Iran dämpft Wirtschaft

Energieschock: Experten fordern härteres Sparpaket

Wirtschaft
10.04.2026 14:31

Die wirtschaftliche Lage Österreichs bleibt angespannt: Der Krieg im Iran, steigende Energiepreise und schwaches Wachstum bremsen die Konjunktur – gleichzeitig verschärft sich die Budgetlage deutlich. Neue Prognosen zeigen nicht nur geringere Wachstumschancen, sondern auch einen wachsenden Druck auf die Staatsfinanzen. Im Zentrum steht nun die Frage, wie stark die Regierung sparen muss.

Die Einschätzungen von WIFO und Institut für Höhere Studien bilden die Grundlage für die laufenden Verhandlungen über das Doppelbudget 2027/28 unter Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ).

Wachstum bleibt schwach – Energie als Bremsklotz
Die Konjunktur kommt nur langsam in Schwung. Für 2026 erwarten die Institute ein Wirtschaftswachstum zwischen 0,5 und 0,9 Prozent, für 2027 zwischen 0,8 und 1,3 Prozent. Damit bleibt die Erholung deutlich hinter früheren Aufschwungphasen zurück.

Laut WIFO-Chef Gabriel Felbermayr fehlen Milliarden – Österreich steht damit neuerlich vor einem ...
Laut WIFO-Chef Gabriel Felbermayr fehlen Milliarden – Österreich steht damit neuerlich vor einem Budgetloch.(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)

Als Hauptgrund nennen die Ökonomen die Unsicherheit rund um den Iran-Krieg. Die stark gestiegenen Energiepreise verteuern Produktion und Transport, während Unternehmen Investitionen verschieben und Haushalte beim Konsum vorsichtiger werden.

Inflation geht zurück – aber langsamer als erhofft
Auch bei der Teuerung gibt es nur eine zögerliche Entspannung. Zwar sinkt die Inflation weiter, sie bleibt aber über dem Zielwert der Europäische Zentralbank von 2 Prozent.

Für 2026 rechnen die Institute mit 2,7 bis 2,9 Prozent, für 2027 mit 2,3 bis 2,4 Prozent. Der Rückgang verläuft damit langsamer als noch vor wenigen Monaten erwartet – vor allem wegen der höheren Energiepreise.

Die Infografik zeigt die Wirtschaftsaussichten für Österreich im Jahr 2026 mit Prognosen von WIFO und IHS. Das Wirtschaftswachstum liegt laut WIFO bei 0,9 % und laut IHS bei 0,5 %. Die Inflation wird mit 2,7 % (WIFO) und 2,9 % (IHS) angegeben. Die Arbeitslosenrate beträgt 7,4 % (WIFO) und 7,5 % (IHS). Die Balkendiagramme zeigen, dass das Wirtschaftswachstum nach einem Rückgang 2023 wieder leicht steigt, die Inflation deutlich sinkt und die Arbeitslosenrate auf hohem Niveau bleibt. Quelle: WIFO/IHS.

Defizit hoch, Schulden steigen weiter
Auch die Budgetlage bleibt angespannt. Das gesamtstaatliche Defizit – also die Neuverschuldung von Bund, Ländern und Sozialversicherung – verharrt deutlich über der EU-Grenze von 3 Prozent. Konkret erwarten die Institute:

  • 2026: rund 4,1 bis 4,2 Prozent
  • 2027: nur leichter Rückgang auf etwa 4,0 bis 4,1 Prozent

Zum Vergleich: 2024 lag das Defizit bereits bei 4,7 Prozent. Österreich bleibt damit im EU-Defizitverfahren.

Teurer Sprit, schwache Wirtschaft – der Krieg im Iran bremst den Aufschwung hierzulande wieder ...
Teurer Sprit, schwache Wirtschaft – der Krieg im Iran bremst den Aufschwung hierzulande wieder ein.(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com)

Parallel steigt die Staatsverschuldung weiter an und könnte bis 2027 auf rund 85 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern.

Ökonomen fordern größeres Sparpaket
Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf die Politik deutlich. Beide Institute sehen zusätzlichen Konsolidierungsbedarf. Besonders klar formuliert es das IHS: Das geplante Sparpaket von rund zwei Milliarden Euro reiche nicht aus – es müsse „besser größer ausfallen“.

Neben Einsparungen werden auch tiefgreifende Reformen gefordert, etwa im Föderalismus oder im Gesundheitssystem. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr betont ebenfalls die Notwendigkeit eines konsequenten Sparkurses, verweist aber gleichzeitig darauf, dass der Staat in Krisen handlungsfähig bleiben müsse.

Regierung unter Zugzwang
Finanzminister Marterbauer bestätigt selbst zusätzlichen Konsolidierungsbedarf über die bereits geplanten Maßnahmen hinaus. Die Regierung halte zwar am Sanierungskurs fest, doch die Rahmenbedingungen hätten sich verschlechtert: schwächeres Wachstum und höhere Inflation erschweren die Budgetziele zusätzlich.

Die neuen Prognosen sind nun zentrale Grundlage für die Verhandlungen über das Doppelbudget 2027/28. Klar ist: Ohne zusätzliche Maßnahmen wird es schwierig, wieder unter die EU-Defizitgrenze zurückzukehren.

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