





Seit wann die Menschen alljährlich am Dreinagelfreitag zum Vierbergelauf aufbrechen, ist ungewiss, mindestens aber seit 500 Jahren. Erstmals geht „Krone“-Redaktionsaspirantin Elena Überbacher mit – und trifft auf dem 52 Kilometer langen Weg zahlreiche Pilger. Ein Erlebnisbericht vom Weg ins Paradies.
Schon auf den Magdalensberg gingen jene Pilger, die keinen Shuttledienst gebucht hatten, zu Fuß, denn mit Autos ist die Anfahrt in der Nacht auf den Dreinagelfreitag unmöglich. Feuerwehr und Polizei regelten das Verkehrschaos. „Unsere Aufgabe ist es primär, dass die Leute sorgenfrei an- und abreisen können“, so Einsatzleiter Florian Scherwitzl von der FF Ottmanach, die bis gegen 1.30 Uhr im Einsatz stand, da immer öfter wallfahrer erst später starten. „Tausende reisen mit Bussen oder privaten Autos an“, weiß Bürgermeister Andreas Scherwitzl, der seit 18 Jahren beim Vierbergelauf auf dem Magdalensberg ist. „Polizei und Feuerwehren sowie das Rote Kreuz stehen für den Fall der Fälle im Einsatz.“
Lieder erklingen beim Pilgern
Bei der ersten heiligen Messe am Magdalensberg standen die Kreuze prominent im Kirchenraum: Mit ihnen führen Kreuzträger Gruppen an, die über die vier Berge wandern, dabei neuen Leuten begegnen und auch sich selbst neu kennenlernen, denn die gut 52 Kilometer sind eine Herausforderung. An einer Labestation kurz vor dem Ulrichsberg stärkte sich auch Elena Überbacher: „Auf dem Weg trifft man so einige Leute, auch Sänger, die ab und zu ein Ständchen anstimmen. Den Kreuzträgern folgen Menschen, die Rosenkranz beten.“






Ihre Gruppe ist kurz nach 6 Uhr auf dem Ulrichsberg angekommen. „Einige verweilen dort, schauen sich die Kapelle an, da sie ja nur einmal im Jahr geöffnet ist – nämlich heute.“
Rosenkranz mit aktuellen Themen
„Ich bin seit 35 oder gar 40 Jahren als Vorbeter dabei“, verrät Franz Zlanabitnig, der in den Rosenkranz aktuelle Themen einbindet. „Was mir eben so einfällt.“ Die Gruppe ist ihm beim Vierbergelauf wichtig. „Allein schafft man es fast es nicht.“
Der Fackelträger aus Deutschland
Ralph aus Köln ist oft in Kärnten und schon das achte Mal beim Vierbergelauf. „Früher war es Tradition, in der Nacht mit Pechfackeln zu gehen. Also trage ich eine Fackel.“
Der zweite Freitag nach Ostern wird Dreinagelfreitag genannt, nach den drei Nägeln, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. An dem Tag brechen Tausende zu einem 16-stündigen Abenteuer über 52 Kilometer, gut 2000 Höhenmeter und vier Berge auf: Den Auftakt zum Vierbergelauf bildet in der Nacht von Donnerstag, 16. April, auf Freitag eine Mitternachtsmesse am Magdalensberg. Dann führt die Wallfahrt über den Ulrichsberg und Veitsberg auf den Lorenziberg.
Einst mit nackten Füßen und schweigend
Die oft angeführte Annahme, die Pilgerroute führe über die vier heiligen Keltenberge und vollziehe den Lauf der Sonne nach, ist mit geschichtlichen Zeugnissen nicht zu belegen. Erstmals wurde diese Wallfahrt über Magdalensberg, Ulrichsberg, Veitsberg und Lorenziberg um 1500 beschrieben: Der Geistliche und Historiker Ladislaus Sunthaym bereiste 1506 bis1511 die Steiermark und Kärnten und notierte, dass Frauen mit nackten Füßen schweigend über die vier Berge wandern.
Die Familien Gleismüller und Kaltenhauser, die in St. Veit lebten und den Dreinagelfreitag sehr ehrten, haben im 15. Jahrhundert die Kirchen am Helenenberg (heute Magdalensberg; Helena soll der Legende nach die Kreuzesnägel Christi gefunden haben – die Filialkirche ist beiden Heiligen geweiht) und Laurenziberg sanieren bzw. neu erbauen lassen. In derLaurentiuskirche ist auf dem Altaraufsatz das Drei-Nagel-Motivzu sehen.
Berglerlaub mitnehmen
Einer der Bräuche auf der Fußwallfahrt ist es, auf dem Weg Berglerlaub zu sammeln, das zu Hause seinen Schutz entfalten soll: Vom Magdalensberg wird Bärlapp („Krahfuaß“), vom Ulrichsberg Efeu, vom Veitsberg Fichte und vom Lorenziberg Wacholder mitgenommen. Es ist üblich, die Gotteshäuser dreimal zu umrunden.
Beliebt ist ein alter Heischebrauch: Die Kinder am Wegesrand bekommen von den Pilgern Zuckerln zugeworfen.
Der Weg ins Paradies
Fünf Heilige Messen und drei Andachten finden dabei statt. Wer den Vierbergelauf dreimal geschafft hat, soll damit die Tür zum Paradies aufgemacht haben, heißt es.
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