Im Untersuchungsausschuss rund um das Ableben des ehemaligen Sektionschefs Christian Pilnacek wurde am Mittwochnachmittag der Bezirkspolizeikommandant von Krems befragt. In seinem Eingangsstatement verteidigte der Polizist das Vorgehen seiner Kolleginnen und Kollegen am Fundort – und kritisierte die öffentliche Debatte.
Der Polizeibeamte P. hatte an jenem Tag Postenkommandantin S. sowie weitere Kriminalbeamte aus Krems zum Fundort hingeschickt, war aber selbst nicht vor Ort gewesen. Er habe von seinem Vorgesetzten am Telefon erfahren, dass es sich bei der Leiche um Pilnacek gehandelt habe: „Da es sich bei Herrn Magister Pilnacek um Person des öffentlichen Interesses handelte, rechnete ich mit medialem Interesse und möglicherweise auch Reportern vor Ort.“ Ein Beamter sei daher seiner Auffassung nach „zu wenig“ gewesen.
„Neun Millionen Super-Tatortspezialisten“
In seinem Eingangsstatement verteidigte der Polizist zudem die Arbeit am Fundort: „Die Beamtinnen und Beamten haben ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt, ich habe volles Vertrauen.“ Er kritisierte die öffentliche Diskussion, die „zu einem erheblichen Vertrauensverlust in die Polizei geführt“ hatte: „Aber das ist, wie wenn das ÖFB-Team spielt. Da haben wir dann neun Millionen Teamchefs. Jetzt haben wir auf einmal neun Millionen Super-Tatortspezialisten.“ Prinzipiell arbeitet die Exekutive unabhängig und korrekt: „Wir sind keine willfährigen Adlaten im Dienst irgendeiner politischen Partei.“
Die Polizeibeamtin S. habe er deswegen an den Fundort geschickt, „um ein Abarbeiten gemäß den Richtlinien sicherzustellen und weil sie Ortskenntnis hat“. Wie beurteile er rückblickend die Arbeit am Fundort, will ÖVP-Abgeordnete Maria Neumann wissen: „Soweit ich das mitbekommen habe, ist alles nach den Vorschriften und Bestimmungen abgelaufen.“
„Checklisten und Formulare als Richtschnur“
Auf welcher Basis beurteile er das, will Nina Tomaselli (Grüne) wissen? „Aufgrund der nachfolgenden Abläufe, der Gutachten der Gerichtsmedizin“, antwortet der Polizist. Für ihn sei die Sache danach „erledigt gewesen“. Pilnaceks Geisterfahrt sei zum Zeitpunkt des Leichenfundes jedenfalls noch kein Thema gewesen, er habe das als Information auch nicht weitergegeben.
SPÖ-Fraktionsführer Kai Jan Krainer fragt dann nach den Formularen, die am Fund- oder Tatort nur teilweise ausgefüllt wurden bzw. erst im Nachgang: „Wir haben viele Formulare und Checklisten, das sehe ich als Richtschnur, aber nicht als Muss“, antwortet der Polizeibeamte. Von Vorgesetzten oder sogar vonseiten des Innenministeriums sei er mit diesen Versäumnissen nicht konfrontiert worden.
Im April 2025 Pilnacek-Akt gelesen
Dass er im April 2025, wie aus den Logfiles hervorgeht, den Akt gelesen habe, kann der Bezirkskommandant sogar erklären: „Da ging es um eine sehr umfangreiche Anfragebeantwortung der Volksanwaltschaft.“ Er habe sich nur elektronische Dienstakten angesehen, wer damals dort war.
Die fehlenden Thermometer für Wasser- und andere Temperaturmessungen sind ebenfalls wieder Thema. Seiner Erfahrung waren diese auch „in früheren Zeiten“ nicht vorhanden. Dass im Formular für Wasserleichen diese Werte eigentlich auszufüllen seien, dazu könne er nichts sagen: „Ich bin kein Tatortspezialist.“
Dass es sich um einen Suizid gehandelt haben soll, habe er am Tag des Leichenfundes so definitiv nicht gehört, antwortet der Polizist auf die Frage von FPÖ-Abgeordneter Elisabeth Heiß: „Es stand nur im Raum, dass Fremdverschulden auszuschließen ist.“ Es habe allerdings später an diesem Tag noch ein kurzes Gespräch mit der Polizistin S. gegeben, da sei das auch schon erwähnt worden. Da habe ihn S. auch über die Tätigkeiten am Fundort informiert, soweit er sich erinnern könne.
Das Thema Suizid generell habe er aber zuerst „aus den Medien“ mitbekommen. Es sei „immer wieder zu beobachten“, dass sich derartige Informationen relativ schnell außerhalb der Dienstkette verbreiten, antwortet der Polizist auf die Frage von NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke.
Die Umstände rund um Pilnaceks Tod sind bis heute fraglich, das jüngste Gutachten bestätigt zwar den Ertrinkungstod, schließt aber auch einen Unfallhergang nicht gänzlich aus. Auch der Zeitpunkt des Todes sei nicht mehr exakt feststellbar, da die Messungen der Wasser- und Körpertemperatur fehlen.
IT-Techniker bestritt Manipulation
Am Vormittag war ein IT-Techniker befragt worden, der eine Zeit lang mit dem privaten Laptop des verstorbenen Spitzenbeamten Pilnacek beschäftigt war. Er hatte jegliche Manipulation bestritten. Am Donnerstag geht es weiter mit Martin Kreutner, dem Leiter der von der damaligen Justizministerin Alma Zadic eingesetzten Untersuchungskommission sowie einer ehemaligen Mitarbeiterin des Büros vom Wolfgang Sobotka, die mit Pilnacek Stunden vor seinem Tod in einem Wiener Lokal zusammengetroffen war.
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