700.000 Stellen weg

Italien durchlebt Jobschwund in Kernindustrien

Wirtschaft
02.06.2026 16:11
Porträt von krone.at
Von krone.at

Italien hat in seinen Kernindustrien seit 2007 Hunderttausende Jobs verloren. Dies geht aus dem Jahresbericht des italienischen Statistikamtes Istat hervor, der die Entwicklung auf Basis der jährlichen Arbeitseinheiten analysiert. Das zeigt sich auch im Wirtschaftswachstum ...

Konkret heißt das: Die italienische Industrie hat zwischen 2007 und 2024 nahezu 700.000 Arbeitsplätze verloren. Der größte Einbruch wurde in der Textil- und Bekleidungsindustrie verzeichnet, wo 235.000 Arbeitsplätze verloren gingen – ein Rückgang von fast 40 Prozent.

Weitere traditionelle Industriezweige mit deutlichen Beschäftigungsverlusten sind die Holzindustrie, die Herstellung von nichtmetallischen Mineralprodukten sowie die Gummi- und Kunststoffverarbeitung. Diese Branchen stehen besonders unter dem Druck der Konkurrenz aus aufstrebenden Volkswirtschaften.

Rückläufig war die Beschäftigung auch im Handel, der rund 300.000 Arbeitsplätze einbüßte, sowie in der öffentlichen Verwaltung mit einem Minus von mehr als 225.000 Stellen. Demgegenüber entstanden in anderen Bereichen knapp zwei Millionen zusätzliche Arbeitsplätze.

Jobs wanderten in andere Zweige ab
Besonders stark wuchsen das Gesundheits- und Sozialwesen mit fast 500.000 zusätzlichen Beschäftigten. Mehr als 400.000 neue Arbeitsplätze wurden zudem sowohl in den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen als auch im Beherbergungs- und Gaststättengewerbe geschaffen.

Insgesamt ergibt sich damit ein positiver Beschäftigungssaldo von rund 600.000 Arbeitsplätzen. Nach Einschätzung des Istat hat Italien jedoch nicht lediglich Industriearbeitsplätze verloren, sondern seine Wirtschaftsstruktur grundlegend verändert. Ein erheblicher Teil der Beschäftigung verlagerte sich von der Industrie in arbeitsintensive Dienstleistungsbereiche, deren Produktivitätswachstum gering oder teilweise sogar negativ ausfiel.

Die Regierung um Giorgia Meloni (Mitte) steht vor riesigen Herausforderungen.
Die Regierung um Giorgia Meloni (Mitte) steht vor riesigen Herausforderungen.(Bild: EPA/FILIPPO ATTILI / CHIGI PALACE PRESS OFFICE / HANDOUT)

Diese Entwicklung habe zwar die Gesamtbeschäftigung gestützt, zugleich aber dazu beigetragen, dass das Produktivitätswachstum der italienischen Wirtschaft schwach geblieben sei.

Italien gilt nach Deutschland als das zweitstärkste Industrieland der EU, gemessen an der industriellen Wertschöpfung. Die italienische Industrie ist besonders stark in mittelständisch geprägten Branchen wie Maschinenbau, Automatisierungstechnik, Fahrzeugzulieferung, Chemie, Lebensmittelverarbeitung, Möbeln sowie Textil- und Modeindustrie.

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