Wer länger arbeiten soll, muss auch länger gesund bleiben – doch genau daran hapert es für viele Beschäftigte. Eine aktuelle Analyse zeigt nun, dass die Belastungen im Berufsleben alles andere als gleich verteilt sind – und das könnte die Debatte um ein höheres Pensionsantrittsalter neu anheizen.
Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut hat anlässlich des Weltgesundheitstages die Arbeitsbelastung in Österreich untersucht. Das Ergebnis: Körperliche Belastungen sind sozial ungleich verteilt, und auch die Krankenstände steigen mit zunehmendem Alter deutlich an. Diese Realität dürfe bei Diskussionen über ein höheres Pensionsantrittsalter nicht ausgeblendet werden.
Deutliche Unterschiede je nach Bildungsgrad
Laut Daten aus dem österreichischen Gesundheitsbericht sind Beschäftigte ohne Matura deutlich häufiger körperlichen Belastungen ausgesetzt. Während höher Gebildete vor allem unter intensiver Bildschirmarbeit leiden – 48 Prozent berichten von starker Augenbelastung -, sind Arbeitnehmer mit Pflichtschul-, Lehr- oder BMS-Abschluss überproportional von klassischer körperlicher Arbeit betroffen.
So geben 40 Prozent der Beschäftigten mit niedriger oder mittlerer Bildung an, regelmäßig monotone Hand- oder Armbewegungen auszuführen. Unter höher Gebildeten liegt dieser Anteil bei 25 Prozent.
Auch beim Heben schwerer Lasten zeigen sich klare Unterschiede: Mehr als ein Drittel der Beschäftigten mit maximal Pflichtschulabschluss (37 Prozent) oder Lehr-/BMS-Abschluss (36 Prozent) ist davon betroffen. Bei höher Gebildeten sind es lediglich 12 Prozent.
Unfallrisiko und Krankenstände steigen
Neben körperlichen Belastungen ist auch das Unfallrisiko ungleich verteilt. Rund 30 Prozent der Beschäftigten mit niedriger oder mittlerer Bildung berichten von erhöhten Unfallgefahren im Job. Bei höher Gebildeten betrifft das nur etwa jede zehnte Person.
Mit zunehmendem Alter verschärft sich die Situation zusätzlich. Daten aus dem Fehlzeitenreport des WIFO zeigen, dass die Krankenstandsquote deutlich steigt: Während Beschäftigte mittleren Alters rund vier Prozent ihrer Arbeitszeit im Krankenstand sind, liegt der Anteil bei den 60- bis 64-Jährigen bereits bei 7,5 Prozent bei Männern und 8,5 Prozent bei Frauen. Damit ist die Quote mehr als doppelt so hoch wie bei den 45- bis 49-Jährigen.
Forderung nach gerechter Gesundheitspolitik
„Gesundheitliche Belastungen im Beruf sind sozial ungleich verteilt“, erklärte Momentum-Ökonom Paul Steinmaßl. Viele Menschen würden die Pension bereits heute nicht mehr gesund erreichen. Forderungen nach einem höheren Pensionsalter würden diese Unterschiede ausblenden.
Das Institut plädiert daher für eine Gesundheitspolitik, die diese Ungleichheiten stärker berücksichtigt. Empfohlen wird unter anderem eine nachhaltige Finanzierung von Krankenkassen, Spitälern und Primärversorgungszentren. Einsparungen könnten hingegen den Trend zu einer Zwei-Klassen-Medizin verstärken und den Zugang zur Versorgung weiter verschärfen.
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