Ach, übrigens...

Von Ceausescu bis Becali

Vorarlberg
12.04.2026 11:25

In seiner neuesten Kolumne hat sich „Krone“-Autor Harald Petermichl die Gewinner der Champions League und des Pokals der Landesmeister angeschaut und dabei bemerkt, dass die gar nicht aus so vielen verschiedenen Ländern kommen. Besonders ragte da der Erfolg von Steaua Bukarest heraus. Der zwar Helden hervorbrachte, aber erst durch Schurken möglich wurde.

Siebzigmal ist die Champions League bisher ausgespielt worden, wenn man den Vorgängerwettbewerb, den Europapokal der Landesmeister, mitzählt und in all den Jahrzehnten gab es lediglich zehn Länder, in denen man sich über einen Titelgewinn freuen konnte. Das wird sich bei der aktuellen Auflage nicht ändern, denn alle acht Viertelfinalisten kommen von einem dieser zehn Verbände. Mit PSG und Sporting Lissabon sind fast schon Exoten dabei, denn in Portugal und Frankreich konnte man bisher lediglich vier bzw. zwei Siege einfahren. Eine verschwindend geringe Quote im Vergleich zu Spanien (20) oder England (15). Wirklich exotisch wird es erst mit Schottland, Jugoslawien und Rumänien, die (noch zu Europapokalzeiten) je einmal den Cup holten, weshalb Celtic Glasgow, Roter Stern Belgrad und Steaua Bukarest ebenfalls in der Siegerliste zu finden sind.

Helmut Duckadam hielt alle Elfmeter und wurde zum Helden von Sevilla.
Helmut Duckadam hielt alle Elfmeter und wurde zum Helden von Sevilla.(Bild: zVg)

Wobei der Triumph von Steaua (der Stern) vor ziemlich genau 40 Jahren wohl für lange Zeit die größte Sensation in der Geschichte des Bewerbs bleiben wird. Man schrieb den 7. Mai 1986, als es im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán von Sevilla zum finalen Kräftemessen mit dem großen Favoriten FC Barcelona kam, an dessen Ende nach 120 torlosen Minuten ein 2:0 nach Elfmeterschießen stand. Ein ungewöhnliches Ergebnis, aber die beiden Torhüter hatten jeweils einen guten Tag erwischt. Zunächst hielten sowohl Urruti für Barcelona als auch Helmut Duckadam für Bukarest die ersten beiden Strafstöße, aber dann machte der Banater Schwabe Duckadam den Unterschied und hielt auch noch die nächsten beiden. Kein Wunder, dass der 2024 verstorbene Ehrenbürger von Bukarest bis heute als „Held von Sevilla“ gefeiert wird.

Zum Zeitpunkt seiner größten Erfolge galt der ursprüngliche Militärverein als Privatclub von Elena und Nicolae Ceaușescu, die praktischerweise ihren ältesten Sohn Valentin zum Manager machten und den Club mit allen erforderlichen Privilegien ausstatteten. Heute ist der Club längst privatisiert und firmiert unter dem Namen SC Fotbal Club FCSB SA. Eigentümer ist der mehrfach zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilte Unternehmer und Politiker George „Gigi“ Becali, der sich häufig durch Hetze gegen Homosexuelle und Leugnung des Holocausts hervortut. Vom „Spiegel“ wurde er 2010 wegen konsequenter Abwesenheit zum faulsten EU-Abgeordneten gekürt. Ein offizielles Amt im Verein bekleidet er nicht, tritt aber als Sprecher desselben auf und befindet darüber, wer zum Trainer bestellt wird. Weil Fußball und Politik bekanntlich nichts miteinander zu tun haben.

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