dolly: R. Brauer-Kvam, ab 3. April 
  • Così fan tutte, von Wolfgang A. Mozart, Regie: Lotte de Beer, Bühnenbild: Richard Peduzzi, ab 22. Mai
  • Reigen, von Philippe Boesmans, Studio-V, Regie: Annette Dasch, ab 26. Juni

Junges Publikum für Musiktheater zu begeistern, ist eines der Hauptanliegen der Direktorin: „Es ist wichtig, Kinder und Jugendliche für das Theater zu gewinnen, denn dann bereicherst du sie fürs Leben. Wir versuchen, diese Theatererfahrung so früh wie möglich zu vermitteln. Wir sehen immer gerade bei Kindern, was Musik bewirken kann. Deshalb ist uns das so wichtig. Ja, das kostet Geld, ja, das liefert keine Awards. Aber wir machen das, denn es ist sehr gut investiertes Geld. Wir gehen regelmäßig in die Schulen und erarbeiten mit den Kindern unsere Produktionen. Augenmerk liegt auf jenen, die aus Familien stammen, die nicht so einfachen Zugang zu kulturellen Angeboten haben. Ich freue mich, dass wir so eine gute Publikums-Durchmischung haben.“

Und weil die Volksoper eben für alle etwas bieten soll, erweitert de Beer die musikalischen Grenzen und öffnet das Haus für Austropop. Vorrangiges Ziel: Neues Publikum soll mit rot-weiß-roten Hits angelockt werden. „Das ist unser Auftrag, um eine Volksoper für alle zu sein. Damit finden wir wieder eine neue Kategorie an Publikum. Das Stück heißt ,Zur heißen Zitrone‘, spielt in einem Kleingartenverein, ein österreichischer Mikrokosmos, eine Analyse der Gesellschaft, mit ganz viel Humor und herrlich hässlichen Kostümen!“

Bei der Programmierung der neuen Saison (siehe Kasten rechts) wird der Faktor Unterhaltung großgeschrieben: „Entertainment und Kunst sind über die Jahre immer mehr auseinandergedriftet. In Zeiten wie diesen sieht man aber, dass das Publikum sich nach etwas sehnt, das beides ist. Deshalb glaube ich, dass unsere „Piraten von Penzance“ auch so gut ankommen.  Große Kunst darf auch Entertainment sein!“ 

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