Theater an der Wien

Barocker Opernspaß: Frauen sind nicht erlaubt!

Kultur
10.04.2026 07:00

Zwei Sopranisten und drei Countertenöre mischen für Leonardo Vincis „Alessandro nell’Indie“ ab Freitag, 10. April, das Theater an der Wien auf. Wir haben das Quintett vor der Premiere zum Interview getroffen! 

Fast 300 Jahre blieb Leonardo Vinics Oper „Alessandro nell’Indie“ unaufgeführt, bis sie Max Emanuel Cencic für das Bayreuth-Baroque-Festival ausgrub. Der Riesenerfolg kommt jetzt nach Wien. Besetzt wie zur Uraufführungszeit in Rom nur mit Männern, wo Frauen auf der Bühne verboten waren: Zwei Sopranisten, drei Countertenöre und ein Tenor singen die zwei Frauen- und vier Männerrollen.

„Krone“: Wer kann von Ihnen fünf am höchsten singen? 
Maayan Licht: Die zwei (zeigt auf die Sopranisten Bruno de Sá und Dennis Orellana). 
Bruno de Sá: Bis zum F. An guten Tagen schaffe ich ein G, aber darauf kann man auf der Bühne nicht zählen.

Und Sie sind der Zweite?
Dennis Orellana: Wahrscheinlich. Meine höchste Note ist ein Es. Das kommt am sichersten. 
De Sá: Die eine Sache ist, die Töne zu treffen, was man im Grunde leicht schafft, wenn man schreit. Die andere Sache ist, die Töne zu singen. Das heißt, sie auf der Bühne schön zu gestalten, wobei man die Kontrolle über die dynamische Artikulation behält.

Die tiefsten Noten haben Sie? 
Nicholas Tamagna: Ich glaube, ich singe sogar noch tiefer als der Tenor. Ich bin dafür bekannt, dass ich die Bruststimme einbeziehe und durch die Mittellage nach oben gehe. Das ist mein Markenzeichen geworden.

Bruno de Sá
Bruno de Sá(Bild: Copyright Laure Bernard)
Dennis Orellana
Dennis Orellana(Bild: Manuel Macías )
Maayan Licht
Maayan Licht(Bild: Jos Kuklewski)
Jake Arditti
Jake Arditti(Bild: Andrew Staples)
Nicholas Tamagna
Nicholas Tamagna(Bild: Dario Acosta)

Und wer mag den Tenor? 
De Sá: 
Er ist definitiv die größte Diva in der Gruppe. 
Tamagna: Das muss er bei uns auch sein. Aber wir lieben unseren Tenor!

Wer hat die schönsten Kostüme? 
De Sá: Ich bin die Lady! Ich trete hinter meinen Kostümen ganz in den Hintergrund. Unsere Kostüme sind alle wunderschön. 
Licht: Wir lieben Giuseppe (Kostümbildner Giuseppe Palella, Anmerkung). Tamagna: Ein Genie! Wir haben eine ganze Menge an Kostümen.

Wie viele? 
Orellana: Ich habe drei. 
De Sá: Ich habe fünf. Ich bin die Königin. 
Licht: Ja, fünf Kostüme und drei Sets an künstlichen Brüsten!

Wer singt die schwierigste Arie? 
Orellana: Alle Arien sind auf ihre Weise ziemlich anspruchsvoll. Teilweise wahnsinnig schnell. Das kann sehr anstrengend sein. Sowohl körperlich als auch mental. Kurz vor der Arie denkt man sich: Okay, jetzt geht’s los. 
De Sá: Womit wir aber definitiv am meisten zu kämpfen haben, ist die riesige Unmenge an Text. 
Tamagna: Ich habe seitenlange Monologe. 
Orellana: Die Herausforderung ist, in einer so langen Oper von Anfang bis Ende die Konzentration aufrechtzuerhalten. Man kann alles auswendig lernen und jeden Tag viel üben, aber wenn man in nur einer Szene die Konzentration verliert, vergisst man den Text. 
De Sá: Als ich mir meine Szenen in den Noten markiert habe, bin draufgekommen, dass ich über 40 Szenen habe.

Sympathisches Quintett: Nicholas Tamagna, Dennis Orellana, Bruno de Sá, Maayan Licht und Jake ...
Sympathisches Quintett: Nicholas Tamagna, Dennis Orellana, Bruno de Sá, Maayan Licht und Jake Arditti (v. li. n. re.)(Bild: Imre Antal)

Aber gibt es Hilfe, Tricks, Monitore? 
Licht: Wir schreiben alles hier auf. (Zeigt auf seine Arme, alle lachen)
Orellana: Ich habe das sogar schon einmal bei einer Probe gemacht!

Es gibt keinen Souffleur? 
Licht: Nein. Die sind echt geizig mit uns.

Was macht man, wenn man aussteigt? 
Jake Arditti: Wir versuchen, uns gegenseitig zu helfen. Wenn man also merkt, dass jemand stockt, dann singe ich einfach meine nächsten Zeilen. 
De Sá: Aber wenn man natürlich mitten in einem Monolog ist…? 
Licht: Dann sing einfach ein hohes F! 
Arditti: Unser italienischer Kollege Nicholas ist hier sehr hilfreich. 
Tamanga: Ja. Es ist ein Vorteil mit Italienisch als Muttersprache. Wenn mir das Wort nicht einfällt, weiß ich zumindest, was in der Szene passiert. Also kann ich mir meistens etwas Ähnliches ausdenken. 
Arditti: Und er merkt natürlich sofort, wenn wir Kauderwelsch singen.

Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag, 10. April, ...
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag, 10. April, im Theater an der Wien.(Bild: Marco Sommer)
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater ...
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater an der Wien.(Bild: Marco Sommer)
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater ...
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater an der Wien.(Bild: Marco Sommer)
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater ...
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater an der Wien.(Bild: Marco Sommer)
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater ...
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater an der Wien.(Bild: Marco Sommer)
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater ...
Szene aus „Alessandro nell’Indie“ vom Barockkomponisten Leonardo Vinci – ab Freitag im Theater an der Wien.(Bild: Marco Sommer)

Und wer hat die schönste Arie? 
De Sá: Oh Gott. Ich traue mich das kaum, das zu sagen, aber das ist... (alle zeigen auf ihn)… meine. Bei dieser Arie der Cleofide habe ich einen der unglaublichsten Momente meiner Karriere erlebt. Damals habe ich gespürt, wie die Zeit stillstand. Und am Ende sind die Leute total ausgeflippt. Das war ziemlich bewegend. 
Arditti: Nur fürs Protokoll: Ich habe als Erissena sogar drei sehr schöne Arien. 
Tamgana: Blöderweise muss ich bei Cleofides Arie die ganze Zeit auf der Bühne stehen. Sie singt etwa 12 Minuten lang, und ich bin ganz berührt, weil es so schön ist, muss aber so tun, als ob ich mir wünsche, dass sie endlich abtritt.
De Sá: Mir ist gerade eine Frage eingefallen, die ich aus Neugier für Euch und natürlich für mich selbst stellen möchte: Welche Eigenschaften Eurer Figur findet Ihr in Euch selbst und welche Eigenschaften von Euch findet Ihr in Eurer Rolle?
Orellana: Ich glaube, ich bin ganz, ganz anders als Poro. Er ist ein indischer König und wurde von Allesandro besiegt. Er kämpft mit seiner Eifersucht, weil Cleofide vorgibt, in Alessandro verliebt zu sein, oder es auch irgendwann ist. Ich bin also nicht so. Es ist ein Abenteuer für mich, jemanden darzustellen, der oft Male wütend ist und deutlich sagt, was er nicht mag.
Tamagna: Ich bin in den meisten Rollen, die ich spiele, gegen meine eigene Natur besetzt. Meistens bin ich der schreiende, aggressive Typ. So bin ich eigentlich nicht. Aber ich denke manchmal, so kann ich etwas ausdrücken, was doch in mir steckt. Aber ich denke, der Teil an Timagene, mit dem ich mich am ehesten identifizieren kann, ist, dass er weiß, wann er still sein muss.

De Sá: Ich denke, dass sehr viel Cleofide in mir steckt. Ich glaube, ich habe ebenfalls oft dieses freundliche Gesicht, aber ich weiß sehr genau, worauf ich mich einlasse, was ich spiele. Okay, ich bin Brasilianer, also muss es leidenschaftlich sein. Aber in allem, was ich tue, ob beruflich oder nicht, steckt viel Rationalität. Ich sage nicht, dass ich manipuliere, aber ich weiß sehr genau, wie ich überleben und meine Interessen schützen kann. Was ich an Cleofide liebe, ist, dass sie trotz aller Rationalität ihre Emotionen behält. Sie empfindet Wut, Traurigkeit, Glück, Eifersucht. Und ich glaube, das lerne auch ich seit einigen Jahren: meine eigenen Gefühle anzunehmen und den Preis dafür zu zahlen, wenn es nötig ist.

Arditti (der nicht berichten will, wie viel von Erissena, Poros Schwester, in ihm steckt): Herr Licht?
Licht: Ich glaube, ich bin ein sehr ausgelassener Mensch. Also, ja, ich mache gerne Spaß und tobe in diesem Stück als Alessandro herum. Ich glaube auch, dass ich diesen Gegensatz in mir habe, zwischen das Leben nicht zu ernst und doch ernst zu nehmen. Ich bin ein fleißiger Mensch, ich kenne meine Ziele und mir liegen meine Lieben am Herzen.

Wo liegen die Stärken der Inszenierung? 
De Sá: Die Stärke der Inszenierung von Max Emanuel Cencic ist, dass er all diese Momente zu nutzen weiß, um den Szenen eine große Vielfalt zu verleihen. Man hat eher ruhige Momente, in denen das Publikum in diese Welt eintaucht. Es gibt die Momente mit Tanz, die unglaublich sind. All diese verschiedenen Blickwinkel auf der Bühne spiegeln auch die Vielfalt der Musik wider. 
Tamagna: Es ist interessant, wie Cencic mit dem Kontrast zwischen der Musik und dem emotionalen Subtext spielt. Und davon gibt es eine Menge. Selbst die schönsten Momente haben etwas leicht Komisches oder nicht ganz so Schönes, um zu zeigen, dass alles Schöne auch eine hässliche Seite hat.

Wie viel Komik steckt in dieser Oper? 
Arditti: Das ganze Stück ist ein absoluter Spaß. Es ist urkomisch. Es ist großartig. Dennoch gibt es diese Gegenüberstellung von Komödie und Drama. In den zärtlichen Momenten, genauso in den dramatischen Momenten, überrascht es einen und trifft einen ziemlich hart.

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