Wiener Kammerspiele

„Leonce und Lena“: Zertrümmert und festgeklebt

Kultur
10.04.2026 09:48

Die große Josefstadt-Ära Föttinger ist nah am Finale. An den Wiener Kammerspielen misslingt leider jedoch Georg Büchners Komödienwunder „Leonce und Lena“ mit Sandra Cervik und Michael Dangl in den Hauptrollen.

Solch ein schweres, übellauniges, morbides Semifinale einer großen Ära, die dem gesamten Wiener Theater öfter als einmal die Ehre gerettet hat! Viel ist Herbert Föttinger in seinen 20 Direktionsjahren nicht misslungen. Gewiss aber das Ansinnen, die Kammerspiele zum Schauplatz dekonstruierter Klassiker umzuwidmen. Zuletzt sah man dort wieder geglückten Qualitätsboulevard. Aber für die Abschiedsproduktion wollte es der Direktor nochmals wissen, und die Aussichten schienen gut: Der Regisseur Torsten Fischer hat am Haus überzeugende Brecht- und Steinbeck-Produktionen gefertigt.

Für „Leonce und Lena“ allerdings wählt er den falschen Weg. Dieses Wunder einer Komödie vereint beispiellos Dekadenz und Zuversicht, politische Skepsis und poetische Entrückung. Der 23-jährige Büchner klopfte mit dem Märchen vom Prinzen und der Prinzessin schon am Absurden Theater an. Und anders als in Goethes „Märchen“ – das liest sich wie eine Drogenfantasie der frühen Beatles, ist aber in Wahrheit ein perfekt konstruiertes rosenkreuzerisches Lehrstück – schwebt hier tatsächlich alles frei.

Nicht in den Kammerspielen, deren Bühne Herbert Schäfer leergeräumt hat. Statt den Text vom Boden zu bringen, wird er dort in Trümmern festgeklebt. Fischer verlegt die Ereignisse in ein Künstleraltersheim und hat dazu eine banale Rahmenhandlung gestrickt. Zwecks Umsetzung schminken sich die Spätfünfziger Michael Dangl und Sandra Cervik gekonnt um 20 Jahre älter, um im Verlauf wieder ihr reales Alter zu erreichen. Nur das Ziel der Anstrengungen bleibt unscharf. Im surrealen, streng ritualisierten Gesamtbild verausgaben sich ferner Tonio Arango (Valerio), Marcus Bluhm (König), Susanna Wiegand als Gouvernante und sieben betagte Komparsen, teils in Strapsen.

Der Beste des Abends ist der Geiger Aliosha Biz. Er zaubert mit dem Akkordeonisten Krzysztof Dobrek poetische Miniaturen, deren Funktion sich aber so wenig erschließt wie die Aufführung insgesamt. Am 29. April geht es mit einer Turrini-Premiere auch im großen Haus zu Ende.

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