Pipeline stand still

Sabotage nahe Kärnten: Koordinierte Aktion?

Ausland
14.04.2026 12:08
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach der mutmaßlichen Sabotage an einem Strommast in Italien, der das Netz der auch für Österreich wichtigen Transalpine Ölpipeline speist, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Ein Zusammenhang mit dem vereitelten Anschlag auf eine Gaspipeline zwischen Serbien und Ungarn wird nicht ausgeschlossen.

Für die Ermittler besteht kein Zweifel daran, dass es sich um eine vorsätzliche Beschädigung der 132-kV-Stromleitung Tolmezzo-Paluzza des Netzbetreibers Terna in der norditalienischen Provinz Udine handelt. Die Infrastruktur versorgt vor allem das Pumpsystem der Transalpinen Ölleitung TAL, einer strategisch wichtigen Verbindung von Triest zu Raffinerien in Österreich, Deutschland und Tschechien. Der Schaden führte am 25. März zu einem vorübergehenden Stillstand der Anlage und zu einem dreitägigen Lieferstopp.

Keine Überwachungskameras im betroffenen Gebiet
Da es im betroffenen, abgelegenen Waldgebiet keine Überwachungskameras gibt, konzentrieren sich die Ermittlungen auf Satellitenaufnahmen, um den genauen Zeitpunkt der Beschädigung einzugrenzen, wie friaulische Medien berichteten. Entdeckt wurden sie am 25. März. Zudem werden Daten von Funkzellen analysiert, um mögliche Bewegungen von Mobiltelefonen in der Umgebung nachzuvollziehen.

Die TAL-Pipeline

Die Transalpine-Pipeline ist 753 Kilometer lang und seit 1967 in Betrieb. Sie transportiert Rohöl vom Hafen in Triest nach Deutschland, Österreich und in die Tschechische Republik. Versorgt werden Raffinerien der OMV, Bayernoil und Unipetrol (Tschechien), Gunvor und MiRO (beide Deutschland).

Erste Spurenauswertungen deuten auf ein gezieltes Vorgehen hin: An der Basis des Masts wurden Markierungen entdeckt, die offenbar die später durchtrennten Stellen kennzeichneten. Vermutlich kamen Spezialwerkzeuge wie Trennschleifer zum Einsatz. Die Ermittlungen werden von der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Triest in Zusammenarbeit mit Spezialeinheiten der Carabinieri geführt. Aufgrund der strategischen Bedeutung der Infrastruktur sind auch italienische Geheimdienste eingebunden und stehen im Austausch mit internationalen Partnern.

Beteiligung ausländischer Gruppen wird in Betracht gezogen
Im Fokus steht zudem ein mutmaßlicher Sabotageversuch an der Gaspipeline Balkanstream in Nordserbien in der Nähe der ungarischen Grenze, der vergangene Woche abgewendet wurde. Nach Angaben von Serbiens Präsidenten Aleksandar Vučić wurden dort Sprengsätze nahe der Leitung entdeckt. Die Ermittler schließen derzeit keine Hypothese aus – von einer isolierten Sabotagehandlung bis hin zu einer koordinierten Aktion. Auch eine Beteiligung organisierter Kriminalität oder ausländischer Gruppen wird in Betracht gezogen.

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