Kaufverhalten geändert

Europäer rüsten sich für noch schlechtere Zeiten

Wirtschaft
09.04.2026 07:15
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Iran-Krieg hat zu der finanziellen Verunsicherung in Europa weiter beigetragen. In jüngsten Untersuchungen konnte bereits jetzt eine deutliche Veränderung des Konsumverhaltens festgestellt werden. Verbraucher kaufen seit der Eskalation im Nahen Osten strategischer ein, um das Nötigste bezahlen zu können.

Über steigende Kosten für Energie, Düngemittel und Logistik wirkt sich der Konflikt direkt auf europäische Haushalte aus, wie aus der Auswertung des Marktforschungsinstituts YouGov hervorgeht. Dies zwinge Verbraucherinnen und Verbraucher zu Veränderungen. Die Analyse fasst mehrere Umfragen und Auswertungen zusammen.

Dauerhafte Preisvorsicht in Europa
Seit Beginn der Lebenshaltungskostenkrise im Jahr 2022 verharre die Preisvorsicht von Verbrauchern auf einem hohen Niveau. „Krisen und Kriege, wie der Iran-Konflikt oder der Ukraine-Krieg, verstärken strukturelle Veränderungen im europäischen Konsumgütermarkt“, sagte Stefan Lohmann, Senior Consultant bei YouGov laut Mitteilung.

„Aktuell steigende Kosten treffen auf ein Konsumumfeld, das bereits durch anhaltende Inflation geprägt ist.“ Verbraucher reagierten darauf nicht mit abruptem Verzicht, sondern mit einer zunehmend differenzierten und selektiven Steuerung ihres Einkaufsverhaltens.

Österreicher sind dem Iran-Krieg und seinen Konsequenzen ausgeliefert.
Österreicher sind dem Iran-Krieg und seinen Konsequenzen ausgeliefert.(Bild: Malena Brenek/APA/Georg Hochmuth/KroneKREATIV)

Viele Verbraucher in Europa rechnen laut Analyse damit, auf absehbare Zeit Einschnitte vornehmen zu müssen – insbesondere jene, die bereits zuvor ihr Budget anpassen mussten. Diese Erwartung wirke als zusätzlicher Treiber für Preisbewusstsein und Zurückhaltung beim Konsum. Hierzu wurden zwischen dem 11. und dem 25. März mehr als 8000 Erwachsene in sechs europäischen Ländern befragt. Die Ergebnisse sind den Angaben nach repräsentativ für die Wohnbevölkerungen der jeweiligen Länder ab 18 Jahren.

Gleichzeitig zeige sich, dass die Belastung durch steigende Lebenshaltungskosten bei vielen bereits im Alltag angekommen ist: In mehreren europäischen Ländern berichten Haushalte demnach zunehmend von Schwierigkeiten, zentrale Ausgaben wie Energie, Mobilität und Lebensmittel zu stemmen.

Die Infografik zeigt die wichtigsten politischen Ereignisse im Iran von 1979 bis 2026. Die islamische Revolution 1979, der Iran-Irak-Krieg und die Geiselnahme in der US-Botschaft prägen die Anfangsjahre. 1989 stirbt Ayatollah Khomeini, 2002 wird Iran von den USA als Teil der 'Achse des Bösen' bezeichnet. 2015 wird ein Atomabkommen geschlossen, das 2018 von den USA aufgekündigt wird. 2022 kommt es zu Massenprotesten nach dem Tod von Mahsa Amini. 2025 und 2026 sind von Kriegen mit den USA und Israel sowie weiteren Massenprotesten gegen das Regime geprägt. Quelle: APA.

NEOS-Chefin und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger erklärte zuletzt, dass bei einem weiteren Andauern des Konflikts eine Krise „schlimmer als in den 1970ern“ droht. 1973 und 1979/1980 löste die „Ölkrise“ und die dadurch bedingte Energiekrise schwere Rezessionen in den Industrieländern aus.

Angst vor historischer Negativspirale
Da aus der Region nun aber nicht nur Öl und Gas komme, sondern auch zahlreiche Grundstoffe etwa für die Chipproduktion und Düngemittel, warnte die Außenministerin nicht nur vor verheerenden wirtschaftlichen Folgen auf der Welt, sondern auch vor einer gravierenden Hungerkrise, von der vor allem der globale Süden betroffen sei.

Meinl-Reisinger zufolge steht „unser Wohlstand auf dem Spiel, in einer Dimension, wie sie noch nie da gewesen ist“. Hierzulande drohe wegen der Inflation ein Hochschnellen der Preise, weltweit seien wegen einer möglicherweise bevorstehenden Ernährungskrise ein erneutes Ansteigen des Migrationsdrucks zu befürchten.

Es sei eben leichter, Kriege zu beginnen, als diese zu beenden, weshalb alle diplomatischen Bemühungen nötig seien, um die Konflikte im Nahen Osten, in der Golfregion und in der Ukraine zu beenden.

Eine Feuerpause zwischen dem Iran und den USA sorgte zuletzt für eine kurze Atempause, doch beide Parteien warfen sich noch vor den ersten Verhandlungen Vertragsbruch vor. Angriffe in der Region gehen weiter, die Schifffahrt in der Straße von Hormuz ist wieder gestoppt.

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