Die wirtschaftliche Lage Österreichs bleibt angespannt: Der Krieg im Iran, steigende Energiepreise und schwaches Wachstum bremsen die Konjunktur – gleichzeitig verschärft sich die Budgetlage deutlich. Neue Prognosen zeigen nicht nur geringere Wachstumschancen, sondern auch einen wachsenden Druck auf die Staatsfinanzen. Im Zentrum steht nun die Frage, wie stark die Regierung sparen muss.
Die Einschätzungen von WIFO und Institut für Höhere Studien bilden die Grundlage für die laufenden Verhandlungen über das Doppelbudget 2027/28 unter Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ).
Wachstum bleibt schwach – Energie als Bremsklotz
Die Konjunktur kommt nur langsam in Schwung. Für 2026 erwarten die Institute ein Wirtschaftswachstum zwischen 0,5 und 0,9 Prozent, für 2027 zwischen 0,8 und 1,3 Prozent. Damit bleibt die Erholung deutlich hinter früheren Aufschwungphasen zurück.
Als Hauptgrund nennen die Ökonomen die Unsicherheit rund um den Iran-Krieg. Die stark gestiegenen Energiepreise verteuern Produktion und Transport, während Unternehmen Investitionen verschieben und Haushalte beim Konsum vorsichtiger werden.
Inflation geht zurück – aber langsamer als erhofft
Auch bei der Teuerung gibt es nur eine zögerliche Entspannung. Zwar sinkt die Inflation weiter, sie bleibt aber über dem Zielwert der Europäische Zentralbank von 2 Prozent.
Für 2026 rechnen die Institute mit 2,7 bis 2,9 Prozent, für 2027 mit 2,3 bis 2,4 Prozent. Der Rückgang verläuft damit langsamer als noch vor wenigen Monaten erwartet – vor allem wegen der höheren Energiepreise.
Defizit hoch, Schulden steigen weiter
Auch die Budgetlage bleibt angespannt. Das gesamtstaatliche Defizit – also die Neuverschuldung von Bund, Ländern und Sozialversicherung – verharrt deutlich über der EU-Grenze von 3 Prozent. Konkret erwarten die Institute:
Zum Vergleich: 2024 lag das Defizit bereits bei 4,7 Prozent. Österreich bleibt damit im EU-Defizitverfahren.
Parallel steigt die Staatsverschuldung weiter an und könnte bis 2027 auf rund 85 Prozent der Wirtschaftsleistung klettern.
Ökonomen fordern größeres Sparpaket
Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf die Politik deutlich. Beide Institute sehen zusätzlichen Konsolidierungsbedarf. Besonders klar formuliert es das IHS: Das geplante Sparpaket von rund zwei Milliarden Euro reiche nicht aus – es müsse „besser größer ausfallen“.
Neben Einsparungen werden auch tiefgreifende Reformen gefordert, etwa im Föderalismus oder im Gesundheitssystem. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr betont ebenfalls die Notwendigkeit eines konsequenten Sparkurses, verweist aber gleichzeitig darauf, dass der Staat in Krisen handlungsfähig bleiben müsse.
Regierung unter Zugzwang
Finanzminister Marterbauer bestätigt selbst zusätzlichen Konsolidierungsbedarf über die bereits geplanten Maßnahmen hinaus. Die Regierung halte zwar am Sanierungskurs fest, doch die Rahmenbedingungen hätten sich verschlechtert: schwächeres Wachstum und höhere Inflation erschweren die Budgetziele zusätzlich.
Die neuen Prognosen sind nun zentrale Grundlage für die Verhandlungen über das Doppelbudget 2027/28. Klar ist: Ohne zusätzliche Maßnahmen wird es schwierig, wieder unter die EU-Defizitgrenze zurückzukehren.
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