Opulente Show

Bartoli feiert Bartoli und Salzburg liegt zu Füßen

Salzburg
25.05.2026 21:00
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Mit ihrer opulenten Show „Ciao, bella Ciao“ bewies die Pfingstfestspielchefin einmal mehr, warum ihr in Salzburg zwischen Oper, Glamour und Selbstironie kaum jemand das Wasser reichen kann.

Andere Sängerinnen hätten vermutlich ein Jubiläumskonzert gegeben. Cecilia Bartoli macht aus ihrem „Runden“ ein Gesamtereignis. So feierte sie am Sonntagabend im Großen Festspielhaus nicht nur ihren bevorstehenden 60. Geburtstag, sondern gleich auch ihre eigene Kunstfigur. Das war charmant, selbstironisch, hemmungslos opulent und erstaunlich persönlich.

„Ciao, bella ciao“ war weniger klassische Operngala, wie man es aus den Vorjahren kennt, sondern eine zweistündige Selbstrevue zwischen Familienalbum, Fernsehshow und musikalischer Zeitreise. Bartoli stand praktisch pausenlos auf der Bühne und sang, tanzte, scherzte und erinnerte sich zugleich.

Bartoli mit Kinderschauspielerin
Bartoli mit Kinderschauspielerin(Bild: SF/Monika Rittershaus)

Das Publikum war dabei vom ersten Moment an Feuer und Flamme. Gemeinsam mit Regisseur Davide Livermore verwandelte die Sängerin das Festspielhaus in eine riesige Showbühne. Ein Fernsehteam führte als Rahmenhandlung durch den Abend und Bartoli erzählte ihre Karriere anhand von Erinnerungen, Funfacts und Musiknummern. Statt großer Opernarien dominierten Canzoni, Revuesongs, Musicalnummern und italienischer Pop, flankiert von Tänzern, Videowelten und ständig wechselnden Choreografien.

Das hätte leicht in pompösen Kitsch kippen können. Tat es aber nicht. Gerade weil Bartoli genau weiß, wie weit sie gehen darf. Livermores Regie fand jene Balance zwischen Show und Musik, die man bei manch anderer Festspielproduktion zuletzt schmerzlich vermisst hatte. Hier wurde die Musik nie vom Spektakel erdrückt, sondern gehoben.

Bartoli im modernen Glitzer-Dirndl
Bartoli im modernen Glitzer-Dirndl(Bild: SF/Monika Rittershaus)

Der Abend begann bei der kleinen Cecilia in Rom, die bereits als neunjähriges Mädchen den Hirtenknaben in „Tosca“ sang. Archivaufnahmen früher Fernsehauftritte sorgten ebenso für Szenenapplaus wie die vielen privaten Geschichten dazwischen: die strenge Nonnenschule, ein Schreibmaschinenkurs vor der Gesangskarriere, panische Flugangst oder der Moment, als Bartoli am Tag des Mauerfalls ahnungslos in einem Berliner Tonstudio saß.

Besonders berührend wurde eine Szene rund um ihre Mutter, die selbst Opernsängerin war. Als eine alte „Traviata“-Aufnahme eingespielt wurde und die mittlerweile 90-Jährige im Publikum aufstand, hielt es plötzlich den ganzen Saal nicht mehr auf den Sitzen.

Überhaupt liegt Bartolis große Stärke genau dort: Sie nimmt sich nie zu ernst. Trotz Weltkarriere, Starkult und Opernruhm wirkt bei ihr nichts überheblich. Selbst dann nicht, wenn sie sich sichtbar selbst feiert. Und nach einer Karriere wie dieser sei ihr das durchaus auch einmal gegönnt.

Den emotionalsten Moment setzte jedoch ein Lied für ihren verstorbenen Bruder, bei dem Bartoli sichtbar um Fassung rang. Und ganz am Ende erinnerte sie mit Bellinis „Casta Diva„ daran, dass hinter all dem Glamour immer noch eine außergewöhnliche Sängerin steht.

Standing Ovations, Jubel, Bravorufe. Wieder einmal bewies Bartoli, warum sie die unangefochtene Königin der Pfingstfestspiele geworden ist: Weil sie Hochkultur und Unterhaltung so mühelos verbindet wie kaum jemand sonst. Und weil man bei ihr immer spürt, dass sie dieses Festival von Herzen liebt.

Larissa Schütz

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